Algier - Die Zahl der Todesopfer des Geiseldramas auf dem algerischen Gasfeld Ain Amenas ist deutlich angestiegen. Sicherheitskräfte fanden bei der Durchsuchung der erstürmten Anlage 25 Leichen. Bei den Toten soll es sich demnach um Geiseln handeln, die von den islamistischen Geiselnehmern umgebracht wurden. Das berichtet der algerische Fernsehsender Ennahar TV, der traditionell über gute Quellen im algerischen Sicherheitsapparat verfügt. Ein Behördensprecher bestätigte, man habe "zahlreiche Leichen" gefunden. Eine konkrete Zahl nannte er nicht.
Damit ist die Zahl der Todesopfer viel höher als bekannt. Bislang war von 55 Toten - 23 Geiseln und 32 Geiselnehmern - die Rede gewesen. Die algerische Regierung hatte bereits angekündigt, es sei zu erwarten, dass die Zahl der Toten nach oben korrigiert werden müsse.
Algerische und ausländische Spezialisten begannen, die Anlage nach Opfern, Vermissten und von den Islamisten gelegten Sprengsätzen zu durchsuchen. Das gesamte Gelände sei mit Sprengsätzen vermint worden, erklärte der staatliche algerische Ölkonzern Sonatrach. Die Entschärfungsarbeiten hätten bereits begonnen. Laut Ennahar TV wird die Durchsuchung und Räumung des Komplexes mindestens 48 Stunden dauern.
Die algerische Armee hatte die Anlage am Samstag - vier Tage nach Beginn des Geiseldramas - gestürmt und die verbliebenen elf Geiselnehmer getötet. Diese hätten zuvor ihre sieben letzten Geiseln ermordet, berichtete das Staatsfernsehen. Eine islamistische Gruppierung hatte am Mittwoch die etwa 1300 Kilometer südöstlich von Algier gelegene Gasanlage überrannt und Hunderte Geiseln genommen. Am Donnerstag unternahmen algerische Sicherheitskräfte einen ersten Befreiungsversuch. Dem Innenministerium zufolge gelang es, insgesamt 685 Algerier sowie 107 Ausländer zu befreien.
Granatwerfer, Raketen und Panzerfäuste sichergestellt
Offenbar wollte die Armee mit ihrer Offensive verhindern, dass die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündeten Islamisten den Industriekomplex wie angedroht komplett in die Luft jagen. Bei den Angreifern wurde nach dem Ende der Geiselnahme ein beträchtliches Waffenarsenal gefunden, darunter Maschinengewehre, Granatwerfer, Raketen und Panzerfäuste. Überlebende der Geiselnahme berichteten, die Angreifer hätten ihnen Sprengstoff um den Hals gehängt und sie in mit Sprengfallen präparierte Fahrzeuge gesetzt.
Die Terroristen erklärten sich offenbar zu Behandlungen mit Algerien und westlichen Ländern bereit - allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Mokhtar Belmokhtar, Anführer der Gruppe al-Muwaqiun bi-l Dam, die sich zu der Geiselnahme bekannt hat, sagte, man könne verhandeln, wenn der Westen die Bombardements im Norden Malis einstelle. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf lokale Medien.
Die Extremisten hatten ursprünglich erklärt, mit ihrem Überfall die französische Bodenoffensive gegen Islamisten im benachbarten Mali bestrafen zu wollen. Später gaben sie allerdings zu Protokoll, die Aktion seit mehr als zwei Monaten geplant zu haben - also deutlich bevor Paris mit der eigenen Infanterie und Luftwaffe in den malischen Konflikt eingriff.
Zwei deutsche Staatsbürger, die in der Nähe des Gasfeldes gearbeitet hatten, gelangten unversehrt nach London gelangt. Die beiden Männer seien in der Nacht zum Sonntag in der britischen Hauptstadt eingetroffen, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Großbritannien hätten die beiden Deutschen, die sich zu keinem Zeitpunkt in der Gewalt der Geiselnehmer befunden hätten, in Empfang genommen. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut.
ulz/Reuters/AFP/AP
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