Geiseldrama in Algerien Terroristen sollen gigantische Explosion geplant haben

Die Terroristen, die eine Gasanlage in der algerischen Wüste überfielen, planten offenbar die totale Zerstörung der Fabrik. Den Islamisten sei es nicht allein um Lösegeld oder den Tod westlicher Geiseln gegangen, schreibt die "New York Times". Sie hätten vorgehabt, den gesamten Komplex zu sprengen.

Algerische Soldaten vor der Gasanlage Ain Amenas: "Die Terroristen wollten eine Explosion"
DPA

Algerische Soldaten vor der Gasanlage Ain Amenas: "Die Terroristen wollten eine Explosion"


Tiguentourine/Hamburg - Das Geiseldrama in der Gasanlage Ain Amenas in der algerischen Wüste hätte noch blutiger enden können: Die islamistische Gruppe Muwaqiun bi-l Dam, die die Anlage vor zweieinhalb Wochen überfiel und Hunderte Geiseln nahm, plante einem Bericht der "New York Times" zufolge die totale Zerstörung des Areals. Die schwer bewaffneten Rebellen hätten vorgehabt, die Gasförderanlage in einem gigantischen Feuerball explodieren zu lassen, schreibt das Blatt. Allerdings habe keiner der Kidnapper gewusst, wie das technisch zu bewerkstelligen sei.

Der Zeitung zufolge sagte der algerische Fabrikleiter Lotfi Benadouda, die Terroristen hätten die Geiseln in die Fabrik bringen und diese in die Luft jagen wollen. Die Geiselnehmer hätten ihn schwer unter Druck gesetzt, die Anlage wieder hochzufahren. Die britische Zeitung "The Telegraph" zitierte Benadouda mit den Worten: "Die Terroristen wollten eine große Explosion."

Mindestens 38 Geiseln starben

Die Mitglieder der Gruppierung Muwaqiun bi-l Dam ("Die mit Blut unterzeichnen") hatten am 16. Januar die Gasförderanlage von Ain Amenas angegriffen. Drei Tage später beendeten algerische Spezialkräfte die Geiselnahme. Es kamen mindestens 37 ausländische Geiseln und ein einheimischer Arbeiter ums Leben. Von den 32 Islamisten wurden nach Angaben der algerischen Regierung 29 getötet und drei festgenommen.

Die Islamisten hatten bei der Besetzung des Gasfelds Militäruniformen getragen. Offensichtlich kannten sie sich auf dem Gelände gut aus. Die Regierung vermutet, dass die Angreifer über Insiderwissen verfügten, offenbar von einem ehemaligen Fahrer der Fabrik.

Die Geiselnehmer hatten das Ende des französischen Militäreinsatzes in Mali gefordert sowie die Freilassung von Umar Abd al-Rahman, bekannt als "blinder Scheich", und der pakistanischen Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui aus US-Haft. Abd al-Rahman sitzt wegen seiner Rolle bei den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr 1993 im Gefängnis, Siddiqui wegen Terrorismus.

son

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insgesamt 19 Beiträge
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Coroner 03.02.2013
1. Das ist wenig überraschend.
Zitat von sysopDPADie Terroristen, die eine Gasanlage in der algerischen Wüste überfielen, planten offenbar die totale Zerstörung der Fabrik. Den Islamisten sei es nicht allein um Lösegeld oder den Tod westlicher Geiseln gegangen, schreibt die "New York Times". Sie hätten vorgehabt, den ganzen Komplex zu sprengen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/geiseldrama-in-algerien-terroristen-wollten-offenbar-alles-zerstoeren-a-881197.html
Der größtmögliche Schaden ist dabei nicht nur eine einmalige Explosion, sondern eine anhaltend brenndende Gasquelle. Es wäre äusserst schwierig, solch eine riesige brenndend Gas-Fackel zu löschen. Wir erinnern uns an die brennden Öl- und Gas-Quellen, welche die irakische Armee bei ihrem Rückzug aus Kuweit zurückliess. Offensichtlich ist es der Bedienungsmannschaft noch gelungen, die Anlage herunter zu fahren und vor allem das Gas-Austrittsrohr zu schliessen.
Hermes75 03.02.2013
2.
Zitat von sysopDPADie Terroristen, die eine Gasanlage in der algerischen Wüste überfielen, planten offenbar die totale Zerstörung der Fabrik. Den Islamisten sei es nicht allein um Lösegeld oder den Tod westlicher Geiseln gegangen, schreibt die "New York Times". Sie hätten vorgehabt, den ganzen Komplex zu sprengen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/geiseldrama-in-algerien-terroristen-wollten-offenbar-alles-zerstoeren-a-881197.html
Das belegt, dass es richtig war sofort und entschlossen gegen die Terroristen vorzugehen.
Lobbykratie 03.02.2013
3. Ach darum...
Die Terroristen, die eine Gasanlage in der algerischen Wüste überfielen, planten offenbar die totale Zerstörung der Fabrik. ...wurde plötzlich mit Militär eingegriffen. Ich habe mich schon gewundert warum das gemacht wird. Da waren Börsenkurse gefährdet und es war kosteneffizienter militärisch einzugreifen.
adal_ 03.02.2013
4.
Zitat von Hermes75Das belegt, dass es richtig war sofort und entschlossen gegen die Terroristen vorzugehen.
Es belegt auch, wie richtig es ist, zu verhindern, dass Mali zu einer Basis des islamistischen Terrorismus wird. Es geht diesen Fanatikern offensichtlich darum, den rohstoffreichen Westen Afrikas zu destabilisieren.
Imene 03.02.2013
5. Keine Ahnung von Algerien
Oben stehender Kommentar beweist mal wieder, wie wenig Ahnung viele von der Situation in Algerien haben. Einsätze des Militärs im Inneren sind in Algerien völlig normal, das Militär ist als Gendarmerie nationale für die innere Sicherheit ebenso zuständig wie die algerische Polizei. In Großstädten werden Sicherheitsaufgaben vornehmlich durch die Polizei übernommen, im ländlichen Raum u d auf Ausfallstraßen in die Städte durch Polizei und Militär. Das Militär ist auch für die Überwachung bestimmter Industrieller Anlagen und die Grenzsicherung zuständig. Das algerische Militär ist seit jeher bekannt dafür, dass es mit Terroristen nicht verhandelt. Wer die Geschichte des Landes kennt, kann ihnen dies nicht verdenken.
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