Gefechte im Jemen "Aden ist eine Geisterstadt"

Augenzeugen berichten von heftigen Gefechten im Süden des Jemen, innerhalb von 24 Stunden sollen fast hundert Menschen gestorben sein. Das Rote Kreuz ist mit ersten Konvois ins Krisengebiet vorgedrungen.

AP/dpa

Das Rote Kreuz hat erstmals seit Ausbruch der Kämpfe dringend benötigtes medizinisches Material in Krankenhäuser der südjemenitischen Metropole Aden gebracht. Zwei Konvois des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) erreichten die Stadtteile Kraitar und Mualla, berichtete der Leiter der IKRK-Operationen in Nahost, Robert Mardini.

"Aden ist eine Geisterstadt", schrieb Mardini auf Twitter. "Die Einwohner sind nirgendwo zu sehen und das Ausmaß der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher."

In Aden kämpfen örtliche Anhänger des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und die aus dem Norden vorrückenden Huthi-Rebellen seit zwei Wochen um die Kontrolle über die Stadt. Seit dem 26. März bombardieren Flugzeuge einer von Saudi-Arabien geführten regionalen Allianz Stellungen und Waffenlager der Huthis, um die Anhänger des Präsidenten zu unterstützen.

Ganzer Jemen: Fast hundert Tote in 24 Stunden

Auch am Montag gab es heftige Gefechte im Süden des Jemen. Binnen 24 Stunden wurden laut AFP insgesamt 94 Menschen getötet, mindestens 53 kamen bei den Kämpfen um Aden ums Leben. Unter den Opfern seien auch 17 Zivilisten, sagte ein Arzt der Nachrichtenagentur. Laut Augenzeugen konzentrierten sich die Kämpfe am Montag besonders auf das zentrale Viertel Mualla, Explosionen waren zu hören.

Der Uno-Sicherheitsrat will am Montagabend über den Vorschlag Russlands beraten, die Luftangriffe zumindest vorübergehend zu stoppen. Während dieser humanitären Feuerpause plant Moskau, Landsleute in Sicherheit zu bringen. Außerdem soll die Zeit genutzt werden, um die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Viele Einwohner sind durch die Kämpfe von Hilfen der internationalen Gemeinschaft abgeschnitten.

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Jemen: Heftige Gefechte, fliehende Einwohner
Auch das Rote Kreuz meldete grundsätzliche "logistische Probleme" bei der Lieferung von Hilfsgütern für die Not leidende Bevölkerung. Es gebe zwar die erforderlichen Genehmigungen für Lieferungen nach Sanaa, doch hätten Flugzeuge jedoch zunehmend Probleme, auf dem dortigen Flughafen zu landen, sagte eine IKRK-Sprecherin. Für die Entsendung von Chirurgen per Boot nach Aden liege bisher nicht die Zustimmung aller Kampfparteien vor.

Rolle Irans umstritten

Der jemenitische Präsident Hadi war nach Aden geflohen, nachdem die Huthi-Rebellen und die Truppen Salehs im Februar die Hauptstadt Sanaa vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Als die Huthis Mitte März auf die südliche Hafenstadt vorrückten, floh Hadi weiter nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um militärische Unterstützung. Bei den Luftschlägen helfen auch verbündete arabische Staaten mit.

Als Grund für ihre Intervention führt die Allianz unter anderem an, dass Iran die Huthis unterstütze. Viele Experten bezweifeln allerdings, dass Iran tatsächlich nennenswert Einfluss auf die Rebellen hat. Das iranische Parlament warf Saudi-Arabien am Sonntag eine "klare Aggression gegen ein Volk und ein unabhängiges Land" vor. Iranischen Medienberichten zufolge bat die Regierung in Teheran das Sultanat Oman, sich in Riad für ein Ende der Luftangriffe einzusetzen.

In Pakistan beriet das Parlament am Montag über eine Anfrage Saudi-Arabiens, sich mit Flugzeugen, Schiffen und Truppen an der Koalition im Jemen zu beteiligen. Die Regierung von Ministerpräsident Nawaz Sharif zögert trotz ihrer engen Beziehungen mit Riad bisher, die Intervention zu unterstützen und spricht sich für eine politische Lösung des Konflikts im Jemen aus.

Nach Angaben der Vereinten Nationen vom Donnerstag kamen bei den Gefechten während der vorangegangenen zwei Wochen mehr als 500 Menschen ums Leben.

irb/AFP/dpa/Reuters



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drittaccount 06.04.2015
1.
Es werden sich sicherlich nur wenige Gründe finden, für die Huthi-Rebellen Partei zu ergreifen. Doch wie man man klaren Verstandes für die Terrorfinanzierer aus Saudi-Arabien Partei ergreifen kann und diesen Krieg auch nur ansatzweise befürworten und sogar unterstützen kann, ist mir vollkommen schleierhaft.
ewspapst 06.04.2015
2. Die falsche Sicht
Zitat von drittaccountEs werden sich sicherlich nur wenige Gründe finden, für die Huthi-Rebellen Partei zu ergreifen. Doch wie man man klaren Verstandes für die Terrorfinanzierer aus Saudi-Arabien Partei ergreifen kann und diesen Krieg auch nur ansatzweise befürworten und sogar unterstützen kann, ist mir vollkommen schleierhaft.
Sie sehen das völlig falsch nach meiner Meinut. Die Saudis sind doch unsere Schruken und die dürfen Verbrechen begehen, wo iahc immer: Sie stehen seit Jahrzehnten unter dem vertraglichen Schutz der USA. Wen die Schutzmacht das Recht hat, Verbrechen zu begehen: Irakkrieg mit einer Lüge beginnen, NSA Spionage, Guantanamo, CIA Gefängnisse und Folterfreibrief, dann kann sich der geschutzte Staat doch ebenso verhalten und im Jemen Zivilisten durch Bomben zerfetzen lassen. Das gehört nun mal zu den westlichen Werten, oder gibt da andere Meinungen.
ewspapst 06.04.2015
3. Korrektur
Zitat von ewspapstSie sehen das völlig falsch nach meiner Meinut. Die Saudis sind doch unsere Schruken und die dürfen Verbrechen begehen, wo iahc immer: Sie stehen seit Jahrzehnten unter dem vertraglichen Schutz der USA. Wen die Schutzmacht das Recht hat, Verbrechen zu begehen: Irakkrieg mit einer Lüge beginnen, NSA Spionage, Guantanamo, CIA Gefängnisse und Folterfreibrief, dann kann sich der geschutzte Staat doch ebenso verhalten und im Jemen Zivilisten durch Bomben zerfetzen lassen. Das gehört nun mal zu den westlichen Werten, oder gibt da andere Meinungen.
Sie sehen das völlig falsch nach meiner Meinung. Die Saudis sind doch unsere Schurken und die dürfen Verbrechen begehen, wo auch immer: Sie stehen seit Jahrzehnten unter dem vertraglichen Schutz der USA. Wen die Schutzmacht das Recht hat, Verbrechen zu begehen: Irakkrieg mit einer Lüge beginnen, NSA Spionage, Guantanamo, CIA Gefängnisse und Folterfreibrief, dann kann sich der geschutzte Staat doch ebenso verhalten und im Jemen Zivilisten durch Bomben zerfetzen lassen. Das gehört nun mal zu den westlichen Werten, oder gibt da andere Meinungen.
hugahuga 06.04.2015
4. Und als wären wir allesamt nur noch naiv und dumm -
zeigen uns unsere ÖR die Lage im Jemen immer nur aus der KSA Perspektive. Es werden dann zwar Opfer kurz erwähnt, aber die Ursache dieser Opfer - nämlich das Bombardement der KSA - diesen Zusammenhang will man eigentlich nicht richtig herstellen. Auch verschweigt man - bei Berichten über die Ukraine - dass jetzt der Nazi Jarosch mit seinen Kämpfern in die ukrainische Armee eingegliedert wird, bei voller Kommandogewalt. Wohl demnächst auch im Besitz von US Waffen und das Ganze mit EU Geldern gesponsert. Wird alles verschwiegen, zensiert und unter der Decke gehalten, damit der ,blöde Michel' nicht wach wird.
t dog 09.04.2015
5. So so
Das internationale Rote Kreuz. Der arabische Halbmond aus UAE wäre auch zu offensichtlich und die OSZE zu sehr mit militärischer Aufklärung in der Ukraine beschäftigt... Wenn die Huthis schlau sind, dann helfen sie sich lieber selbst.
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