Geldwäsche für Mexikos Kartelle: Gute Geschäfte mit den Drogendealern

Von Lars Halter, New York

Der mexikanische Drogenkrieg ist ein Milliardengeschäft. Die mächtigen Kartelle schaffen Waffen ins Land, pumpen Drogen in die USA und waschen weitgehend ungestört ihr schmutziges Geld. Amerikanische Banken haben dabei kräftig mitgemischt - und mitverdient.

Dollarscheine in Bündeln: Tütenweise zur Bank geschafft, mit dem Duft von Trocknertüchern Zur Großansicht
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Dollarscheine in Bündeln: Tütenweise zur Bank geschafft, mit dem Duft von Trocknertüchern

Im mexikanischen Drogenkrieg geht es um Hunderte Milliarden Dollar. Dass solche Mengen nicht nur per Geldkoffer verschoben werden, ist klar. Die Kartelle sind organisiert wie globale Konzerne, sie haben ihre Finanzchefs und ihre internationalen Bankkonten. Erst seit kurzem ist allerdings bekannt, dass einige Banken ziemlich genau wussten, woher manche hohen Einlagen kamen, und dass sie ihren Verdacht gegen die Kunden nicht den amerikanischen Behörden meldeten, wie es der Geldwäsche-Paragraf im US-Bankengesetz vorsieht.

Am tiefsten in den Drogenkrieg verstrickt ist das Bankhaus Wachovia, das seit seinem Beinahe-Zusammenbruch während der Finanzkrise zu Wells Fargo gehört. Nun muss jenes historische Unternehmen für die Machenschaften der Tochter geradestehen, das doch seine Wurzeln im Südwesten der USA hat, wo einst der Wild West tobte - und heute eben der Kampf der Kartelle um Kunden und Knarren.

Die Bank wurde 1852 von Henry Wells und William Fargo gegründet, die erst zwei Jahre vorher American Express ins Leben gerufen hatten. Unter dem Namen Wells Fargo stieg man unter anderem in den "Pony Express" ein, den legendären Postdienst. Eine historische Kutsche im Wappen von Wells Fargo erinnert bis heute an die Anfänge des Unternehmens im Wilden Westen.

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Mexiko: Opfer und Täter im Drogenkrieg
Schon damals hatte man es mit Kriminellen zu tun. Gegen die mexikanischen Kartelle sind die Posträuber von damals vergleichsweise harmlos, doch die Rolle der Banken hat sich verändert: Aus dem Kriminellen sind Partner geworden, mit denen man in den vergangenen Jahren gutes Geld verdient hat.

Einige der Fälle sind reif für Hollywood

Wachovia hat nun zugegeben, zwischen 2004 und 2007 mindestens 375 Milliarden Dollar an mexikanischen Peso-Einlagen so gut wie gar nicht kontrolliert zu haben. Wachovia habe beide Augen zugedrückt und den Kartellen die gesamte Infrastruktur gestellt, lässt sich Chef-Ermittler Jeffrey Sloman beim Nachrichtendienst Bloomberg zitieren. Dabei habe man den Zusammenhang zwischen der Geldwäsche und den Toten im Drogenkrieg leicht erkennen können, erklärt Martin Woods.

Woods war 2006 von Scotland Yard zu Wachovia in London gewechselt, wo er für die hauseigene Abteilung gegen internationale Geldwäsche arbeitete. Drei Jahre später kündigte er seinen Job, entsetzt darüber, dass seine Vorgesetzten seine sämtlichen Hinweise auf einzelne Fälle ignoriert hatten. Vielmehr hatte man ihn zum Schweigen verdonnert und sogar mit Entlassung gedroht.

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Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg

Einige der Fälle, an denen Woods konkret arbeitete, sind reif für Hollywood. Zum Beispiel die Wachovia-Kooperation mit der Casa de Cambio Puebla, einer Kette von Wechselstuben im Süden Mexikos. Die meistfrequentierten Filialen waren die von Pedro Alatorre in der Hauptstadt Mexiko-Stadt, vor allem die im dortigen Flughafen. Da brachten Kunden Plastiktüten voller Geld vorbei, wie Überwachungsvideos des Flughafens zeigen. Insgesamt 720 Millionen Dollar sollen so über den Tisch gegangen sein, heißt es in den Akten. Die Daten von 74 anderen Kunden wurden missbraucht, um das Geld an Wachovia-Konten in den USA zu überweisen. Von dort floss ein Teil auf ein Konto der Bank of America in Oklahoma City, aus dem der Kauf einer DC-9 finanziert wurde.

Die Maschine wurde wenig später von Florida nach Caracas geflogen und mit 5,7 Tonnen Kokain im Wert von rund hundert Millionen Dollar beladen. Eine gute Woche später fiel das Flugzeug an einem mexikanischen Flughafen auf und wurde durchsucht. Die Fracht wurde sichergestellt und verbrannt, bevor sie zu Kunden in den USA ausgeliefert werden konnte. Weitere vier Flugzeuge fingen die Behörden später ab. Insgesamt soll die Flotte rund 22 Tonnen Rauschgift transportiert haben - ohne die Infrastruktur der Wachovia wären die Geschäfte nie zustande gekommen, sagen Ermittler.

Der Duft des Geldes

Auch die Geschichte von Oscar Oropeza liest sich wie ein Krimi: Der ranghohe Schmuggler des Golf-Kartells ließ seine Frau und Tochter mehrmals täglich ganze Bündel von 20-Dollar-Scheinen zu einer Filiale der Bank of America in Brownsville, Texas, bringen. Die Fahnder bemerkten bald, dass die Angestellten am Schalter die Frauen genau kannten. Den Duft des Geldes erkannten sie auch wieder: Die Scheine der Oropezas rochen immer gleich - nach einem bestimmten Dufttuch für den Wäschetrockner.

Nachdem Polizeibeamte bei einer Routinekontrolle 84 Kilogramm Kokain unter einem doppelten Boden in Oropezas Auto gefunden hatten, durchsuchten sie sein Haus. Dort fand man Geldbündel im Wäscheschrank, neben einem ganzen Vorrat an Trocknertüchern.

Die Banken haben nun Schritte eingeleitet, um die Geldwäsche der Kartelle in Zukunft zu stoppen oder zumindest einzudämmen. Die britische HSBC, bei der viele Drogen-Konten lagen, hat etwa Dollar-Einzahlungen in mexikanischen Filialen verboten. Bei der Citigroup können künftig nur noch eigene Kunden Devisen wechseln, zahlreiche verdächtige Konten wurden geschlossen. Und Traveller-Checks mit unleserlichen Unterschriften, wie sie Woods einst in Transaktionen bei Wachovia untergekommen sind, sollen auch nicht mehr so einfach eingelöst werden können.

Doch alle Fortschritte im Kampf gegen die Kartelle sind bisher von der Selbstdisziplin der Banken abhängig. Ernsthafte Strafen drohten den Unternehmen bisher nicht, gegen keine einzige Bank wurde offiziell Anklage erhoben, auch nicht gegen Wachovia. Selbst bei dreisten Vergehen gegen das Bankgeschäft und sogar bei offensichtlichen Verbindungen zu mexikanischen Kartellen brummten die Behörden den Banken nur Geldstrafen auf.

Und warum? Offenbar sind funktionierende Banken im nach der Krise noch fragilen US-Finanzsystem wichtiger als der energische Kampf gegen die Kartelle und ihre Unterstützer. Das jedenfalls ist die Theorie von Finanzexperte Jack Blum, der sich seit vielen Jahren mit den Tricksereien der Geldwäscher befasst. Würde die Justiz rigoros gegen schwarze Schafe in der Branche vorgehen, könnte dies nach Blums Ansicht eine fatale Kettenreaktion auslösen: Investoren schmeißen hin, Kunden ziehen ihre Einlagen ab - die Bank stünde am Abgrund. Doch einen neuen Bankenkollaps könnte die amerikanische Wirtschaft nicht verkraften, und das nutzten einige Institute schamlos aus. "Sie scheinen zu allem bereit zu sein, nur um ihren Profit zu steigern", sagte Blum dem Nachrichtensender Bloomberg. "Bis sie erwischt werden."

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Forum - Wie kann Mexiko der Rauschgiftmafia entkommen?
insgesamt 1919 Beiträge
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1.
Skandalos 30.07.2010
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Durch die Legalisierung von Drogen in den USA. Dort gibts ja eine aktuelle Initiative, die sich großer Unterstützung quer durch alle Parteien erfreut. Prohibition funktioniert einfach nicht.
2. Wie entkommen?
karmamarga 30.07.2010
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Den Shabab-Milizen das Land schenken. Dann weiss jeder im Land mit wem oder was er es zu tun hat. So wie jetzt geht die Sache endlos weiter.
3. Keine Macht der Drogenmafia
Ohli 30.07.2010
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Die Abteilung der UN, die sich des Themas Drogen angenommen hat, gibt auf ihren jählich stattfindenden Konferenzen in Wien seit 2 Jahren bekannt, das der "War on Drugs", der hauptsächlich in den 80er Jahren von Ronald Reagan proklamiert wurde, verloren ist. Jahrzehnte in denen Milliarden für die Strafverfolgung ausgegeben wurden, umsonst. Der weltweite illegale Drogenanbau hat sich erhöht, die Verkaufszahlen und der Umsatz haben sich erhöht (geschätzte 500 Milliarden US-Dollar wurden im vergangenen Jahr weltweit mit illegalen Drogen umgesetzt). Weiter so wie bisher, bedeutet weitere Profite für die organisierte Kriminalität, weiter Korruption, weiter mit dem Elend und Leid. Eine drogenfreie Gesellschaft ist eine Illusion, sagte einmal der Drogenbeauftragte der Regierung Kohl, Eduard Lintner. Das Ziel muss eine staatlich regulierte Vergabe aller zur Zeit illegalen Drogen sein. Wie eine erfolgreiche Drogenpolitik aussehen kann, zeigt der "Frankfurter Weg" und deren Projekt mit der Heroinvergabe an schwerstabhängige. Regulierung statt Repression, Akzeptanz und Toleranz, statt Stigmatisierung und Strafverfolgung von Konsumenten. Es wäre auf jeden Fall eimal wünschenswert, wenn man sich sachlich und pragmatisch mit dem Thema Drogen auseinandersetzen würde, statt wie bisher polemisch und emotional. Einen schönen Tag noch, wünscht Ohli
4.
Roller 30.07.2010
Zitat von sysopGrausige Morde, blutige Kämpfe: In Mexiko eskaliert der Drogenkrieg. Tausende Soldaten haben die Grenzregion zu den USA nicht befrieden können. Politiker, Unternehmer, Polizei - viele sind in die Geschäfte der mächtigen Dealer verstrickt. Wie kann das Land der Rauschgiftmafia entkommen?
Ganz einfach: die Legalisierung aller Drogen.
5. Gegen jede Art von Titeln und Orden!!!!
obi wan 30.07.2010
Keine Ahnung wie Mexiko entkommen kann. Ich kann nur sagen: Sicher nicht durch so politisch vielleicht korrekte aber vollkommen nutzlose Konzepte wie Rauschgift legalisieren, Dialog suchen u.ä. Mal sehen wann hier die Ersten hier auftauchenk, die so etwas als alleiniges Allheilmittel ernsthaft verkaufen wollen.
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