Gentechnik Uno lehnt weltweites Klonverbot ab

Der Rechtsausschuss der Uno-Vollversammlung hat einen Antrag der USA und anderer Länder abgelehnt, das Klonen menschlicher Zellen weltweit zu verbieten. Die Forschung an embryonalen Stammzellen soll aber nicht erleichtert werden.


Roslin Institute, Edinburgh: Zellkerntransfer während eines Klonvorgangs
DDP

Roslin Institute, Edinburgh: Zellkerntransfer während eines Klonvorgangs

New York - Seit drei Jahren versuchen die USA ein Klonverbot bei der Uno durchzusetzen. US-Präsident George W. Bush persönlich hatte vor der Vollversammlung zu einem Totalverbot des Klonens aufgefordert. Doch nach Monate langen Verhandlungen im Rechtsausschuss der Uno-Vollversammlung einigten sich Gegner und Befürworter nicht. Stattdessen will man nun nach einem Kompromiss für eine Deklaration suchen. Diese hätte jedoch nicht den Stellenwert einer verbindlichen Konvention.

In der Deklaration soll an die Uno-Mitgliedstaaten appelliert werden, das Klonen von Menschen zu unterbinden. Zugleich sollen sie aufgerufen werden, dafür zu sorgen, dass bei der wissenschaftlichen Forschung "die menschliche Würde unter allen Umständen respektiert" wird.

Der marokkanische Uno-Botschafter Mohamed Bennouna begründete als Ausschussvorsitzender die Entscheidung: "Nach unserer Auffassung ist es untragbar, wenn die internationale Gemeinschaft in einer Frage wie dem Konen gespalten wäre."

Das Scheitern der Bemühungen um einen internationalen Vertrag, der nicht nur das reproduktive Klonen von Embryos, sondern auch das therapeutische Klonen im Rahmen der Stammzellenforschung verbietet, wurde von einigen Diplomaten als Niederlage für die USA gewertet. Allerdings konnten sich auch die Befürworter einer Konvention, die zwar das Klonen von Embryos untersagt, jedoch die Forschung mit embryonalen Stammzellen ermöglicht hätte, nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit sichern. Dennoch sehen sich etliche Länder, darunter Großbritannien, Südkorea und Singapur, die das therapeutische Klonen erlauben, ihre Position bestätigt.

Costa Rica hatte der Uno-Vollversammlung einen Resolutionsentwurf für eine Konvention vorgelegt, die ein totales Klonverbot mit menschlichen Zellen verhängen sollte. Diese Position wird von den USA, dem Vatikan sowie fast 60 meist katholischen Ländern unterstützt. Die meisten anderen der insgesamt 191 Uno-Mitgliedstaaten befürworteten hingegen einen von Belgien als Wortführer unterbreiteten Vorschlag für eine Konvention, die das reproduktive Klonen zwar ebenfalls verboten, das therapeutische Klonen jedoch erlaubt hätte.

In Deutschland ist die Herstellung embryonaler Stammzellen nach dem 2002 nach monatelanger Debatte verabschiedeten Stammzellen-Gesetz verboten. Die Einfuhr dieser Zellen zu Forschungszwecken wurde in Grenzen zugelassen. Verwendet werden dürfen nur Zellen aus Zellkulturen, die vor dem 1. Januar 2002 existiert haben. Voraussetzung ist auch, dass die Zellen aus künstlich erzeugten Embryos gewonnen wurden, die ursprünglich für eine Schwangerschaft gedacht waren und nicht extra für Forschungszwecke erzeugt wurden. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte allerdings im September gefordert, die Stammzellen-Forschung in Deutschland unbegrenzt zuzulassen.



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