Lagos - Zum Auftakt eines landesweiten Streiks hat die nigerianische Polizei das Feuer auf Demonstranten in Lagos eröffnet und einen Teilnehmer erschossen. Die Beamten hätten auf die Menge gefeuert, um sie auseinanderzutreiben, sagten Augenzeugen sowie Krankenhausmitarbeiter am Montag. Dabei seien auch mehr als 20 Menschen verletzt worden. In Kano im Norden Nigerias setzte die Polizei nach Angaben des Roten Kreuzes neben Tränengas ebenfalls scharfe Munition gegen Demonstranten ein. Mindestens 18 Menschen wurden verletzt.
Tausende Nigerianer beteiligten sich allein in der Millionenmetropole Lagos an den Protesten gegen die Kürzungen von Benzinsubventionen. Läden, Banken wie auch Tankstellen blieben geschlossen. Einige Teilnehmer zapften Benzin aus Motorrädern ab, zündeten Reifen an und blockierten Straßen. Die Demonstration in Lagos markierte den Beginn von unbefristeten landesweiten Streiks, zu denen die Gewerkschaften aufgerufen hatten. Auch in der Hauptstadt Abuja gingen Demonstranten auf die Straße. "Unsere Politiker sorgen sich nicht um die Nigerianer. Sie kümmern sich nur um sich selbst", sagte ein Demonstrant.
Die Regierung von Präsident Goodluck Jonathan hat zu Jahresbeginn Benzinzuschüsse abgeschafft. Die Preise verdoppelten sich über Nacht, seit Anfang Januar stiegen sie von umgerechnet 35 Cent auf 74 Cent pro Liter. Die meisten Nigerianer leben von etwa 1,50 Euro am Tag. Mit der Preissteigerung fiel für viele Nigerianer der einzige Vorteil weg, den sie aus dem Ölreichtum des Landes ziehen können. Das Opec-Mitglied gehört zu den größten Ölförderern Afrikas.
Präsident Jonathan steht bereits massiv unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, die zunehmend gewalttätigen Islamisten im Norden nicht unter Kontrolle bringen zu können. Die Sekte Boko Haram verübte Heiligabend ein Attentat auf eine Kirche, bei dem mindestens 37 Menschen ums Leben kamen. Laut Jonathan verfügen die Islamisten auch in seiner Regierung über Unterstützer.
Die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala sagte am Montag im Fernsehsender Channels TV, die bisherige Subventionierung sei über Kredite finanziert worden. "Griechenland ist dort, wo es jetzt ist, weil es über Jahre hinweg nicht das Richtige getan hat. Sie haben sich immer wieder Geld geliehen, um die Entwicklung zu finanzieren", sagte Okonjo-Iweala. "Wir können nicht weiterhin Kredite aufnehmen, um unsere Entwicklung zu finanzieren."
Viele der Demonstranten beklagten neben den Benzinpreisen auch die seit Jahrzehnten andauernde Korruption. Bei ihnen wächst der Ärger darüber, dass große Teile des Landes trotz des Ölreichtums immer noch ohne Strom und sauberes Trinkwasser auskommen müssen. "Es ist an der Zeit, Nigeria in unsere eigenen Hände zu nehmen", sagte einer der Demonstranten. "Es ist in Ägypten geschehen, es ist in Libyen geschehen."
ffr/Reuters/dapd
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