Geheime U-Boot-Basis Chinas Marine drängt aufs Weltmeer

Verborgene Tunnel durchziehen das Gelände, eine Spezialanlage stört das feindliche Radar. Unter der Insel Hainan hat China eine bisher geheime U-Boot-Basis errichtet. Der Bau zeigt: Chinas Marine will sich nicht länger auf Selbstverteidigung beschränken und rüstet im großen Stil auf.

Von , Peking


Peking - Das tropische Hainan ist allgemein bekannt für seine weißen Strände und seine Schönheitswettbewerbe. Militärexperten schauen aus anderen Gründen auf die Insel: Geplant ist der Bau eines Raumfahrtbahnhofs. Die chinesische Marine lässt zudem seit den siebziger Jahren in der südlichen Stadt Sanya viele ihrer Kriegsschiffe andocken.

Militäranlage auf Hainan: Das Satellitenbild zeigt Tunnel, Einfahrten und Anleger der chinesischen Basis
AFP/ DigitalGlobe

Militäranlage auf Hainan: Das Satellitenbild zeigt Tunnel, Einfahrten und Anleger der chinesischen Basis

Seit einigen Tagen gibt es ein weiteres Argument, der Insel besondere Aufmerksamkeit zu schenken: Amerikanische Satelliten entdeckten bei der Ortschaft Yulin eine neue große Basis für U-Boote und womöglich auch für Flugzeugträger.

Zahlreiche Tunnel durchziehen offenbar die Anlage, auch zum Meer hin gibt es einen Stollen: Durch eine 18 Meter breite Einfahrt können U-Boote in den Berg schlüpfen.

China hat bereits eine ähnliche, wenn auch kleinere unterirdische Basis bei Jianggezhuang in der Nähe der früheren deutschen Kolonie Qingdao, die ebenfalls Heimat für U-Boote mit Atomraketen ist. Die Anlage auf Hainan scheint allerdings eine sogenannte "De-Magnetisierungsanlage" zu besitzen. Damit können interne Magnetstrahlen eines U-Boots unterdrückt werden, feindliche Radarstrahlen können es damit schwerer orten. Zudem zeigen die Satellitenfotos ein neues U-Boot der "Jin"-Klasse (Typ 094).

Der Marine-Stützpunkt soll offenkundig China in die Lage versetzen, seine Kriegsschiffe und U-Boote weiter auf die Weltmeere zu entsenden als bisher. Derzeit dienen sie nur der Verteidigung der Küsten. Das Projekt dürfte vor allem Indien beunruhigen. Die ebenfalls mit Atomraketen ausgerüsteten U-Boote des Landes patrouillieren im Indischen Ozean.

Neue U-Boote gekauft

Chinas Marine hat in den letzten Jahren ihre Strategie geändert: Nicht mehr nur in Küstennähe will sie operieren, sondern mehr und mehr auch in tiefen Gewässern, also auf dem Pazifik und im Indischen Ozean. In der Straße von Malakka zum Beispiel plant sie, chinesische Öltanker vor Blockaden und Angriffe zu schützen. Chinas "maritime Rechte und Interessen" müssten gesichert, und die "strategische Tiefe der Defensivoperationen auf hoher See" graduell erweitert werden, fordert das im vorigen Jahr veröffentlichte Weißbuch zur Landesverteidigung.

Dafür rüstet die Marine kräftig auf. Sie kaufte jüngst Landungsboote, Zerstörer und hochmoderne russische Diesel-U-Boote. Insgesamt können mittlerweile rund 55 chinesische U-Boote durch Asiens Meere tauchen.

Bislang allerdings taten sie das selten, wie US-Militärs in den vergangenen Jahren beobachteten. Lange Patrouillenfahrten von U-Booten mit konventionellen Waffen sind rar, Unterseeboote mit Atomraketen verlassen kaum die Gewässer um China. Nur zwei Mal haben chinesische U-Boote einen Raketenabschuss getestet, jeweils mit Geschossen, die nur einen Sprengkopf trugen.

Raketen-Reichweite bis zu 5000 Kilometer

Möglicherweise wird sich dies mit einer neuen Generation von U-Booten ändern, die nach der alten Kaiserdynastie "Jin" benannt wurde. Insgesamt sollen fünf gebaut werden, jedes kann zwölf Raketen abfeuern, die eine Reichweite von bis zu 5000 Kilometern haben sollen. Gleichzeitig verdichten sich die Gerüchte, dass sich China einen Flugzeugträger zulegen will - nach dem Modell der ehemals ukrainischen "Varyag", die chinesische Techniker derzeit in der nordöstlichen Hafenstadt Dalian auseinandernehmen.

Die Admirale streiten solche Pläne ab, doch chinesische Spezialfirmen erhielten jüngst Bestellungen für Schalttafeln, die in einem solchen Schiff verwendet werden könnten. Noch allerdings besitzt die chinesische Armee keine Flugzeuge, die auf einem Schiff starten oder landen könnten.

Besonders wichtig aber ist den Pekingern die Zukunft Taiwans: Sollte sich die Insel für unabhängig erklären, drohen sie mit einem Angriff.

Dabei will die chinesische Regierung - auch mit Hilfe einer starken Marine - um jeden Preis verhindern, dass die USA und Japan den Taiwanern zu Hilfe eilen. Der frühere Vize-Kommandeur der Zweiten Artillerie-Einheit, Zhao Xijun, hat deshalb die Strategie des "Bedrohungskrieges am Rande" entwickelt: Raketen und Marschflugkörper sollen so dicht neben der US-Flotte einschlagen, dass die Kapitäne erschreckt das Ruder herumwerfen.

Der "beeindruckende Fortschritt" in der konventionellen Ausrüstung hat inzwischen nicht nur die "Machtbalance an der Taiwan-Straße zu Gunsten Chinas verändert", sagt der taiwanische Rüstungsexperte Andrew Yang. "Er hat China auch in die Lage versetzt, seine Macht in den Westpazifik auszudehnen."



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