Geld an Fukushima-Opfer Entschädigung für das "Seelenleiden"

Rund 160.000 Menschen mussten nach der Atomkatastrophe in Fukushima ihr Zuhause verlassen. Jetzt hat der japanische Atomkonzern Tepco weitere Entschädigungen für die Evakuierten versprochen. Einige von ihnen leben seit mehr als drei Monaten in Notunterkünften.

Evakuierungzone um Fukushima: Die Anwohner sollen mehr Geld erhalten.
AP

Evakuierungzone um Fukushima: Die Anwohner sollen mehr Geld erhalten.


Tokio - Eine Entschädigung für das "Seelenleiden" der Evakuierten - so kündigte der japanische Industrieminister Banri Kaieda weitere Hilfszahlungen für die Menschen an, die nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ihre Wohnungen verlassen mussten. 100.000 Yen, also rund 850 Euro, soll die Betreiberfirma Tepco an jeden Betroffenen zahlen - und zwar pro Monat, den die Anwohner nicht in ihrem Zuhause verbringen konnten.

Etwa 160.000 Anwohner mussten nach der Havarie des Kraftwerkes ihre Wohnungen räumen, weil sie in der 20 Kilometer umfassenden Evakuierungszone oder in besonders verstrahlten Regionen in bis zu 30 Kilometer Entfernung vom Kraftwerk lebten. Viele harren seit mehr als drei Monaten in Notunterkünften aus. Zum aktuellen Zeitpunkt würden sie rund 2550 Euro an zusätzlichen Zahlungen erhalten. Wer bereits in seine Wohnung zurückkehren konnte, soll die anteilige Summe erhalten.

Schon im Mai zahlte Tepco jeder betroffenen Familie rund eine Million Yen, umgerechnet rund 8500 Euro. Einzelpersonen erhielten 6200 Euro. Damals beschwerten sich vor allem Großfamilien über die angebliche Ungerechtigkeit der pauschalen Entschädigungszahlung.

Das Atomunglück war vor fast vier Monaten durch ein Erdbeben und einen darauffolgenden Tsunami ausgelöst worden. Bislang hat die Betreiberfirma Tepco rund 400 Millionen Euro Entschädigungen gezahlt. Künftig will die japanische Regierung Tepco bei den Hilfszahlungen unterstützen. Die Entschädigungen sollen aus einem Fonds finanziert werden, in den neben dem Staat auch andere Energiekonzerne einzahlen sollen.

Japans Ministerpräsident Naoto Kan gerät indes weiter unter Druck. Nach nur einer Woche im Amt ist sein Wiederaufbauminister Ryu Matsumoto zurückgetreten. Er war wegen seines als arrogant wahrgenommenen Verhaltens während eines Besuches in den verwüsteten Präfekturen Miyagi und Iwata in die Kritik geraten.

usp/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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m a x l i 05.07.2011
1. "Seelenleiden"?
"Seelenleiden"? Genau das ist es! Eigentlich ist ja ueberhaupt nichts Schlimmes passiert. Keine nukleare Katastrophe hat stattgefunden; die existiert nur im Kopf von ein paar sentimentalen Japanern und von deutschen gruen-bewegten Oekofaschisten. Wenn die jetzt jammern und klagen, dann liegt das nur daran, dass die ein wenig psychisch labil sind, "hysterisch" eben. Schwaechlinge! Gegen Seelenleiden helfen bekanntlich Tabletten oder kleine, nette Geschenke, die die Stimmung etwas aufhellen. Und jetzt im Ernst: Haus weg, Land weg, Einkommen weg, Nachbarschaft weg, Heimat weg, spaetere gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen. Dafuer gibt's dann Almosen in kleinen Raten. Wenn jeder Betroffene (also auch Bauern und Fischer, die ihre Produkte nicht mehr verkaufen koennen und jeder andere direkt oder indirekt Betroffene) eine angemessene Entschaedigung bekommen wuerde, dann haette sich ruckzuck und weltweit das uralte Maerchen von der "billigen" Kernenergie fuer immer auserzaehlt. Also liebe Japaner, ihr muesst schon noch ein paar Opfer bringen, sonst muessten einige Konzernbosse und einige Superreiche auf der ganzen Welt sehr, sehr leiden.
Bernhard Fischer 05.07.2011
2. nur 850?
Zitat von m a x l i"Seelenleiden"? Genau das ist es! Eigentlich ist ja ueberhaupt nichts Schlimmes passiert. Keine nukleare Katastrophe hat stattgefunden; die existiert nur im Kopf von ein paar sentimentalen Japanern und von deutschen gruen-bewegten Oekofaschisten. Wenn die jetzt jammern und klagen, dann liegt das nur daran, dass die ein wenig psychisch labil sind, "hysterisch" eben. Schwaechlinge! Gegen Seelenleiden helfen bekanntlich Tabletten oder kleine, nette Geschenke, die die Stimmung etwas aufhellen. Und jetzt im Ernst: Haus weg, Land weg, Einkommen weg, Nachbarschaft weg, Heimat weg, spaetere gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen. Dafuer gibt's dann Almosen in kleinen Raten. Wenn jeder Betroffene (also auch Bauern und Fischer, die ihre Produkte nicht mehr verkaufen koennen und jeder andere direkt oder indirekt Betroffene) eine angemessene Entschaedigung bekommen wuerde, dann haette sich ruckzuck und weltweit das uralte Maerchen von der "billigen" Kernenergie fuer immer auserzaehlt. Also liebe Japaner, ihr muesst schon noch ein paar Opfer bringen, sonst muessten einige Konzernbosse und einige Superreiche auf der ganzen Welt sehr, sehr leiden.
Sie haben das Wesentliche und Wichtigste gesagt – Danke – und damit kann dieser provokativ Blog („Seelenfrieden“ in „“) wieder geschlossen werden.
geotie 05.07.2011
3. Yohh
Die sichere Atomkraft hat zwar nicht so viele Menschenleben gefordert wie die Tsunamiewell, aber im Nachhinein wird sie mehr Probleme bereiten. Nix mit sichere und saubere Atomkraft!
Originalaufnahme 06.07.2011
4. ===
Zitat von geotieDie sichere Atomkraft hat zwar nicht so viele Menschenleben gefordert wie die Tsunamiewell, aber im Nachhinein wird sie mehr Probleme bereiten. Nix mit sichere und saubere Atomkraft!
Richtig. Der Mensch ist von der Natur, die schon immer bebte, ueberstroemte, ausbrach usw. mit der Faehigkeit versehen worden, solche Katastrophen im "Normalfall" bis zu einem gewissen Grad zu vergessen bzw. zu verdraengen. Waere dies anders, waere der Mensch (und andere intelligente Lebewesen) nicht ueberlebensfaehig. Ohne die Faehigkeit zur Verdraengung haetten die Menschen z. B. nach dem Zweiten Weltkrieg resigniert. Die "Vernunft" haette gesagt: Ich habe alles verloren, wozu alles wieder von vorn anfangen, zumal schon wieder (kalter) Krieg herrscht, der vielleicht noch viel katastrophaler endet. Dies erklaert uebrigens auch den Effekt, warum viele Menschen nicht freiwillig aus Sperrzonen wegziehen, deren Gefahren man schliesslich (noch) nicht sieht, schmeckt, fuehlt oder riecht. Auch wenn vom eigenen Haus vielleicht nur noch das Fundament uebrig ist, der "Instinkt" sagt: Die Gefahr ist vorbei, lasst uns der Toten gedenken und wieder mit irgendwas beginnen. Windige Geschaeftsleute und Politiker handeln absolut verantwortungslos, wenn nicht sogar in moerderischer Absicht, wenn sie eine solche Gefahrenzone nicht konsequent evakuieren, abriegeln und vor den Gefahren immer und immer warnen. Stattdessen wird im Interesse der Wirtschaft verharmlost, spielt man mit den o.g. Hoffnungen der Menschen und macht man aus der Gefahrenzone ein riesiges Experimentierfeld. Was passiert, wenn die Gefahren der Gegend in Form von Krankheiten, Fehlgeburten und Missbildungen sichtbar werden, bleibt abzuwarten. Die Japanische Bevoelkerung steht in diesem Sinn erst am Anfang der Katastrophe. Auch wenn Hannoverguss und Kollegen dies gerne anders sehen. Aber wie gesagt: Eine Frage der Evolution und des Instinktes intelligenter Lebensformen.
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