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18. Januar 2013, 15:48 Uhr

Geiselnahme in Algerien

Entführer wollen Islamisten aus US-Haft freipressen

Zwei Islamisten gegen zwei US-Geiseln: Die Entführer auf dem Gasfeld bei Ain Amenas fordern die Freilassung eines Ägypters und einer Pakistanerin aus amerikanischer Haft. Das Schicksal von mehr als 60 Geiseln ist nach wie vor unklar.

Algier/Hamburg - Das Geiseldrama in der algerischen Wüste geht weiter. Offenbar halten die Entführer noch immer Dutzende Ausländer in ihrer Gewalt. 65 ausländische Mitarbeiter habe die algerische Armee befreien können, doch das Schicksal einer ebenso großen Zahl ist noch immer nicht geklärt. Etwa 650 Geiseln habe das Militär befreien können, unter ihnen seien 573 Algerier, meldete die Nachrichtenagentur APS in Algier.

Am Freitagnachmittag stellte die Entführergruppe, die sich al-Muwaqiun bi-l Dam ("Die mit Blut unterschreiben") nennt, neue Forderungen. Sie besteht auf der Freilassung zweier Islamisten, die derzeit in US-Gefängnissen einsitzen. Sie sollen im Austausch gegen zwei US-Bürger auf freien Fuß gesetzt werden, die sich noch immer in den Händen der Entführer befinden. Diese Forderungen teilte das Kommando im Auftrag ihres Anführers Mokhtar Belmokhtar der mauretanischen Nachrichtenagentur Ani mit.

Bei den beiden Personen, die die Terrorgruppe freipressen will, handelt es sich um Omar Abd al-Rahman und Aafia Siddiqui. Abd al-Rahman ist einer der schillerndsten ägyptischen Islamisten. Jahrelang führte er die militante Gamaa al-Islamija am Nil. In den achtziger Jahren ging der seit seiner Kindheit blinde Islamist nach Afghanistan und knüpfte dort Kontakte zu Osama Bin Laden. Anfang der Neunziger zog er in die Vereinigten Staaten. Weil er dort mehrfach zu Anschlägen aufrief und Geld für Terrororganisationen gesammelt haben soll, verurteilte ein Gericht den "blinden Scheich" 1996 zu lebenslanger Haft.

Aafia Siddiqui ist eine pakistanische Wissenschaftlerin, die in den neunziger Jahren in den USA studiert hatte. Weil sie Terroristen mit Nachtsichtgeräten und militärischen Handbüchern beliefert haben soll, geriet sie nach den Anschlägen vom 11. September ins Visier der US-Behörden. 2008 nahmen US-Einheiten Siddiqui in der afghanischen Stadt Ghazni fest. Bei einem Verhör soll sie ein Sturmgewehr ergriffen und Schüsse auf zwei US-Soldaten abgegeben haben. 2010 verurteilte ein Gericht in New York die Frau zu 86 Jahren Haft.

syd

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