US-Geheimdienste Russland soll Mails über Umwege an WikiLeaks weitergegeben haben

Die US-Geheimdienste wissen nach eigenen Angaben, wer die E-Mails über die Demokraten an WikiLeaks weitergeleitet hat. Das geht aus einem von US-Präsident Obama angeordneten Geheimbericht hervor.

NSA-Zentrale in Fort Meade
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NSA-Zentrale in Fort Meade


Die US-Geheimdienste wollen die "Akteure" identifiziert haben, über die russische Hacker die erbeuteten E-Mails der Demokraten an WikiLeaks weitergegeben haben. Das berichten die "Washington Post" und CNN, die sich auf einen Geheimbericht berufen, den US-Präsident Barack Obama am Donnerstag erhalten hat. Demnach sind sich die Geheimdienste sehr sicher, dass Russland hinter den Hackerangriffen steckt.

Die erbeuteten Daten sollen vom militärischen Geheimdienst GRU über einen "verschlungenen Weg" zu WikiLeaks gelangt sein. So sollte die Quelle verschleiert werden.

Als weiteres Indiz führen die Geheimdienste demnach an, dass russische Regierungsmitglieder den Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl als einen geopolitischen Erfolg für Moskau gefeiert hätten. Das soll aus abgefangener Kommunikation zwischen hohen russischen Beamten hervorgehen.

Für die These, dass der Wahlkampf beeinflusst werden sollte, spreche zudem, dass die Hacker "fast ausschließlich" die Demokraten ins Visier genommen hätten, nicht aber die Republikaner. Auch die angewandten Methoden und Schadsoftware deuteten auf russische Hacker hin.

Allerdings soll es in dem Bericht nicht den einen eindeutigen Beweis geben, der den Vorwurf belegt, dass Russland Trump zum Wahlsieg verhelfen wollte.

Obama hatte den Bericht, der mehr als 50 Seiten umfassen und Informationen über russische Cyberoperationen der letzten neun Jahre enthalten soll, Anfang Dezember angeordnet, um die Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl zu überprüfen. Eine Version des Berichts soll laut Vize-Präsident Joe Biden bald veröffentlicht werden. Es ist jedoch unklar, wie detailliert diese Version sein wird.

Anfang der Woche hatte WikiLeaks-Chef Julian Assange bestritten, dass Russland für die Hackerangriffe verantwortlich sei. Auch Trump selbst hat wiederholt vehement an der Glaubwürdigkeit der US-Geheimdienste gezweifelt. Im Laufe des Freitags will er sich mit Vertretern der Geheimdienste treffen, dort wird Trump wohl Einblick in den Bericht erhalten.

Die US-Regierung beschuldigt Moskau, sich mit den Hackerattacken auf Computer der Demokraten in die Präsidentschaftswahl eingemischt zu haben. Der scheidende Präsident Obama machte Wladimir Putin schon vor wenigen Tagen persönlich dafür verantwortlich und hatte erste Vergeltungsmaßnahmen verkündet. Russland bestreitet die Vorwürfe.

US-Geheimdienstdirektor hält Putin für Urheber

Am Donnerstag hatte bereits der Nationale Geheimdienstdirektor der USA seine Einschätzung bekräftigt, dass Russland hinter Hackerangriffen während des Wahlkampfes steht. James Clapper ließ sogar durchblicken, dass er Putin persönlich für den Urheber der Attacken hält.

Clapper und NSA-Chef Michael Rogers sagten in Washington vor einem Ausschuss des US-Senats aus. Auf die Frage, ob die "höchsten Ränge" in Moskau in die Angriffe involviert gewesen seien, sagte Clapper: "Das ist das, was wir gesagt haben." Auf die Nachfrage, wer die "höchsten Ränge" seien, antwortete er: "Der höchstrangige ist Präsident Putin."

Der US-Geheimdienstdirektor, der mit dem Antritt der neuen Regierung aus dem Dienst ausscheidet, sagte mit Blick auf Trump, er könne mit Zweifeln leben, nicht aber mit Verunglimpfung. Mehrere Senatoren aus Trumps republikanischer Partei hoben bei der Anhörung hervor, die Geheimdienste müssten gestützt und dürften nicht öffentlich an den Pranger gestellt werden.

Generell sei die Bedrohung durch Cyberattacken aus Russland gewachsen, während es Anzeichen für ein Nachlassen der Spionageversuche aus China gebe, sagte Clapper. Er betonte jedoch auch, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass Russland die Stimmabgabe bei der Wahl in den USA beeinflusst habe.

max/dpa

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