Gefechte in Gaza Fatah-Anhänger fliehen vor Kämpfen nach Israel

Im Gaza-Streifen eskaliert der Konflikt zwischen den rivalisierenden Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah: Beide haben sich in der Nacht blutige Kämpfe geliefert, mindestens neun Menschen starben, 80 wurden verletzt. Fast 200 Fatah-Mitglieder suchten vorübergehend Schutz in Israel.


Gaza/Ramalla - Israel hat vorübergehend 180 Mitglieder der Fatah aufgenommen, die vor der verfeindeten Hamas aus dem Gaza-Streifen vertrieben wurden. Von den Flüchtlingen seien 22 mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden, sagte eine Sprecherin der israelischen Armee am Sonntag.

Israelischer Soldat mit Fatah-Mitgliedern an der Armeebasis Nahal Os
AP

Israelischer Soldat mit Fatah-Mitgliedern an der Armeebasis Nahal Os

Es handele sich um eine "humanitäre Geste" angesichts der schweren Gefechte im Gazastreifen. Der Großteil der Flüchtlinge sollte weiter nach Ramallah im Westjordanland gebracht werden. 32 der geflohenen Fatah-Mitglieder kehrten inzwischen in den Gaza-Streifen zurück - und wurden nach ihrer Ankunft von der Hamas verhaftet.

Vize-Regierungschef Haim Ramon sagte im Militärradio, dass Israel denjenigen Palästinensern helfe, die den radikalen Islam bekämpften und Verhandlungen unterstützten. Israel hatte nach Angaben eines ranghohen Beamten am Samstag auf Anordnung von Verteidigungsminister Ehud Barak den Grenzübergang Nahal Os ausnahmsweise für die Flüchtlinge geöffnet. Zuvor habe Palästinenserpräsident Mahmud Abbas persönlich darum gebeten. Die Grenze Israels zum Gazastreifen ist seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 geschlossen.

Bei neuen Kämpfen zwischen Anhängern von Hamas und Fatah in Gaza waren am Samstag nach palästinensischen Angaben neun Menschen getötet und mehr als 90 weitere verletzt worden. Auslöser der Gefechte war die versuchte Festnahme des Chefs eines der Fatah nahestehenden Familienclans, der hinter einem Bombenanschlag auf Hamas-Kämpfer stecken soll.

Bei dem Anschlag waren am 25. Juli fünf Mitglieder des militärischen Arms der Hamas und ein fünfjähriges Mädchen getötet worden. In Folge des Anschlags waren von der Hamas in den vergangenen Tagen Hunderte Fatah-Anhänger festgenommen worden. Die Beziehungen der beiden Palästinenserorganisationen sind äußerst gespannt, seit die radikale Hamas die Macht im Gazastreifen übernommen hat.

itz/AFP



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