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Geldnot: USA verlieren ihre Fähigkeit zum Doppelschlag

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Washington muss drastisch sparen - jetzt trifft es auch das Militär. Der Wehretat sinkt in den kommenden zehn Jahren um mindestens eine halbe Billion Dollar. Die USA werden deshalb wohl nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen.

Militär: Die USA und China - Rivalen der Zukunft Fotos
AP

Washington - Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kannte der Militäretat der USA nur eine Richtung: steil aufwärts. Diese Zeiten scheinen jetzt endgültig vorbei zu sein. Nach zwei Jahren Wirtschaftskrise, kostspieligen Kriegen im Irak und in Afghanistan und angesichts einer heftigen politischen Debatte um öffentliche Ausgaben wird in Washington gespart - auch beim Militär.

Im Sommer hat sich das Pentagon bereit erklärt, seine Ausgaben in den nächsten zehn Jahren um insgesamt 450 Milliarden Dollar (346 Milliarden Euro) zurückzufahren. Am Donnerstag haben US-Präsident Barack Obama und Verteidigungsminister Leon Panetta in einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärt, wie genau diese Summe erreicht werden soll.

Die wichtigste Folge: Die USA werden künftig nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen und zu gewinnen. Man werde nur noch einen größeren Konflikt siegreich zu Ende bringen können und in einem weiteren in der Lage sein, den Gegner vom Erreichen seiner Ziele abzuschrecken. Zusätzlich werde man eine Reihe weiterer kleiner Operationen durchführen können, etwa die Durchsetzung einer Flugverbotszone.

Zur Debatte steht offenbar auch ein Abzug von rund 4000 Soldaten aus Europa. Ob damit auch US-Standorte in Deutschland bedroht sind, war zunächst unklar. Der Haushalt für 2012 sieht nach Angaben des Weißen Hauses bereits jetzt den Abbau von 27.000 Stellen für Soldaten und noch einmal 20.000 für Marineinfanteristen über die nächsten vier Jahre vor.

Sorge um technologische Dominanz der USA

Die Nachrichten-Website Wired will herausgefunden haben, dass die US-Luftwaffe mehrere hundert Flugzeuge aufgeben muss, was fünf Prozent des Gesamtbestands von 4000 Maschinen entspräche. Unklar sei allerdings, welche Modelle genau betroffen seien. Vermutlich werde sich die US-Luftwaffe in erster Linie von alten Maschinen trennen. Der neue Stealth-Kampfjet F-35 "Lightning II" werde dagegen nur in geringem Ausmaß von den Sparmaßnahmen betroffen sein.

Die "New York Times" will dagegen erfahren haben, dass die F-35 ein "Hauptziel der Sparmaßnahmen" sei. Und es wäre ein lohnendes Ziel: Mit geschätzten Programmkosten von rund einer Billion Dollar gilt die F-35 als teuerstes Einzel-Waffensystem der Geschichte. Bisher plant das Pentagon, bis 2035 fast 400 Milliarden Dollar für 2500 Exemplare des Kampfflugzeugs auszugeben.

Ob die USA ein Hightech-Kampfflugzeug wie die F-35 überhaupt brauchen, wurde immer wieder bezweifelt. Sein volles Potential würde der Stealth-Jet erst in einem Konflikt mit einem technisch hochgerüsteten Gegner ausspielen können. In Zeiten asymmetrischer Konflikte, so die Kritiker, würden es auch deutlich billigere Modelle wie etwa die F-16 tun.

Vor einer solchen Argumentation warnt allerdings eine wachsende Schar von Politikern und Militärexperten, die einen Konflikt zwischen den USA und China heraufziehen sehen. Zwar gilt ein solches Szenario derzeit als unwahrscheinlich - doch niemand könne wissen, wie die Welt in einigen Jahrzehnten aussehe, so das Argument. Verlören die USA heute ihre technologische Vorherrschaft, könne sich das später bitter rächen. Fähigkeiten wie die Radar-Tarnung könnten in zukünftigen Konflikten durchaus bedeutend sein, sagte Michael Hanlon von der Brookings Institution in Washington: "Es wäre ziemlich wichtig gegenüber Iran und sehr wichtig gegenüber China."

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1. Titel
heiko1977 05.01.2012
Zitat von sysopWashington muss drastisch sparen - jetzt trifft es auch das Militär. Der Wehretat sinkt in den kommenden zehn Jahren um mindestens eine halbe Billion Dollar. Die USA werden deshalb wohl nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807366,00.html
Damit rückt der Weltuntergang 2012 gewiss näher! Das ist ja total schrecklich, wie wird das nur die Welt aushalten.
2. So eine Krise
earl grey 05.01.2012
Zitat von sysopWashington muss drastisch sparen - jetzt trifft es auch das Militär. Der Wehretat sinkt in den kommenden zehn Jahren um mindestens eine halbe Billion Dollar. Die USA werden deshalb wohl nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807366,00.html
So eine Krise kann ja auch Vorteile haben...
3. Schockierend !!
juergw. 05.01.2012
Zitat von sysopWashington muss drastisch sparen - jetzt trifft es auch das Militär. Der Wehretat sinkt in den kommenden zehn Jahren um mindestens eine halbe Billion Dollar. Die USA werden deshalb wohl nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807366,00.html
Nur noch ein Krieg pro Jahr !? Wie können die Republikaner das zulassen.Da hilft nur noch eine drastische Senkung der Sozialleistungen,weg mit den Foodstamps etc.Wer nicht mehr für die Freiheit und Demokratie in anderen Ländern kämpft braucht nichts mehr zum Essen.Halliborton Aktien schnell verkaufen,gerade die Rüstung war doch die Stütze der Wirtschaft.
4. Unterstützung
auweia 05.01.2012
Zitat von sysopWashington muss drastisch sparen - jetzt trifft es auch das Militär. Der Wehretat sinkt in den kommenden zehn Jahren um mindestens eine halbe Billion Dollar. Die USA werden deshalb wohl nicht mehr in der Lage sein, zwei Kriege gleichzeitig zu führen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,807366,00.html
Na, man könnte ja den Amis zur Entlastung den einen oder anderen Träger abkaufen. Wie hieß das - partner in leadership?
5. Nicht verwunderlich!
ZiehblankButzemann 05.01.2012
Wenn die USA dann auch mal wirklich sparen würden, ich kann´s jedenfalls noch nicht so richtig glauben. Die Amerikaner müssen ihre Wirtschaft ankurbeln, weiterhin sich gegen den Terrorismus wappnen, die sozialen Probleme lösen, das marode Gesundheitssystem auf bessere Beine stellen, ihre vielen Kriegsversehrten und Angehörige von Gefallenen versorgen und letztenendes auch noch ständig Scharmützel mit Iran, Syrien, Irak,Somalia, Afghanistan usw. austragen so daß der Wehretat gar nicht wirklich stark gekürzt werden kann. Wie soll da ein Schuldenabbau überhaupt funktionieren. Durch weginflationieren der Schulden, nämlich Gelddrucken ?
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