Gelbwestenproteste Demonstranten lehnen Macrons Bürgerdialog ab

Erneute Rücktrittsforderungen an Emmanuel Macron und Zehntausende Demonstranten auf den Straßen. Die Proteste in Frankreich reißen nicht ab. Wieder setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein.

«Gelbwesten»-Demonstranten
DPA

«Gelbwesten»-Demonstranten


"Gelbe Westen - schwarze Wut": In mehreren Städten Frankreichs haben sich den zehnten Samstag in Folge zehntausende Menschen an Protesten der "Gelbwesten" gegen die Regierung beteiligt. Damit sprachen sie sich gegen den von Regierungschef Emmanuel Macrons gestarteten "Bürgerdialog" aus. Landesweit waren 80.000 Polizisten im Einsatz, die erneut Tränengas und Wasserwerfer einsetzten.

Macron hatte in dieser Woche einenlandesweiten "Bürgerdialog" gestartet, um "die Wut in Lösungen zu verwandeln". Dafür formulierte er 35 Leitfragen. Sollte es darüber hinaus "intelligente Fragen" und von ihm nicht vorhergesehene Themen geben, würden sie ebenfalls angenommen, sagte der 41-jährige Staatschef.

Doch das Vertrauen in den Präsidenten ist bei vielen Demonstranten bereits verloren. "Schwindel" steht auf einigen Plakaten. Grund dafür seien die zunehmenden Fälle von schweren Verletzungen durch Polizeigewalt. Das Kollektiv "Désarmons-les!" ("Entwaffnen wir sie") hat 98 Fälle aufgelistet, darunter 15 von Menschen, die ein Auge durch Hartgummigeschosse verloren. Die Polizei erklärt zur Rechtfertigung, sie sei von Demonstranten angegriffen worden.

Zentrale Forderungen lasse Macron unbeachtet

Zudem lasse Macron diezentralen Forderungen der "Gelbwesten" unbeachtet - etwa nach höheren Renten, einer besseren Kaufkraft oder einer Wiedereinführung der Vermögensteuer. Sie erinnern unter anderem an den desolaten Zustand der Gesundheitsversorgung und der schlechten Verkehrsanbindungen auf dem Land.

Am Ende eines zunächst friedlichen Marschs durch Paris kam es schließlich zu Zusammenstößen mit Polizisten. Diese setzten Wasserwerfer und Tränengas gegen vermummte Demonstranten ein, die Steine und Flaschen warfen. In Rennes und Lyon kam es ebenfalls zu Ausschreitungen.

Laut Innenministerium beteiligten sich landesweit rund 84.000 Menschen an den Protesten. Allein in Toulouse gab es nach amtlichen Angaben eine Rekordbeteiligung von 10.000 Aktivisten.

Bis zum 15. März können die Franzosen am "Bürgerdialog" in den Gemeinden und im Internet teilhaben. Bis Mitte April - sechs Wochen vor der Europawahl - will der Präsident Ergebnisse präsentieren. Nach einer Umfrage erwarten sich 70 Prozent der Bürger von der Debatte keine Verbesserungen.

mje/AFP/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Sophiedo 20.01.2019
1. Wo ist Ihre Formel: "weniger Demonstranten als letztes Mal"?
Offenbar haben die sich wieder vermehrt.
Bastian (Frankreich) 20.01.2019
2. Wer wirklich verstehen möchte muss vor Ort leben!
Es ist schwierig als Aussenstehender die Situation in Frankreich zu verstehen. In der Tat, die Menschen sind unzufrieden und an einem Punkt angelangt, wo es praktisch kein Vertrauen mehr gibt gegenüber der politischen "Elite". Wie immer, verschwindet kurze Zeit nach den Wahlen die anfängliche Euphorie und die Realität holt die Menschen ein: Vieles wurde versprochen und dann doch anders gemacht. Dabei sind einige Planänderungen der französischen Regierung nicht nachvollziehbar und es wird klar, warum so viele Menschen Woche für Woche wütend auf die Straße gehen. Mehr erfahren bei : https://www.lebeninfrankreich.info/gelbwesten-in-frankreich-die-unzufriedenheit-der-franzosen-was-steckt-hinter-dem-wutausbruch "En marche" heisst die Bewegung Macrons, welche die Dinge "in Gang setzen" und endlich Veränderung bringen soll. Leider kommen bei vielen Franzosen Zweifel auf und man fragt sich, wer wirklich von den groß angekündigten Reformen profitieren wird. Die Kluft zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander und Starbucks möchte bis 2020 seine Filialen in Frankreich verdoppeln - ohne einen Cent Steuern zu zahlen... www.lebeninfrankreich.info
Nordstadtbewohner 20.01.2019
3. Durchhalten
Ich hoffe, die französische Regierung lässt sich nicht von den Gelbwesten erpressen. Macrons Reformen sind bitter nötig, um das Land wettbewerbsfähig zu machen. Wenn die Gelbwesten mit der Arbeit des Präsidenten unzufrieden sind, dann sollen sie zur nächsten Wahl einen eigenen Kandidaten aufstellen, statt das Land Woche für Woche zu tyrannisieren.
taglöhner 20.01.2019
4.
Zitat von Bastian (Frankreich)Es ist schwierig als Aussenstehender die Situation in Frankreich zu verstehen. In der Tat, die Menschen sind unzufrieden und an einem Punkt angelangt, wo es praktisch kein Vertrauen mehr gibt gegenüber der politischen "Elite". Wie immer, verschwindet kurze Zeit nach den Wahlen die anfängliche Euphorie und die Realität holt die Menschen ein: Vieles wurde versprochen und dann doch anders gemacht. Dabei sind einige Planänderungen der französischen Regierung nicht nachvollziehbar und es wird klar, warum so viele Menschen Woche für Woche wütend auf die Straße gehen. Mehr erfahren bei : https://www.lebeninfrankreich.info/gelbwesten-in-frankreich-die-unzufriedenheit-der-franzosen-was-steckt-hinter-dem-wutausbruch "En marche" heisst die Bewegung Macrons, welche die Dinge "in Gang setzen" und endlich Veränderung bringen soll. Leider kommen bei vielen Franzosen Zweifel auf und man fragt sich, wer wirklich von den groß angekündigten Reformen profitieren wird. Die Kluft zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander und Starbucks möchte bis 2020 seine Filialen in Frankreich verdoppeln - ohne einen Cent Steuern zu zahlen... www.lebeninfrankreich.info
Sehr seltsamer Auftritt. Wo in Frankreich leben Sie?
mhuz 20.01.2019
5.
Sonst müssen sie sich im Fußballstadion austoben. Im Grunde möchten die Franzosen, so leben wie bisher. Bis uns wird immer gejammert, wir wollen uns nicht Reformieren - die Franzosen anscheinend noch weniger. Das ist das Paradoxe an den Wählern, im Grunde hat Macron gesagt was er machen will und sie haben ihn gewählt und jetzt jammern sie, weil er macht was er gesagt hat.Die Grand Nation will nach oben aber mit dem Aufzug
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