Gekentertes Boot Geisterschiff vor Japan - tote Nordkoreaner an Bord?

Vor Japan hat die Küstenwache erneut ein Schiff mit verwesten Leichen entdeckt. Wahrscheinlich stammen sie aus Nordkorea - möglicherweise ein Hinweis auf eine Hungerkatastrophe in dem abgeschotteten Staat.

Boot vor Japans Küste (Archivaufnahme)
AP/ The Yomiuri Shimbun

Boot vor Japans Küste (Archivaufnahme)


Das gekenterte Holzboot wurde auf dem Meer entdeckt und dann in einen Hafen in der nördlichen Provinz Aomori gezogen. Die japanische Küstenwache machte an Bord eine grausige Entdeckung: Sie fanden auf dem Schiff vier zum Teil schon skelettierte Leichen.

Aller Wahrscheinlichkeit stammt das Geisterschiff aus Nordkorea. Seit Jahren werden an der japanischen Küste vor allem in den Wintermonaten, in denen oft stürmisches Wetter herrscht, immer wieder Fischerboote an Land gezogen. Sie sind zum Teil voll mit Leichen. 2017 sind es so viele wie lange nicht mehr: Die japanische Küstenwache zählte bereits mehr als 100 angetriebene Fischerboote.

Es könnte eine Lebensmittelknappheit sein, die Nordkoreas Fischer zwingt, mehr Fische zu fangen und dafür weiter auf das Meer hinauszufahren. Experten vermuten, dass die auffallende Häufung mit den internationalen Sanktionen gegen Nordkorea wegen dessen Atom- und Raketentests zusammenhängen. Der Uno-Sicherheitsrat hat sie gerade erst erneut verschärft. Lieferungen von Benzin, Diesel und Schweröl an das Land mit seinem Machthaber Kim Jong Un werden auf ein Viertel der erlaubten Menge begrenzt. Hinzu kommt ein Exportverbot auf Lebensmittel und Agrarprodukte, Maschinen, elektrische Geräte, Gesteine und einige Mineralien, Holz sowie auf Schiffe.

Über ihre Zeitung soll die nordkoreanische Arbeiterpartei Rodong Sinmin nach japanischen Berichten kürzlich die heimische Fischerei zu Höchstleistungen angetrieben haben. Allerdings soll Nordkorea aus Devisenmangel Fischereirechte im Gelben Meer, dem Japan-Meer und anderen Gebieten an chinesische Schiffe verkauft haben. Aus diesem Grunde könnten nordkoreanische Fischer nicht in eigenen nahen Gewässern fischen, berichtete Japans größte Tageszeitung "Yomiuri Shimbun".

Illegal in Japans Wirtschaftszone

Weil das nordkoreanische Militär die Fischer aber zu bestimmten Fangmengen zwingt, würden sie mit ihren kleinen, für die küstennahe Fischerei gedachten Boote, bis in Japans Wirtschaftszone hinausfahren, um dort illegal Fische zu fangen.

Die kleinen Holzboote verfügen jedoch über keine modernen Navigationsgeräte, die Motoren sollen zudem in schlechtem Zustand sein. Wenn sie ausfallen, treiben die Fischer hilflos auf dem Meer ab. Da auch die Öleinfuhren von den Sanktionen betroffen sind, könnte es zudem sein, dass die ohnehin nicht sonderlich hochseetüchtigen Boote ohne ausreichend Treibstoff auslaufen. Im schlimmsten Fall treiben die Fischer so in den Tod. Auch die am Donnerstag entdeckten Leichen auf einem 12 Meter langen Boot vor der Küste der Provinz Akita lassen vermuten, dass die Menschen schon länger tot waren.

Im vergangenen Monat hatten es acht Nordkoreaner jedoch lebend bis nach Japan geschafft. Sie hatten angegeben, auf Tintenfischfang gewesen zu sein, als ihr Motor kaputt ging. Sie baten darum, nach Nordkorea zurückkehren zu dürfen. Japan kam der Bitte diese Woche nach.

In einem anderen Fall hatte Japans Polizei drei ebenfalls gestrandete nordkoreanische Fischer verhaftet. Sie sollen eine Fischerhütte auf einer unbewohnten Insel im Norden Japans, wo die Männer nach der Strandung Zuflucht gesucht hatten, geplündert haben. Gegen den Kapitän des Bootes wurde am Donnerstag Anklage erhoben.

als/dpa



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