Gefechte in Syrien: Armee jagt Deserteure in Damaskus

In Syriens Hauptstadt Damaskus sind Kämpfe zwischen Militär und desertierten Soldaten aufgeflammt. Aktivisten berichten, die Gegend sei zuvor nach den Flüchtigen abgesucht worden. Die zerstrittene Exil-Opposition hat sich inzwischen auf einen Demokratie-Fahrplan geeinigt - für die Zeit nach Assad.

Damaskus: Gefechte am 30. Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden) Zur Großansicht
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Damaskus: Gefechte am 30. Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)

Damaskus - Nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es am Sonntag nach Angaben von Oppositionellen zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und Deserteuren aus der Armee gekommen. Laut Aktivisten flammten die Kämpfe auf, als das Militär die Gegend nach den abtrünnigen Soldaten absuchte.

Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. Die "Freie Syrische Armee" der Deserteure hatte erst vor wenigen Tagen versprochen, die Angriffe auf die Regierung einzustellen, um den arabischen Beobachtern die Mission zu erleichtern.

Menschenrechtlern zufolge gehen syrische Sicherheitskräfte trotz Anwesenheit der von der Arabischen Liga entsandten Beobachter unvermindert hart gegen die Opposition vor.

Am Wochenende seien mehr als 30 Menschen getötet worden, teilte eine in London ansässige Menschenrechtsgruppe mit. Allein bei den Massenprotesten gegen den autokratischen Präsidenten Baschar al-Assad am Freitag seien 27 Menschen erschossen worden und zwar in Landesteilen, in denen keine Inspektoren der Arabischen Liga gewesen seien. Am Samstag hätten Heckenschützen vier Zivilisten getötet.

Die Beobachter der Arabischen Liga sollen die Einhaltung eines Friedensplans überwachen, den die syrische Führung im November mit dem Staatenbund vereinbart hat. Darin sagt sie ein Ende der Gewalt gegen die Opposition zu. Seit Beginn des Aufstands im März sind nach Angaben der Vereinten Nationen in Syrien mehr als 5000 Menschen getötet worden, meistens unbewaffnete Zivilisten. Da die syrische Führung die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen hat, lassen sich Angaben rund um die Proteste und das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte kaum unabhängig überprüfen.

Exil-Oppositionsgruppen einigen sich auf Demokratie-Fahrplan

Zwei führende syrische Exil-Oppositionsgruppen haben sich auf einen Fahrplan zur Demokratie geeinigt. Für den Fall, dass Präsident Baschar al-Assad durch die Massenproteste stürzt, einigten sich der Syrische Nationalrat (SNC) und das Nationale Koordinationskomitee auf eine einjährige Übergangsperiode.

Die beiden Gruppen legten ihre Meinungsverschiedenheiten bei und unterzeichneten ein Abkommen, das den Umbau des Landes regelt. Vorgesehen ist, noch während der Übergangsperiode eine neue Verfassung anzunehmen. Diese soll unter anderem Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sowie Religionsfreiheit garantieren. Angestrebt wird auch die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative. Ethnische, religiöse und sexuelle Diskriminierungen werden abgelehnt. Die Macht soll vom Volk ausgehen, heißt es in dem Dokument.

Die beiden Gruppen erklären, dass sie jede Militärintervention ablehnten, die der Souveränität oder der Stabilität des Landes schade. Eine arabische Intervention werde aber nicht als Eingriff des Auslands angesehen. Einer der Kernstreitpunkte beider Gruppen war die Forderung des SNC nach einer ausländischen Intervention. Das Nationale Koordinationskomitee hatte dies abgelehnt.

Unterzeichnet wurde der Pakt nach Angaben eines hochrangigen SNC-Vertreters bereits am Freitag. Das Abkommen soll den anderen Oppositionsgruppen bei einer Konferenz im kommenden Monat vorgelegt werden.

Nach den Freitagsgebeten waren am Wochenende riesige Demonstrationszüge durch die Straßen Syriens gezogen. Es sollen eine halbe Million Menschen gewesen sein, die an diesem Tag des Zorns auf die Straßen gegangen waren, hatte das Syrian Human Rights Observatory gemeldet.

Die Beobachter der Arabischen Liga warnen inzwischen vor einer Verschlimmerung der Sicherheitslage. In der Stadt Daraa sollen Heckenschützen gesehen worden sein. Die Beobachter drohten der Regierung daraufhin mit Konsequenzen, sollte sie die Soldaten nicht wieder abziehen.

Über die Heckenschützen in Daraa herrscht inzwischen jedoch Uneinigkeit unter den Beobachtern der Arabischen Liga. Der Leiter der Beobachtermission, der sudanesische General Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi, wies in der BBC Angaben zurück, eines seiner Teammitglieder habe die Anwesenheit von Heckenschützen bestätigt. Ein in einem Video zu sehender Mann mit einer Weste der Liga habe über sie nur im Konjunktiv gesprochen. Der Mann habe gesagt, wenn er Heckenschützen selbst sähe, würde er das umgehend melden.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuvor ein auf Freitag datiertes Video veröffentlicht, in dem ein Mann mit orangener Weste zu einer Menschenmenge in Daraa sagt: "Es gibt Heckenschützen, wir haben sie mit unseren eigenen Augen gesehen. Wir fordern die Behörden auf, sie sofort abzuziehen. Wenn sie sie nicht binnen 24 Stunden abziehen, wird es andere Maßnahmen geben". Der namentlich nicht genannte Mann fügt in dem Video hinzu: "Andernfalls wären wir umsonst hierher gekommen".

jbr/reuters/dpa

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insgesamt 82 Beiträge
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1.
driftwood1973 01.01.2012
Zitat von sysopIn Syriens Hauptstadt Damaskus sind Kämpfe zwischen Militär und desertierten Soldaten aufgeflammt. Aktivisten berichten, die Gegend sei zuvor nach den Flüchtigen abgesucht worden. Die zerstrittene Exil-Opposition hat sich inzwischen auf einen Demokratie-Fahrplan geeinigt - für die Zeit nach Assad. Gefechte in Syrien: Armee jagt Deserteure in Damaskus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806569,00.html)
Was sollen diese einseitigen Berichte gegen Assad? Haben Sie sich schon einmal ausgemalt was mit den Aleviten und Christen passiert, wenn die "Rebellen" in Syrien die Oberhand gewinnen. Hören Sie endlich auf mit der Augenwischerei und mit den Lügen über einen demokratischen arabischen Frühling. Es hat sich gezeigt, daß überall wo es "Demokratiebestrebungen" gab die Christen nicht mehr sicher leben können und in tausenden Tunesien und Ägypten verlassen. Das gleiche wird in Syrien geschehen: Die radikal islamistischen Islambruderschaften heitzen den Konflikt mit hilfe des Westens und Israel an um einen weiteren Verbündeten ( Assad) des Irans zu schwächen. Aber was Europa und der Westen langfristig von einem islamisierten Syrien hat, kann mir bisher keiner beantworten. Frau Merkel kann ja schon einmal Einladungen nach Syrien schicken....für die Christen, die nach Assad ihr Heimatland verlassen müssen.
2. ...
Hape1 01.01.2012
Zitat von sysopIn Syriens Hauptstadt Damaskus sind Kämpfe zwischen Militär und desertierten Soldaten aufgeflammt. Aktivisten berichten, die Gegend sei zuvor nach den Flüchtigen abgesucht worden. Die zerstrittene Exil-Opposition hat sich inzwischen auf einen Demokratie-Fahrplan geeinigt - für die Zeit nach Assad. Gefechte in Syrien: Armee jagt Deserteure in Damaskus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806569,00.html)
Unter dem Bild der Hinweis: "Damaskus: Gefechte am 30. Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)" Im Text der Satz: "Da die syrische Führung die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen hat, lassen sich Angaben rund um die Proteste und das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte kaum unabhängig überprüfen." Auf Deutsch: Wir wissen nichts... aber die syrische Regierung sind die Böse und die Rebellen die Guten
3. Desinformation in perfekter Form
michaelslo 01.01.2012
Zitat von sysopIn Syriens Hauptstadt Damaskus sind Kämpfe zwischen Militär und desertierten Soldaten aufgeflammt. Aktivisten berichten, die Gegend sei zuvor nach den Flüchtigen abgesucht worden. Die zerstrittene Exil-Opposition hat sich inzwischen auf einen Demokratie-Fahrplan geeinigt - für die Zeit nach Assad. Gefechte in Syrien: Armee jagt Deserteure in Damaskus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806569,00.html)
Vermutlich würde der Westen auch den Teufel als "Rebell", "Aufständischen" bezeichnen, wenn er den Interessen der Destabilisierung ungeliebter souveräner Staaten dient. Wessen Geistes Kinder die "Rebellen" sind, kann man in den arabischen Staaten der blumig umschriebenen Umstürze des "arabischen Frühlings" erkennen. Außer Chaos nichts gewesen. Und - Deserteure sind immer etwas anrüchig. Man sollte nicht auf Sie setzen. Demokraten haben eine andere Moral.
4. unprofessionell
pamiri 01.01.2012
"Menschenrechtlern zufolge gehen syrische Sicherheitskräfte trotz Anwesenheit der von der Arabischen Liga entsandten Beobachter unvermindert hart gegen die Opposition vor." was ich mir von den spiegel redakteuren im neuen jahr wuensche: vielleicht einen einzigen! artikel ueber ihre syrische nachrichtenquellen. nur einmal recherchieren, wer diese 2,3 personen sind, von denen - ganz offensichtlich - saemtliche hier veroeffentlichte artikel ueber syrien stammen. das! waere wirklich interessant... und der ueberschrift "armee jagt deserteure" ist ja sowas von bescheuert! soll das etwas suggerieren? ich denke in jedem land, jede regiereung wuerde das selbe tun - inkl. deutschland! das ist doch etwas ganz selbstverstaendliches und unbestrittenes. viel interessanter waere es zu erfahren, warum diese soldaten desertieren und ihre waffen gegen die armee richten! wenns wirklich so ist, dass sie sich geweigert haben, unrechte befehle auszufuehren, dann: riesenrespekt fuer diese helden! die vermutung will sich aber nicht legen, dass, zumindest einige von ihnen, selber machtpolitische ziele verfolgen (siehe libyen). eine genaue recherche, das sollte das anliegen des spiegels sein - nicht immer wieder die gleichen infos von den gleiche quellen abdrucken. so wuerde zumindest ich, waere ich ein journalist, denken...
5. zumindest
fr.rottenmeier 01.01.2012
Zitat von Hape1Unter dem Bild der Hinweis: "Damaskus: Gefechte am 30. Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden)" Im Text der Satz: "Da die syrische Führung die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen hat, lassen sich Angaben rund um die Proteste und das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte kaum unabhängig überprüfen." Auf Deutsch: Wir wissen nichts... aber die syrische Regierung sind die Böse und die Rebellen die Guten
ist die Presse etwas vorsichtiger geworden, nachdem in der letzten Zeit öfter mal durch den Fluch, oder auch Segen des Internet und der Seite Youtube einige verfälschte oder gar dreist erlogene Bilder, Videos und Berichte aufgedeckt wurden. Gesendet und gezeigt wird zwar trotzdem noch alles, aber immer kommentiert mit Worten wie, laut der ...blablaba....., wie aus unabhängigen, aber nicht überprüfbaren Kreisen berichtet wird ....blablabla .....usw. usw. Skepsis gegenüber der Berichterstattung, egal von wem sie ausgeht, ist also durchaus immer und grundsätzlich angebracht. Und manchmal frage ich mich, wozu wir überhaupt noch die Presse brauchen.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Wail al-Halki

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