Diplomatischer Streit wegen Gelbwesten Frankreich ruft Botschafter aus Italien für Gespräche zurück

"Inakzeptable Provokation": Frankreich reagiert auf die Unterstützung Italiens für die Gelbwesten, die den Rücktritt von Präsident Macron fordern. Der Botschafter in Rom wurde für Gespräche zurückbeordert.

Emmanuel Macron
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Emmanuel Macron


"Gelbwesten - bleibt standhaft!" - so hatte Italiens Vizeregierungschef Luigi Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung die Gelbwesten-Demonstranten in Frankreich bereits zu Jahresbeginn angefeuert. Anfang des Monats traf er sich dann mit Europawahl-Kandidaten der Macron-Gegner in Frankreich. Und Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei erklärte, er unterstütze "ehrenhafte Bürger" im Protest gegen Präsident Emmanuel Macron, der "gegen sein Volk" regiere.

Frankreich hat jetzt auf die mehrfachen Einmischungen Roms reagiert: Der Botschafter wurde zu Gesprächen nach Paris zurückgerufen. Die Aktionen Italiens seien eine "inakzeptable Provokation", teilte das französische Außenministerium mit. "Sie verletzen den Respekt, den demokratisch und frei gewählte Regierungen einander schulden."

"Unstimmigkeiten zu haben, ist eine Sache, aber die Beziehungen für Wahlziele zu manipulieren, ist eine andere", teilte das Außenministerium weiter mit. Die "Gelbwesten" fordern bei ihren wöchentlichen Kundgebungen den Rücktritt Macrons und eine Abkehr von dessen Sozialpolitik.

"Viele gemeinsame Punkte"

Die italienische Regierung liegt bereits seit längerem mit Macron im Clinch - unter anderem wegen ihrer restriktiven Einwanderungspolitik. Erst kürzlich hatte Frankreich Italiens Botschafterin wegen "inakzeptabler Äußerungen" Di Maios einbestellt. Die Massenflucht aus Afrika sei darauf zurückzuführen, "dass bestimmte europäische Länder, Frankreich an erster Stelle, nie aufgehört haben, Dutzende afrikanische Länder zu kolonisieren", hatte Di Maio im Januar gesagt.

Das Büro des Vizeregierungschefs hatte nach dem Gespräch mit den Gelbwesten mitgeteilt, mit den Kandidaten solle es in den "kommenden Wochen" ein weiteres Treffen in Rom geben. Zwischen den "Gelbwesten" und der Fünf-Sterne-Bewegung bestünden viele "gemeinsame Punkte", erklärte Di Maios Büro. Dies betreffe etwa die Themen soziale Gerechtigkeit, direkte Demokratie und Umwelt. "Der Wind des Wandels hat die Alpen überquert", sagte Di Maio auf Twitter.

als/AFP/dpa



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cum infamia 07.02.2019
1. gleiches Gefühl ?
...nun weiß Herr Macron wenigstens, wie sich Herr Maduro fühlt...
Seifert 07.02.2019
2. Vergessen?
Haben diese zwei italienischen Politiker?? denn vergessen,wer Äthiopien,Erithrea und Libyen einst kolonialisierte?? Es soll ein gewisser Mussolini gewesen sein -der war sicherlich kein Italiener.....
juba39 07.02.2019
3. Viel mehr bitte!
#1 hat mir schon aus der Seele gesprochen. Macron reagiert nämlich auf genau das Verhalten, das er selbst Venezuela gegenüber an den Tag legt. (Italien, sollte eigentlich bekannt sein, hat durch sein Veto ja den EU-28-Beschluß zum Fallen gebracht!) Ich würde mir noch wünschen, es träfe sich eine internationale Allianz, die die gewählte(!) Regierung von Katalonien anerkennt, und Spanien ein Ultimatum stellt. Demnächst dann noch massive Unterstützung aus Moskau, Peking u.A. zur Wahlkampfunterstützung für die AfD im EU-Wahlkampf und den Landtagswahlen im Osten. Hier bieten sich doch geradezu die Russland-Deutschen, welch ein Euphemismus, an. Das pikanteste daran, so typisch Deutsch, ist doch, daß in den 90ern, als diese hauptsächlich CDU-Wähler waren, plötzlich zu Moskaus 5. Kolonne mutierte. Warum wohl?
lesheinen 07.02.2019
4.
Di Maios 5 stelle und Salvini mit seiner Lega stehen im innenpolitischen Machtkampf, da muss man seinen jeweiligen Anhängern schon mal zeigen, welchen Knüppel man hat. Ich nenne das aber Känguruhsprüche - große Sprünge mit leerem Beutel. In einem Punkt muss ich aber allen an das Mittelmeer angrenzenden EU-Staaten Recht geben: der Rest der EU lässt sie mehr oder weniger ungeniert die Migrationsprobleme alleine lösen. Gut, die vertragliche Lage ist nun mal so, formaljuristisch ist alles in Ordnung. Aber politisch ist das Zurückziehen auf die Rechtslage eine Katastrophe. Kein Wunder, dass die Lega Salvinis immer mehr Zuspruch findet. Wir Deutschen schimpfen auf Ungarn und andere Staaten, weil sie nicht einen einzigen Migranten im Rahmen einer Umverteilung aufnehmen wollen. Da sind die paar Leutchen, die von Malta, Italien oder Griechenland kommend hier aufgenommen werden, doch nur ein Feigenblatt. Die Italiener schimpfen insoweit mit Recht auf die Rest-EU. Natürlich vergreifen sich di Maio und Salvini (an anderer Stelle) Frankreich betreffend in der Wortwahl. Purer Populismus.
-su- 07.02.2019
5.
Zitat von SeifertHaben diese zwei italienischen Politiker?? denn vergessen,wer Äthiopien,Erithrea und Libyen einst kolonialisierte?? Es soll ein gewisser Mussolini gewesen sein -der war sicherlich kein Italiener.....
Als Gegenleistung, damit Italien im 1. Weltkrieg auf Seiten der Franzosen und Engländer kämpft, wurden diese Länder von Frankreich und England den Italienern zugesprochen. Abgesehen davon, ist das keine Entschuldigung dafür, dass Frankreich weiterhin seine ehemaligen Kolonien ausbeutet.
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