Geheimdienstbericht Irakischer Qaida-Zweig bedroht USA

Die Bedrohung durch das Terrornetzwerk al-Qaida wächst nach Einschätzung amerikanischer Geheimdienste immer mehr. Vor allem der Ableger im Irak plane Anschläge in den USA. Präsident Bush widersprach den Sicherheitsdiensten: Die Terroristen seien heute schwächer als zur Zeit der Attentate 2001.


Washington – Nach Angaben der amerikanischen Geheimdienste wird al-Qaida seine zunehmende Stärke im Irak und in Pakistan zu Angriffen in den Vereinigten Staaten nutzen. Damit stünden die USA in den kommenden drei Jahren einer wachsenden terroristischen Bedrohung gegenüber, heißt es in einem Papier zur Bedrohungslage in den USA (National Intelligence Estimate), das in Washington in Teilen veröffentlicht wurde.

In dem Bericht wurden zahlreiche Organisationen genannt, die eine "anhaltende und sich entwickelnde" Gefahr darstellten, darunter al-Qaida, die libanesische Hisbollah und auch nicht-muslimische Gruppen. Größtes Augenmerk galt jedoch dem Netzwerk von Osama Bin Laden. Die Organisation konzentriere sich auf Anschläge gegen Ziele aus Politik, Wirtschaft und Infrastruktur und strebe dabei den Tod möglichst vieler Menschen und umfangreiche Zerstörung an.

Die Gruppe al-Qaida im Irak könne künftig eine direkte Bedrohung für die USA darstellen, erklärten die Autoren weiter. Sie spreche unter anderem sunnitische Extremisten in aller Welt an und rekrutiere neue Kämpfer. Außerdem verfüge das Terrornetzwerk über einen zunehmend bequemen Unterschlupf in Pakistan. Dort hielten sich vermutlich Qaida-Chef Osama Bin Laden und sein Stellvertreter auf, erklärte der Vorsitzende des Nationalen Rates für Geheimdienste, Thomas Fingar.

US-Präsident George W. Bush widersprach indirekt den Analysen der US-Sicherheitsdienste über das Wiedererstarken des Terrornetzwerks. "Al-Qaida ist heute stark, aber nicht annähernd so stark wie vor dem 11. September 2001", sagte Bush im Anschluss an ein Gespräch mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon im Weißen Haus. Al-Qaida wäre heute erheblich stärker, wenn die USA nicht gemeinsam mit den Verbündeten den Druck aufrechterhalten hätten und "in der Offensive geblieben" wären.

Vergangene Woche waren in den US-Medien bereits Auszüge aus Geheimdienstberichten bekannt geworden, denen zufolge al-Qaida heute so stark sei wie zu Zeiten der Anschläge in den USA im September 2001. Die Fähigkeit der Terrororganisation in den USA und in Europa zuzuschlagen, sei gewachsen, zitierten Zeitungen den Regierungsbericht mit dem Titel "Al-Qaida besser aufgestellt zum Schlag gegen den Westen". Al-Qaida habe heute ein sicheres Rückzugsgebiet in den Stammesgebieten Pakistans, hatte auch der stellvertretende Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Kringen, vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses betont.

asc/AP/dpa



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