Algier - Soldaten suchen die Gasanlage Ain Amenas in Algerien nach Minen ab. Die Extremisten, die in dem Komplex mehrere Tage lang Geiseln in ihrer Gewalt hatten, könnten Explosivstoffe dort zurückgelassen haben, berichtete die algerische Nachrichtenagentur APS. Das algerische Militär hatte am Samstag die Anlage gestürmt und die elf verbliebenen Islamisten getötet. Diese hatten zuvor die letzten sieben Geiseln - drei aus Belgien, zwei aus den USA, einer aus Großbritannien und einer aus Japan - hingerichtet.
Offenbar wollte die Armee mit ihrer Offensive verhindern, dass die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündeten Islamisten den Industriekomplex wie angedroht komplett in die Luft jagen. Das gesamte Raffineriegelände sei mit Sprengsätzen vermint worden, erklärte der staatliche algerische Ölkonzern Sonatrach. Die Entschärfungsarbeiten hätten bereits begonnen. Die Streitkräfte stellten neben schweren Maschinengewehren und Granaten auch Raketen und Raketenwerfer sicher.
Die Informationslage zur Zahl der Opfer, Vermissten und Überlebenden ist diffus, zumal sich das unübersichtliche Gasfeld über mehrere Hektar Wüste erstreckt. So blieb unklar, ob es Überlebende des Einsatzes vom Samstag gibt. Mehrere Ausländer gelten weiterhin als vermisst.
Unter den offiziell bestätigten Opfern waren bis zum Samstag mindestens je ein Amerikaner, Franzose, Brite und Rumäne sowie mehrere Algerier. Die britische Regierung vermisst noch sechs Staatsangehörige, Norwegen fünf, Malaysia zwei. Nach Angaben des Auswärtigen Amts befanden sich keine Deutschen unter den Geiseln.
Spezialeinheiten suchen nach weiteren Opfern
Nach vorläufigen Angaben Algeriens starben im Laufe der Geiselnahme 23 Mitarbeiter und 32 Angreifer. Der algerische Informationsminister Mohand Oussaid Belaid sagte, leider werde man die Zahlen nach oben korrigieren müssen. Derzeit durchsuchten Spezialeinheiten der Armee die Gasförderanlage nach weiteren Opfern. Auch Spezialisten aus Norwegen sind dort auf der Suche nach den fünf Vermissten aus dem eigenen Land. Wie das norwegische Außenministerium mitteilte, bestehe nach wie vor Hoffnung, Betroffene lebend zu finden.
Zwischen den Angaben der algerischen Regierung und anderen Informationen bestehen große Unterschiede. Mehrere Länder hatten gemeldet, dass sie noch Staatsbürger vermissen. Unklar ist etwa der Verbleib von zehn Japanern und fünf Norwegern. Befreit werden konnten während des Anschlags 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter.
Die Geiselnahme islamistischer Extremisten auf der Gasförderanlage von Tiguentourine nahe der Grenze zu Libyen hatte am Mittwoch begonnen. Die 32 nach Regierungsangaben über benachbarte Staaten ins Land eingesickerten Milizionäre hatten zunächst zwei Busse mit Mitarbeitern der vom Energiekonzern BP, der norwegischen Statoil und Sonatrach betriebenen Gasförderanlage angegriffen und anschließend die Anlage unter ihre Kontrolle gebracht.
Am Donnerstag eröffneten dann Hubschrauber das Feuer auf einen Konvoi der Islamisten, wobei laut einem Bericht des mauretanischen Nachrichtenportals ANI allein schon 35 Geiseln und 15 Kämpfer getötet wurden. Das Geiseldrama endete am Samstag mit der Erstürmung des Geländes.
Hollande und Cameron verteidigen algerische Streitkräfte
Die Geiselnehmer kamen laut algerischen Regierungsangaben aus insgesamt sechs Nationen - arabischen und afrikanischen Ländern sowie aus Ländern außerhalb Afrikas. Genauere Angaben wurden nicht gemacht.
Die Extremisten hatten ursprünglich erklärt, mit ihrem Überfall die französische Bodenoffensive gegen Islamisten im benachbarten Mali bestrafen zu wollen. Später gaben sie allerdings zu Protokoll, die Aktion seit mehr als zwei Monaten geplant zu haben - also deutlich bevor Paris mit der eigenen Infanterie und Luftwaffe in den malischen Konflikt eingriff.
Auch US-Präsident Obama sah die Verantwortung für das Blutbad bei den Terroristen und verurteilte deren Taten. Die Regierung in Algier könne mit jedweder amerikanischen Unterstützung rechnen, hieß es in einer Stellungnahme Obamas aus dem Weißen Haus. Die jüngste Attacke sei eine weitere Erinnerung an die Gefahr, die von al-Qaida und anderen gewalttätigen Terrorgruppen in Nordafrika ausgehe.
Frankreichs Staatspräsident François Hollande verteidigte die blutige Befreiungsaktion gegen Kritik. "Verhandlungen mit den Terroristen kamen nicht in Frage", sagte er, schließlich hätten die Entführer "schändlich gemordet". Der britische Premier David Cameron suchte die Schuld für das Massaker ebenfalls allein bei den Geiselnehmern und wollte keine taktischen Fehler aufseiten der Spezialeinheiten erkennen.
ulz/dapd/AFP/dpa/Reuters
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