Generalstreik in Frankreich Saboteure legen vier TGV-Trassen lahm

Es waren genau aufeinander abgestimmte Aktionen. Saboteure haben in der Nacht in Frankreich die Highspeed-Trassen für den TGV lahmgelegt. Verletzt wurde niemand. Die Staatsbahn vermutet, dass radikale Gewerkschaftler für die Taten verantwortlich sind.


Paris - Stromkabel wurden gekappt, Signalanlagen beschädigt, Kabel in Brand gesetzt: In der Nacht seien zeitgleich mehrere TGV-Strecken im Norden, Westen, Osten und Südosten des Landes sabotiert worden, erklärte der Generaldirektor der französischen Staatsbahn SNCF, Guillaume Pepy, im Radiosender RTL. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke "Atlantik" etwa habe ein großer Kabelbrand das Signalsystem lahmgelegt. Kein Zug habe die Strecke befahren können, die TGV-Züge hätten über das klassische Netz umgeleitet werden müssen.

Französischer Hochgeschwindigkeitszug TGV: Mehrere Sabotageakte auf das Streckennetz
REUTERS

Französischer Hochgeschwindigkeitszug TGV: Mehrere Sabotageakte auf das Streckennetz

SNCF geht von "koordinierten Aktionen" gegen vier Strecken aus, um die Wiederaufnahme des Verkehrs zu verhindern, erklärte das Unternehmen am Morgen. Dabei sei es zu drastischen Verspätungen gekommen. Der Zugverkehr ist durch den Streik der Bahnmitarbeiter seit acht Tagen schwer beeinträchtigt.

Wer hinter der Sabotage steckt, sagte Pepy nicht. Das SNCF-Management hat bereits den Verdacht geäußert, dass Hardliner in den Gewerkschaften das Schienennetz beschädigen könnten, um zu verhindern, dass der planmäßige Zugverkehr, wie angekündigt, wieder aufgenommen wird.

Der Staatssekretär im Verkehrsministerium Dominique Bussereau verurteilte die Taten. Auch Gewerkschaftsführer bezeichneten die Sabotageakte als "untragbar" und "feige". Sie liefen den Interessen der Gewerkschaften zuwider, betonte CGT-cheminots-Generalsekretär Didier Le Reste.

Heute wollen die Staatsunternehmen Bahn und Pariser Nahverkehr Verhandlungen mit Gewerkschaften und Regierungsvertretern aufnehmen. Trotz allmählich sinkender Streikbereitschaft ist der Verkehr weiterhin massiv gestört. Am achten Tag in Folge bildeten sich lange Staus rund um die Hauptstadt.

Am Vorabend hatte sich Präsident Nicolas Sarkozy erstmals seit Tagen öffentlich zum Streik geäußert. Er signalisierte den Gewerkschaften Unnachgiebigkeit bei den Reformen, zeigte sich aber offen für Ausgleichsregelungen. Sarkozy bekräftigte seine Entschlossenheit, die Sonderbestimmungen für die Altersversorgung der Eisenbahner abzuschaffen. "Dafür bin ich gewählt worden, wir weichen nicht zurück", sagte er. Laut einer Umfrage von OpinionWay, die "Le Figaro" am Mittwoch veröffentlichte, wird diese Haltung von 69 Prozent der Franzosen unterstützt.

flo/AFP/Reuters



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