Geiseldrama in Algerien: Der Chef der Gasfeld-Terroristen

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Die Geiselnahme in Algerien ist offenbar beendet. Doch wer waren die Täter? Angeführt wurden sie von dem bei der Erstürmung offenbar getöteten Islamisten Abd al-Rahman al-Nigri. Der Mann aus Niger soll für zahlreiche Anschläge in der Sahara-Region verantwortlich gewesen sein.

Islamist Abd al-Rahman al-Nigri: Das Kommando übernommen, kurz darauf getötet Zur Großansicht
AFP/ SITE Intelligence Group

Islamist Abd al-Rahman al-Nigri: Das Kommando übernommen, kurz darauf getötet

Das Geiseldrama auf einem Gasfeld in Algerien, ganz in der Nähe der Grenze zu Libyen, ist offenbar beendet. Die algerische Armee stürmte die Anlage und erschoss die dort verbliebenen elf Terroristen. Die noch in ihrer Gewalt befindlichen sieben Geiseln waren offenbar schon tot, als die Soldaten sie erreichten.

Insgesamt sollen sich am Mittwochmorgen 40 schwer bewaffnete Terroristen an dem Überfall beteiligt haben, berichtet die mauretanische Nachrichtenagentur Ani. Eine Quelle aus dem Kreis der Entführer habe außerdem mitgeteilt, dass die Kämpfer aus Niger nach Algerien gelangt seien.

Ain Amenas liegt etwa 800 Kilometer von der Grenze zu Niger entfernt. Große Teile Nigers werden von islamistischen Milizen kontrolliert, die in der unzugänglichen Wüstenregion Unterschlupf finden.

Auch der bei der Stürmung wohl getötete Anführer der Geiselnehmer soll aus Niger stammen. Die Entführer hatten am Freitag mitgeteilt, dass Abd al-Rahman al-Nigri das Kommando übernommen habe, nachdem der ursprüngliche Kopf der Gruppe - ein Islamist namens Abu Bara - schon am Donnerstag beim Angriff der algerischen Armee getötet worden war.

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Entführung in Algerien: Die Geiseln vom Gasfeld
Nigri, der sich auch Abu Dujana nannte, gehörte einem arabischen Stammesverband an, der im Norden Nigers ansässig ist. Vor etwa zehn Jahren schloss er sich der algerischen Salafistengruppe für Predigt und Kampf (GSPC) an, die im Jahr 2006 in der Terrorgruppe al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) aufging. Seit Jahren galt Nigri als enger Vertrauter von Mokhtar Belmokhtar, dem einäugigen Islamistenchef, der sich als Drahtzieher der Geiselnahme von Ain Amenas bekannt hat.

Als Belmokhtars rechte Hand soll Nigri für zahlreiche Entführungen und Angriffe auf Sicherheitskräfte in Mauretanien, Mali und Niger verantwortlich gewesen sein. Beim bisher blutigsten Überfall töteten die militanten Islamisten im Juli 2005 17 mauretanische Sicherheitskräfte.

Am Donnerstag und Freitag hatte das Militär nach eigenen Angaben etwa 600 Geiseln befreien können, unter ihnen etwa hundert Ausländer. Am Samstag fand die Geiselnahme dann ein blutiges Ende, alle Terroristen und alle verbliebenen Geiseln starben.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Heldenkult
Rüdiger123b 19.01.2013
Es mag zwar manche Leute interessieren, was für Menschen Anschläge begehen oder Massaker anrichten. Ich finde es trotzdem Schade, dass die Medien immer solche Portraits erstellen, die nur dafür Sorgen, dass Leute zu Mythen stilisiert werden und für gleichgesinnte als Vorbilder gelten. Vielleicht sollte man die Namen und Gesichter solcher Leute lieber totschweigen.
2. Muss man denn solchen verachtenswerten Typen
wwwwalter 19.01.2013
Zitat von sysopAFP/ SITE Intelligence GroupDie Geiselnehmer von Ain Amenas bekommen ein Gesicht: Der Islamist Abd al-Rahman al-Nigri kommandiert die Terroristen, die noch immer Geiseln in ihrer Gewalt haben. Der Mann aus Niger soll für zahlreiche Anschläge in der Sahara-Region verantwortlich sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/geiseldrama-algerien-chef-der-entfuehrer-stammt-aus-niger-a-878509.html
auch noch ein Gesicht geben ? Das mag kurzfristig Quote und Klicks erzeugen. Die Veröffentlichung solcher Fotos trägt allerdings zur Legendenbildung bei - genau diese Art von Öffentlichkeit suchen die Terroristen.
3. Warum?
Cephalotus 19.01.2013
Warum bietet Spiegel online den Terroristen diese Medienpräsenz? Warum Beteiligung an der Heldenverehrung sogar noch mit Bildchen auf der Startseite? Gut so, dass der Kerl jetzt da unten in der Fall sitzt. Da kann man ihn wenigstens zuverlässig töten. Wozu noch zeit verlieren?
4. Zeit zum Durchgreifen
maxfranz1 19.01.2013
Der Westen insb. Deutschland muss um jeden Preis verhindern, dass Algerien zu einem weiteren Stützpunkt des Terrorismus wird.
5.
schwarzes_lamm 19.01.2013
Islamisten mögen zwar größenwahnsinnige Psychopathen sein, man darf trotzdem nicht den Fehler machen, sie für dumm zu halten. Sie wissen nur zu gut, dass sie in offenen Feldschlachten gegen westlichen Armeen keine Chance haben, weswegen sie sich unter die Zivilbevölkerung mischen und bei Bedarf zuschlagen - was man asymmetrische Kriegsführung nennt. Daher sind die Konflikte in Afghanistan und im Irak militärisch nicht zu gewinnen.
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