Gefechte in Libyen Nato stoppt Minenleger am Hafen von Misurata

Truppen des libyschen Despoten Gaddafi haben versucht, den Hafen von Misurata mit Seeminen zu blockieren. Kriegsschiffe der Nato konnten dies verhindern, ihre Besatzung bereits gelegte Minen entschärfen. Rebellen und regierungstreue Einheiten liefern sich in der Stadt heftige Gefechte.

Flüchtlinge im Hafen von Misurata: Nato vereitelte Minenattacke
REUTERS

Flüchtlinge im Hafen von Misurata: Nato vereitelte Minenattacke


Brüssel - Die Nato hat am Freitag den Plan des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi durchkreuzt, den Hafen von Misurata verminen zu lassen. Am Morgen seien mehrere Schiffe beim Versuch abgefangen worden, Minen vor dem Hafen zu deponieren, teilte die Nato mit. Spezialisten der Allianz seien dabei, die Minen zu entfernen, sagte der britische Brigadegeneral Robert Weighill. Die Minen sollten Hilfslieferungen in die Stadt verhindern. Dies sei ein weiterer Beweis dafür, dass sich Gaddafi über internationales Recht hinwegsetze.

Die Rebellenhochburg Misurata wird seit Wochen von Regierungstruppen belagert, die Lage der Einwohner ist Aufständischen zufolge katastrophal. Seit den frühen Morgenstunden waren rund um den Flughafen der Stadt Explosionen und heftiges Maschinengewehrfeuer zu hören. Nach Angaben der Rebellen griffen Panzer die seit zwei Monaten belagerte Stadt zeitgleich von Osten, Süden und Westen an. Aus den Vororten waren heftige Schusswechsel und unablässige Explosionen zu hören. Nach Krankenhausangaben gab es bis zum Mittag mindestens fünf Tote und 16 Verletzte.

Die Rebellen und eine Reihe von Nato-Luftangriffen hatten die Truppen von Libyens Machthaber am Montag aus der Küstenstadt vertrieben. Lediglich das Gebiet um den Flughafen wurde bis Freitag noch von den Regierungstruppen kontrolliert.

Nach Wochen mit schnellen Landgewinnen und Rückschlägen auf Seiten der Gaddafi-Truppen und der Aufständischen ist es im Land aber zu einer Pattsituation gekommen. Weder Rebellen noch Regierungstruppen können einen entscheidenden Durchbruch erzielen. Die Nato, die mit Luftangriffen Zivilisten schützen soll, beobachtet die Entwicklung mit Unruhe. Die Rebellen fordern ein stärkeres Eingreifen. Kritiker monieren, die Allianz überschreite das Uno-Mandat und wolle Gaddafi töten.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, berichtete Diplomaten zufolge von gezielten sexuellen Übergriffen der Gaddafi-Einheiten auf Zivilisten. Rice habe demnach Berichte zitiert, wonach Gaddafis Anhängern das Potenzmittel Viagra ausgegeben worden sein soll, um sie zu Vergewaltigungen anzustiften. Bestätigt werden konnten die Angaben aber nicht.

Kämpfe an der Grenze zu Tunesien

Der Libyen-Konflikt greift inzwischen auch auf Tunesien über. Gaddafi-Einheiten lieferten sich am Freitag im tunesischen Grenzort Dehiba Gefechte mit dem Militär des Nachbarlandes. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die Gaddafi-Einheiten hätten zunächst Granaten auf Dehiba abgeschossen, wo sich libysche Rebellen verschanzt hätten. Dann rückten einige von ihnen in den Ort vor. Es war das erste Mal, dass libysche Bodentruppen die Grenze überquerten.

Die Aufständischen hatten sich in den vergangenen Tagen aus der westlichen Bergregion Libyens ins Nachbarland abgesetzt, nachdem Getreue Gaddafis einen Grenzübergang in ihre Gewalt gebracht hatten, der zuvor von den Rebellen eingenommen worden war.

"Heute Morgen gab es jede Menge Gefechte", berichtete der Fotograf aus Dehiba. Das tunesische Militär hat gegen die Gaddafi-Einheiten gekämpft. Einige Gaddafi-Leute wurden getötet." Einwohner berichteten, dass auch in Wohnhäusern Granaten eingeschlagen seien. Mindestens eine Frau sei verletzt worden. Ein Zeuge berichtete, der tunesischen Armee sei es gelungen, den Ort abzuriegeln. Über das Schicksal der Gaddafi-Einheiten sei nichts bekannt.

Ein libyscher Aufständischer berichtete, die Rebellen hätten den Grenzübergang bei Dehiba zurückerobert. Der wichtigste Übergang rund zwei Autostunden weiter nördlich war allerdings weiter unter Kontrolle der Gaddafi-Truppen. Bereits am Donnerstag hatten Gaddafi-Einheiten libysche Rebellen im tunesischen Grenzgebiet mit Granaten beschossen und damit den Protest der Regierung in Tunis auf sich gezogen.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis demonstrierten am Freitagabend erstmals seit Wochen wieder Regimegegner. Nach Angaben der Aufständischen schossen die Truppen von Staatschef Gaddafi auf die Demonstranten und trieben sie mit Tränengas auseinander. Die Proteste ereigneten sich den Angaben zufolge in den Vierteln Souk al-Dschumaa und Tadschura ereignet. Oppositionelle, die in den vergangenen Wochen aus der Hauptstadt geflüchtet waren, hatten erklärt, in Tripolis herrsche ein Klima der Angst.

ffr/Reuters/dapd/AFP

insgesamt 95 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
carlo02 29.04.2011
1. Ich
frag mich, mit welcher Berechtigung. Die Nato hat lediglich die Genehmigung der UNO, den Luftraum frei zu halten. Da tun sie schon mehr, als sie dürfen und greifen Panzer und Stellungen an. Davon abgesehen find ich das gut.
burninghands, 29.04.2011
2. Seltsame Wortwahl
Des "Despoten" Gaddafi? Was soll der Quatsch denn? Vierzig Jahre lang Geschaeftspartner, und jetzt Despot? Aber anscheinend nuetzt der ganze Spin des SpOn eh nichts; wenn man die Forenbeitraege seit Wochen so liest, durchschaut die Mehrzahl der aktiven Foristen das Spiel und laesst sich nicht manipulieren.
Morngwath 29.04.2011
3. Nö
Zitat von burninghandsDes "Despoten" Gaddafi? Was soll der Quatsch denn? Vierzig Jahre lang Geschaeftspartner, und jetzt Despot? Aber anscheinend nuetzt der ganze Spin des SpOn eh nichts; wenn man die Forenbeitraege seit Wochen so liest, durchschaut die Mehrzahl der aktiven Foristen das Spiel und laesst sich nicht manipulieren.
Nicht ganz, denn Despot und Geschäftspartner schließen einander ja nicht aus. Aber lassen Sie sich ruhig von der Gaddafi-Propaganda manipulieren. Ich lass mich lieber von unseren "gleich-geschalteten" Medien manipulieren.
ddkddk 29.04.2011
4. Inhalt der UN-Resolution ist weitgehend unbekannt
Der Sicherheitsrat "autorisiert die Mitgliedstaaten, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um Zivilisten und von Zivilisten bewohnte Gebiete in Libyen zu schützen, denen ein Angriff droht..." Damit ist die hier erwähnte Maßnahme eindeutig gedeckt. Ausdrücklich verboten sind lediglich Besatzungstruppen. Deshalb wäre auch ein vorübergehender Hilfseinsatz von Bodentruppen möglich.
quaden 29.04.2011
5. Die Rechtsgrundlage...
Zitat von carlo02frag mich, mit welcher Berechtigung. Die Nato hat lediglich die Genehmigung der UNO, den Luftraum frei zu halten. Da tun sie schon mehr, als sie dürfen und greifen Panzer und Stellungen an. Davon abgesehen find ich das gut.
...liegt in Form von UN-Resolution 1973 vor, die "alle notwendigen Maßnahmen" zum Schutz der Zivilbevölkerung deckt. Die Verminung einens Hafens zu unterbinden, über den Hilfslieferungen in eine belagerte Stadt gelangen, ist geradezu ein Lehrbuchbeispiel für eine solche "notwendige Maßnahme".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.