Geheimdienst-Affäre Litwinenkos Kontaktmann mit Polonium verseucht

Zweiter Polonium-Fall in London: Der Geheimdienstexperte Scaramella kam nach Informationen der BBC ebenfalls mit der strahlenden Substanz in Kontakt - er war der italienische Kontaktmann des inzwischen verstorbenen Kreml-Kritikers Litwinenko.

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Hamburg - "Wir bestätigen, dass bei einer weiteren Person, die direkten Kontakt zu Alexander Litwinenko hatte, eine erhebliche Menge Polonium-210 im Körper gefunden wurde." Soweit ging die britische Gesundheitsbehörde am Nachmittag. Um wen es sich dabei handelt, das verschwiegen die Beamten. Der Fall werde im Krankenhaus weiter untersucht.

Wichtiger Zeuge: Mario Scaramella steht unter Polizeischutz
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Wichtiger Zeuge: Mario Scaramella steht unter Polizeischutz

Nach Informationen der BBC betrifft der zweite Polonium-Fall Mario Scaramella, einen italienischen Kontaktmann Litwinenkos.

Die beiden hatten sich am 1. November getroffen - das war der Tag, an dem der Exil-Russe erkrankte. Der Männer hatten sich zum Informationsaustausch in einem Sushi-Restaurant verabredet. Einem Bericht des britischen Senders SKY News zufolge leidet Scaramella an anderen Symptomen als Litwinenko. Bei dem Kreml-Kritiker hatten sich zunächst schweres Erbrechen und Haarausfall gezeigt. Eine Quelle für seinen Bericht nennt der Sender nicht.

Der "Times" zufolge haben die Ermittler im Fall Litwinenko eine weitere Spur: Demnach hat Litwinenkos Freund Alex Goldfarb Scotland Yard Briefe ausgehändigt, aus denen hervorgeht, dass der Kreml-Kritiker und weitere Personen das Ziel eines Geheimkommandos waren. Goldfarb zufolge stammen die beiden Schreiben von dem früheren russischen Agenten Michail Trepaschkin. In einem der beiden Briefe warne Trepaschkin Litwinenko: Seine Familie und er seien in Gefahr. Der Brief trägt das Datum 20. November. Drei Tage später starb der Adressat an seiner schweren Vergiftung.

Einen der beiden Briefe will Goldfarb dem Bericht zufolge selbst erhalten haben. Zwei Tage nach dem Tod Litwinenkos. Darin bietet sich Trepaschkin als Zeuge für die Ermittlungen an.

Ein Plan für Profis

Der Briefschreiber arbeitete der "Times" zufolge wie Litwinenko früher für den KGB-Nachfolger FSB. 1997 sei er ausgestiegen. Vor zwei Jahren waren Vorwürfe gegen ihn laut geworden, er sei ein britischer Spion. In den Briefen gebe er an, dass er aufgefordert worden sei, sich an dem Komplott gegen Litwinenko zu beteiligen, heißt es in dem Bericht weiter. Er habe das aber abgelehnt.

Eine Stellungnahme von Scotland Yard gibt es zu den Briefen nicht. Allerdings hatte es am Morgen bereits britische Pressemeldungen gegeben, wonach sich die Ermittler bei der Spurensuche inzwischen immer mehr auf Verdächtige in Russland konzentrieren. Demnach steht eine Gruppe jetziger und ehemaliger Mitglieder des russischen Geheimdienstes FSB im Fokus. Scotland Yard halte es für wahrscheinlich, dass der Exilrusse Opfer eines Komplotts wurde. Ein Mordauftrag des Kremls gelte inzwischen als ausgeschlossen.

Im "Guardian" hieß es, Litwinenko könne von "Schurkenelementen" aus dem russischen Staatsapparat getötet worden seien. Ermittler hätten der Zeitung gegenüber ihren Verdacht damit begründet, dass nur Profis in Russland Zugang zu staatlichen Nuklearlabors hätten und einen solchen Plan austüfteln könnten.

Behörden in Moskau stützen diese These. Polonium-210 könne in Russland nicht illegal beschafft werden. "Alle Atom- und Forschungsreaktoren sind Staatseigentum und stehen unter strenger Kontrolle der Regierung", sagte der Chef der Atomenergie-Behörde, Sergei Kirijenko, der Regierungszeitung "Rossiiskaja Gaseta". Im Land würden pro Monat nur acht Gramm der Substanz hergestellt, die über die einzig autorisierte Handelsfirma Techsnabexport in die USA ausgeführt würden. Zur Herstellung der Substanz seien bestimmte Reaktoren nötig, die nur in Russland und Kanada gebaut würden.

Anfrage beim FBI

Wie es im "Guardian" weiter heißt, haben die Ermittler eine Gruppe von fünf Russen ausgemacht, die mit vielen anderen Fußball-Fans aus Moskau in die britische Hauptstadt gereist war, um sich das Champions-League-Spiel Arsenal London gegen ZSKA Moskau am 1. November anzusehen - an diesem Tag begann das qualvolle dreiwöchige Sterben Alexander Litwinenkos. Schon kurz nach dem Spiel reisten die fünf wieder ab. Dem Bericht zufolge sucht die Polizei die Gruppe lediglich als Zeugen. Doch glaubten die Ermittler, ihre Anwesenheit in London könne der Schlüssel zur Lösung des Falles sein.


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Laut BBC liegt inzwischen bei der US-Bundespolizei FBI eine Anfrage um Unterstützung aus London vor. Die amerikanischen Experten für Massenvernichtungswaffen sollen demnach bei den Ermittlungen und wissenschaftlichen Analysen helfen.

Wichtige Informationen versprechen sich die Ermittler von der Obduktion. Eine Gruppe von gleich drei Pathologen hat sich heute des Leichnams von Alexander Litwinenko angenommen: Einen stellt die britische Regierung, einen beauftragte Litwinenkos Witwe Marina und der dritte ist ein unabhängiger Experte. Um sich nicht zu kontaminieren, tragen die Ärzte Schutzkleidung. Die Strahlungsbelastung wird während der Untersuchung permanent gemessen.

Mit der Obduktion im Royal London Hospital soll letztendlich geklärt werden, wie und in welcher Menge das tödliche Polonium-210 in den Körper des Kreml-Kritikers gelangt ist. Erste Ergebnisse soll es möglicherweise noch heute geben. Genaue Analysen können Wochen in Anspruch nehmen.

mit dpa/Reuters



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