Algerien: Blutige Geiselbefreiung auf Gasfeld in der Sahara

Die algerische Armee hat das Gasfeld gestürmt, auf dem Qaida-Terroristen Geiseln genommen hatten. Dabei gab es am Donnerstag offenbar viele Tote. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete zunächst das Ende der Aktion. Teile der Anlage sollen aber noch unter der Kontrolle der Islamisten sein.

Algerisches Gasfeld: Konzerne BP und Cepsa haben Teile des Personals evakuiert Zur Großansicht
AFP/ Kjetil Alsvik/ Statoil

Algerisches Gasfeld: Konzerne BP und Cepsa haben Teile des Personals evakuiert

Algier/Hamburg - Eine algerische Militäraktion zur Befreiung von Geiseln aus der Hand mutmaßlicher Qaida-Kämpfer forderte am Donnerstag laut Medienberichten viele Todesopfer. Wie die staatliche Nachrichtenagentur des nordafrikanischen Landes (APS) in der Nacht unter Berufung auf örtliche Behörden meldete, hat die algerische Armee bei ihrem Einsatz offenbar nur einen Teil der Anlage unter ihre Kontrolle gebracht. Lediglich der Abschnitt sei gesichert worden, in dem sich Wohngebäude für Mitarbeiter befänden, hieß es. Die Fabrikanlagen seien weiter in der Hand der Geiselnehmer. Dies meldete AFP unter Bezug auf APS.

Zuvor hatte APS am Donnerstagabend unter Berufung auf eine offizielle Quelle das Ende des Einsatzes berichtet, ohne Details zu nennen. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite gab es nicht. Die algerische Armee war am Donnerstag mit Boden- und Luftstreitkräften gegen die Geiselnehmer vorgegangen.

Die genaue Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln war weiter unklar. "Zahlreiche Geiseln sind frei und viele Terroristen wurden getötet. Wir bedauern, dass einige getötet und verletzt wurden - haben aber keine genauen Zahlen", sagte der algerische Infomationsminister Mohand Oussaid Belaid am Donnerstagabend im Radio. Ein Vertreter aus dem algerischen Sicherheitsapparat bezifferte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Zahl getöteten Geiseln auf dreißig, darunter sieben Ausländer. Außerdem seien mindestens elf Islamisten umgekommen, darunter ihr Anführer.

Von den getöteten Geiseln habe man demnach bislang die Nationalität von 15 Menschen ermitteln können. Acht davon seien Algerier, sieben Ausländer, darunter zwei Briten, zwei Japaner und ein Franzose. Zu den getöteten Islamisten zählten neben zwei Algeriern, von denen einer der Anführer der Gruppe gewesen sei, drei Ägypter, zwei Tunesier, zwei Libyer, ein Malier und ein französischer Staatsbürger.

Die schwer bewaffneten Terroristen hatten die Siedlung der Arbeiter am frühen Mittwochmorgen in drei Fahrzeugen angegriffen und zahlreiche Menschen als Geiseln genommen, darunter auch mehrere Ausländer. Sie forderten den Rückzug der französischen Truppen aus dem benachbarten Mali. Die Lage spitzte sich am Donnerstag zu, als bei einem Befreiungsversuch der algerischen Armee mehrere Menschen getötet wurden.

Die Entführer hatten über die mauretanische Nachrichtenagentur NIA zuvor erklärt, 35 Geiseln und 15 Entführer seien bei dem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden. Sieben Geiseln hätten den Befreiungsversuch überlebt. Aus Sicherheitskreisen verlautete, mindestens 20 der ausländischen Geiseln sei die Flucht gelungen.

Militante Islamisten sorgen in Nordafrika für Angst und Schrecken. Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen mit den Terroristen strikt ab.

Nach Ansicht von Geheimdienstexperten aus Europa und den USA hatten die Qaida-Kämpfer den Überfall lange vor dem Einmarsch der französischen Truppen in Mali geplant. Sie wollten demnach ursprünglich ihre Geiseln verschleppen und in einem abgelegenen Gebiet verstecken, wo ein Befreiungsschlag extrem schwierig gewesen wäre. Der Überfall sei zu komplex geplant, als dass er eine spontane Reaktion auf die französische Offensive in Mali gewesen sein könnte.

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Am Donnerstag hatten der spanische Mineralölkonzern Cepsa und der britische BP-Konzern begonnen, Teile ihres Personals in Sicherheit zu bringen. Mitarbeiter, deren Anwesenheit für die Produktion nicht dringend notwendig ist, sollten außer Landes geschafft werden, hatte BP am Donnerstag in London mitgeteilt. Cepsa evakuierte der spanischen Nachrichtenagentur Efe zufolge zwei Probebohrfelder. Es handele sich dabei um Vorsichtsmaßnahmen, betonten die Unternehmen.

Der britische Premier David Cameron sagte wegen der dramatischen Lage seine für Freitag in Amsterdam geplante Grundsatzrede zum britischen Verhältnis zur EU ab. Großbritannien müsse sich auf weitere schlechte Nachrichten einstellen, hieß es von der britischen Regierung.

bos/Reuters/AP/dpa/dapd

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