Geiselnahme in Frankreich Täter nannte sich selbst "Soldat" des IS

Ein mutmaßlicher Terrorist hat in Südfrankreich drei Menschen getötet. Nun ist klar: Der Täter hat sich selbst als Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" bezeichnet. Die französischen Behörden hatten ihn schon länger im Blick.

Französischer Staatsanwalt Francois Molins mit Polizeibeamten am Tatort in Trèbes
REUTERS

Französischer Staatsanwalt Francois Molins mit Polizeibeamten am Tatort in Trèbes


Der Angreifer in einem Supermarkt in Südfrankreich hat sich als "Soldat" der Terrormiliz "Islamischer Staat" bezeichnet. Das sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Freitagabend in Carcassonne. Der Mann habe zudem "Allahu akbar", also "Gott ist groß" auf Arabisch, gerufen und gesagt, dass er bereit sei, für Syrien zu sterben. Der IS hatte den Angriff zuvor bereits für sich reklamiert.

Der Mann hatte bei mehreren Attacken insgesamt drei Menschen getötet. Der Staatsanwalt präzisierte einige Angaben zum Ablauf in einem Supermarkt in Trèbes nahe Cacassonne. Der Mann habe die Befreiung von "Brüdern" gefordert, bevor er einen Mitarbeiter und einen Kunden des Geschäfts erschoss und mehrere Geiseln nahm (Weitere Hintergründe über das Attentat lesen Sie hier).

Täter laut Staatsanwaltschaft 25-jähriger Marokkaner

Die von dem Angreifer genommenen Geiseln sind laut Staatsanwaltschaft nach einer Verhandlung freigelassen worden, weil ein Polizist sich freiwillig für sie eintauschte. Unter noch ungeklärten Umständen habe der Mann später auf den Beamten geschossen, woraufhin Polizei-Spezialkräfte das Gebäude stürmten undden Täter erschossen. Eine Frau aus dem Umfeld des von der Polizei erschossenen Täters ist demnach in Polizeigewahrsam genommen worden.

Staatsanwalt Molins gab an, dass es sich bei dem Täter um einen 25-jährigen Mann aus Marokko handele. Nach Ende der Geiselnahme hatte der französische Innenminister Gérard Collomb angegeben, der Attentäter sei ein 26-Jähriger namens Redouane L. .

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Geiselnahme in Südfrankreich: Schüsse im Supermarkt

Behörden hatten Täter wegen Radikalisierung im Blick

Zudem gab Molins an, dass die französischen Behörden den Täter in der Vergangenheit bereits wegen mutmaßlicher Radikalisierung im Blick hatten. Der Mann habe seit 2014 wegen Verbindungen zur salafistischen Bewegung in einer Datenbank gestanden. Eine Überwachung im Jahr 2016 und 2017 habe aber keine Anzeichen erbracht, die hätten vermuten lassen, dass der Mann zu einer Terror-Tat bereit sein könnte.

Zuvor hatte das Innenministerium angegeben, dass der Attentäter vermutlich allein gehandelt habe und vor der Tat lediglich als Dealer und Kleinkrimineller in Erscheinung getreten sei. "Wir hatten ihn im Blick, aber keine Hinweise auf eine Radikalisierung. Er hat plötzlich gehandelt", hatte Innenminister Collomb gesagt.

Ob der Täter mithilfe von Hintermännern arbeitete oder direkten Kontakt zum IS hatte, ist weiter offen. Der französische Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Vorfall zuletzt als "islamistischen Terror".

ans/dpa



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