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Gefechte in Libyen: Alliierte weiten Kampfzone aus

Die Nato ringt um eine gemeinsame Linie in Libyen - im Land gehen die Kämpfe weiter. Die Alliierten reagieren auf die Operationen der Gaddafi-Truppen mit neuen Luftangriffen, jetzt offenbar auch im Süden. Lesen Sie die Ereignisse im Minutenprotokoll nach.

Angriff der Alliierten: Gaddafis Regime unter Feuer Fotos
AP

Hamburg - Es war der dritte Tag der Militäraktion gegen das Regime um Muammar al-Gaddafi: US-Streitkräfte starteten am Montag eine Attacke mit Marschflugkörpern auf Stellungen der libyschen Armee. Zwölf Cruise-Missiles-Raketen seien abgefeuert wurden, erklärte das US-Kommando für Afrika. Libysche Flugzeuge seien zerstört, der Vormarsch der Truppen auf die Rebellenhochburg Begasi gestoppt worden.

Von einem direkten Angriff auf den Machthaber will der Westen dagegen nichts wissen. Großbritanniens Premier David Cameron sprach zwar von Erfolgen: Die libysche Luftabwehr sei durch die Angriffe der Alliierten weitgehend ausgeschaltet worden. Ein Regimewechsel mit militärischen Mitteln ist nach den Worten Camerons jedoch nicht das Ziel der Angriffe. "Meine Meinung ist: Libyen muss Gaddafi loswerden", sagte Cameron am Montag im Unterhaus.

"Aber unsere Aufgabe ist es, die Uno-Resolution durchzusetzen. Die Aufgabe des libyschen Volkes ist es, seine Zukunftsoption zu wählen." Auch US-Außenminister Robert Gates hatte einen Angriff auf Gaddafi als "unklug" bezeichnet. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des französischen Verteidigungsministeriums.

Die Attacken auf Gaddafis Militär gingen weiter: In der Hauptstadt Tripolis war nach Einbruch der Dunkelheit das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören. Eine Marinebasis sollt dort das Ziel gewesen sein, berichtet al-Dschasira. Weitere Details über einen möglichen neuen nächtlichen Angriff auf die Stadt waren aber zunächst nicht bekannt.

Die westliche Militärallianz soll nach Angaben der libyschen Regierung auch die Wüstenstadt Sabha, eine Hochburg Gaddafis ins Visier genommen. Seit Samstag gebe es "Luft- und Raketenangriffe" auf zahlreiche Städte wie Tripolis, Suwara, Misurata und Sirte, sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim am Montag in Tripolis. Sabha im Süden des Landes sei am Montag "ins Visier genommen" worden.

Flugverbotszone ausgeweitet

Die Koalitionsstreitkräfte haben nach Angaben von US-Militärs die Flugverbotszone über Libyen erweitert. Die Zone, in der keine libyschen Flugzeuge fliegen dürfen, nähere sich damit immer mehr der Hauptstadt Tripolis, erklärte das US African Command in Stuttgart. Man gehe davon aus, dass die Zone schon bald die Städte Brega and Misurata, rund 200 Kilometer östlich von Tripolis, umfasse, sagte General Carter Ham in einer Video-Konferenz am Montag.

Trotz der kolportierten Verluste durch die alliierten Luftangriffe setzte der Staatschef seine Offensive gegen die Rebellen im Land auch am Montag fort. Angriffe der Gaddafi-Truppen wurden aus Az Zintan südwestlich von Tripolis und aus Misurata im Westen gemeldet. Ein Rebellensprecher berichtete hier von mehr als 40 Toten, die Staatsarmee habe Zivilisten als Schutzschilde benutzt und sogar auf Krankenwagen gefeuert. Wie schon in den letzten Tagen war der Wahrheitsgehalt dieser Angaben vorerst nicht zu überprüfen.

Gleiches gilt für die Meldung der Gaddafi-Truppen, man habe Misurata am Abend eingenommen. Dies berichtet der TV-Sender al-Arabyia unter Berufung auf einen Armee-Sprecher.

Streit in der Nato über weiteres Vorgehen

Während die Kämpfe in Libyen mit unverminderter Härte weitergehen, hat sich die Nato immer noch nicht auf die eigene Rolle in dem Konflikt geeinigt. Frankreich lehnte am Montag noch einmal die von anderen Nato-Staaten geforderte Führungsrolle des Bündnisses bei dem Militäreinsatz ab. Die Türkei stimmte einem entsprechenden Nato-Mandat ebenfalls nicht zu.

Die Bewertung der westlichen Kampfeinsätze in Libyen hat in Russland überraschend einen innenpolitischen Disput ausgelöst. Präsident Dmitrij Medwedew wies Regierungschef Wladimir Putin in die Schranken, weil dieser die Libyen-Angriffe als "mittelalterlichen Kreuzzug" kritisiert hatte.

Solche Vergleiche seien "unangebracht", betonte Medwedew nach einem Bericht der Agentur Interfax vor Journalisten in seiner Residenz bei Moskau. Der Staatschef übte damit in bisher ungewohnt deutlicher Art Kritik am Politikstil seines Ziehvaters Putin.

Die Europäische Union beschloss eine Verschärfung der Sanktionen gegen die libysche Staatsführung und deren engste Helfer. Neun Firmen - darunter drei führende Geschäftsbanken - wurden in eine Liste von Unternehmen aufgenommen, deren Konten in der EU eingefroren werden. Auch wurde die Liste von knapp 30 Personen, denen die Einreise in die EU verboten wurde und deren Konten in der EU gesperrt wurden, um elf Mitglieder des Führungskreises von Gaddafi erweitert.

Lesen Sie im Minutenprotokoll die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden nach.

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insgesamt 253 Beiträge
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1. Scheiß drauf- hört auf...
Mitten in Bayern, 21.03.2011
Es zeigt sich, dass das schon wieder eine halbgare Geschichte ist. 1. Die arabische Liga war wohl der Meinung, es würde nur mit Wattebällchen geworfen. Jetzt ist der Westen plötzlich wieder der Böse... 2. Freund und Feind ist nicht ohne weiteres auszumache 3. Einen Bodeneinsatz will keiner, von der Luft ist das nicht zu regeln. Fazit: Hört auf mit dem Scheiß, was kümmert uns das Ganze eigentlich? Müssen wir uns darum kümmern, wie lange sich ein Volk von einem Herrscher drangsalieren lässt? Sollen sich doch die Araber drum kümmern! Deutschland hat recht, wenn man erkennt, dass diese Aktion nicht erfolgreich sein kann! Dass man Beifall vom Despoten bekommt, macht die Sache nicht falsch
2. Gaddafi-Terror im Mittelmeerraum
aronsperber 21.03.2011
Gaddafi droht mit Angriffen auf zivile Ziele im Mittelmeerraum. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, sind diese Drohungen ernst zu nehmen: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/20/terror-im-mittelmeerraum/ Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.
3. Das...
fabfiddle 21.03.2011
Zitat von sysopDiktator Gaddafi ist gewillt, sein Volk als Waffe einzusetzen: Nun will er Tausende seiner Anhänger in die Rebellenhochburg Bengasi marschieren lassen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Flüchtlinge, inzwischen auch an der*italienische Küste. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752144,00.html
...passt ja mal wieder: in einer Minute wird gemeldet, es würde eine Waffenruhe eingehalten, dann kommt das mit der Million bewaffneter Bürger, dann wieder die Waffenruhe, dann wieder der Marsch auf Bengasi... wie lange erlaubt man diesem kranken Hirn noch, die Welt zum Narren zu halten? Vor über 70 Jahren hat die Welt so einer Verarsche schon einmal zugeschaut und einem "lieben Führer" alles geglaubt... und dafür dann blutig bezahlt.
4. Einfache Lösung
TheBear, 21.03.2011
Zitat von sysopDiktator Gaddafi ist gewillt, sein Volk als Waffe einzusetzen: Nun will er Tausende seiner Anhänger in die Rebellenhochburg Bengasi marschieren lassen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Flüchtlinge, inzwischen auch an der*italienische Küste. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752144,00.html
Also, wenn man Gaddafi so reden hört, nämlich, dass sein Volk ihn liebt und alle sogar für ihn zu sterben bereit sind, sollte es doch eine ganz einfache Lösung geben: Wahlen organisieren, mit einem ganz einfachen Wahlzettel O ja, ich will Gaddafi als meinen Führer O nein, Gaddafi soll zurücktreten Würde ne' Menge Geld, und viel dummes Gerede auf der ganzen Welt sparen. Komisch, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, grübel, grübel ...
5. Wie viele Diktatoren in der Geschichte...
flohuby 21.03.2011
...verheizt Gaddafi jetzt sein eigenes Volk, hetzt die Menschen aufeinander. Das ist etwas, womit die internationale gemeinschaft sich auseinandersetzen muss. Entweder nehmen sie zivile Opfer in Kauf und halten ihre Waffen drauf oder sie müssen eine andere Vorgehensweise finden, um Gaddafis Treiben Einhalt zu gebieten. Ich vermute, dass in jedem Fall das libysche Volk fürchterlich bluten muss. Ich hoffe nur, dass Gaddafi eine entsprechende Wertschätzung bekommen wird.
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Fotostrecke
Luftschlag gegen Gaddafi: "Operation Odyssey Dawn"

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Fayez Sarraj (Präsident des Präsidialrates)

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Was Staaten zum Militäreinsatz in Libyen beitragen
Frankreich
Frankreich verfügt über rund hundert Kampfflugzeuge, vorwiegend vom Typ "Rafale" und "Mirage 2000", sowie Awacs-Flugzeuge zur Luftraumüberwachung. Zunächst kamen 33 Kampfflugzeuge zum Einsatz. Paris schickte zudem den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" vom südfranzösischen Hafen Toulon aus in Richtung Libyen. Die Stützpunkte Solenzara auf Korsika und N'Djamena im Tschad können als Basis benutzt werden.
Großbritannien
Großbritannien hat Kampfflugzeuge vom Typ "Tornado" und "Eurofighter" in die Nähe von Libyen, auf den italienischen Stützpunkt Gioia del Colle, verlegt. Dort sind auch Awacs-Maschinen stationiert. Insgesamt sind derzeit 17 Maschinen im Einsatz. Zudem befinden sich die Fregatten "Westminster" und "Cumberland" im Mittelmeer.
USA
Die Vereinigten Staaten haben auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien F-15- und F-16 Kampfflugzeuge stationiert. Bisher waren 90 Maschinen an den Einsätzen beteiligt. Der Helikopterträger "Bataan" und zwei weitere Kriegsschiffe sollen am Mittwoch von den USA ins Mittelmeer aufbrechen, wo sie die Helikopterträger "Kearsarge" und "Ponce" ablösen sollen. Zudem befinden sich derzeit die Zerstörer "Barry" und "Stout" im westlichen Mittelmeer. Beide haben Marschflugkörper vom Typ "Tomahawk" an Bord, die am Wochenende eingesetzt werden und auch von U-Booten abgefeuert wurden.
VAE und Katar
Die Vereinigten Emirate (VAE) und Katar beteiligen sich ebenfalls an dem Einsatz. Die VAE entsenden zwölf Kampfflugzeuge zur Durchsetzung des Flugverbots über Libyen. Die jeweils sechs Flugzeuge der Typen F-16 und Mirage sollen sich an Patrouillenflügen zur Überwachung des von den Vereinten Nationen verhängten Flugverbots beteiligen. Katar nimmt mit vier Flugzeugen an dem Militäreinsatz teil.
Italien
Italien hat die Nutzung von sieben Luftwaffenstützpunkten angeboten. Die Luftwaffe hat mit 16 Maschinen in die Libyen-Mission eingegriffen, ein Kriegsschiff kam ebenfalls zum Einsatz.
Spanien
Spanien stellt vier F-18-Kampfjets, ein Flugzeug für die Luftbetankung, ein Marineüberwachungsflugzeug, eine Fregatte und ein U-Boot ab.
Kanada
Kanada hat die Beteiligung von sieben CF-18-Jagdbombern und vier weiteren Maschinen zugesagt, die in Italien stationiert werden. Zudem befindet sich die Fregatte "Charlottetown" in der Region.
Dänemark
Dänemark entsendet vier F-16-Jagdflugzeuge, zwei Reservekampfjets, ein Transportflugzeug auf einen Stützpunkt auf Sizilien.
Norwegen
Norwegen hat sechs F-16-Maschinen zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen bereitgestellt.
Belgien
Belgien hat die Beteiligung seiner sechs bei der Nato eingesetzten F-16-Jagdflugzeuge sowie den Einsatz eines Minenjagdboots angeboten.
Niederlande
Die Niederlande beteiligen sich mit sieben Kampfflugzeugen und einem Schiff an der Militäraktion.
Griechenland
Griechenland stellt Stützpunkte, zwei Flugzeuge und ein Kriegsschiff zur Verfügung.
Rumänien und Bulgarien
Aus Rumänien und Bulgarien wurde je ein Kriegsschiff in die Krisenregion verlegt.
Türkei
Die Regierung in Ankara trägt mit sieben Flugzeugen zu der Mission bei, darunter sechs F-16-Jets. Außerdem sind vier türkische Fregatten, ein U-Boot und ein Versorgungsschiff im Einsatz.


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