Trauerfeier für George H.W. Bush Goodbye Mister President, goodbye Dad

Zur Trauerfeier für George H.W. Bush waren Staatsgäste aus der ganzen Welt nach Washington gereist, darunter Angela Merkel und Prinz Charles. Besonders bewegende Worte fand der Sohn des Verstorbenen.


Das politische Klima in den USA ist vergiftet, das Verhältnis zwischen den beiden politischen Lagern schwer beschädigt. Nun hielt das politische Washington inne und gedachte eines Präsidenten, zu dessen Zeit im Amt das Land noch ein anderes war. Zur Trauerfeier für George H.W. Bush kamen die Familie des Verstorbenen sowie Politiker und Würdenträger aus aller Welt in der US-Hauptstadt zusammen.

Bushs Biograf Jon Meacham, Kanadas Ex-Premierminister Brian Mulroney und der republikanische Ex-Senator Alan Simpson erinnerten an Bush, ihre Reden waren gespickt mit persönlichen Anekdoten, witzigen Begebenheiten. Immer wieder wurde gelacht in der National Cathedral in Washington. Etwa als der Ex-Senator Simpson erklärte, der Verstorbene habe gute Witze zwar geliebt, sich aber nie an die Pointe erinnern können.

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Nationale Trauerfeier: Abschied von George H. W. Bush

Bush war am Freitag im Alter von 94 Jahren in seinem Haus in Houston (Texas) gestorben. Er war der 41. Präsident der Vereinigten Staaten und regierte von 1989 bis 1993.

Auch George W. Bush, selbst Ex-Präsident und Sohn des Verstorbenen, hielt eine bewegende Rede. Er sprach teils unter Tränen über seinen Vater. "Wenn die Geschichtsbücher geschrieben werden, wird es dort heißen, dass George H. W. Bush ein großartiger Präsident der Vereinigten Staaten war", sagte er. "Er zeigte mir, was es bedeutet, ein Präsident zu sein, der mit Integrität dient, mit Mut führt und mit Liebe in seinem Herzen für die Bürger unseres Landes handelt."

Bush spricht über die letzten Worte seines Vaters

Bush erzählte unter Tränen von dem letzten Telefonat mit seinem Vater unmittelbar vor dessen Tod. "Ich sagte, Papa, ich liebe dich, und du bist ein wunderbarer Vater gewesen. Und die letzten Worte, die er je auf Erden sagen würde, waren: Ich liebe dich auch."

Bei der Trauerfeier saßen Präsident Donald Trump und First Lady Melania neben den demokratischen Ex-Präsidenten Barack Obama, Bill Clinton und Jimmy Carter mit ihren Frauen in der ersten Reihe.

Die Bushs haben eigentlich ein schwieriges Verhältnis zu Trump. Jeb Bush, der zweitälteste Sohn des Verstorbenen, hatte sich 2016 um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben und sich dabei immer wieder Auseinandersetzungen mit Trump geliefert, der ihn oft verspottete.

Auch Merkel nimmt an der Zeremonie teil

George H. W. Bush hatte sich aber trotzdem dafür ausgesprochen, dass Trump an seiner Trauerfeier teilnimmt, weil es ihm laut US-Medienberichten aus Respekt vor dem Amt wichtig war. Trump hatte den Mittwoch zum nationalen Trauertag erklärt.

Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel war vor Ort. Sie sei nach Washington gereist, um dem amerikanischen Volk die deutsche Anteilnahme am Tod dieses Präsidenten auszudrücken. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bush hatte sich nach dem Fall der Berliner Mauer als einer der ganz wenigen westlichen Staatschefs offen hinter die deutsche Einheit gestellt. Aus seiner Amtszeit ist auch der Krieg zur Befreiung Kuwaits in Erinnerung. (Lesen Sie hier einen Nachruf auf den Verstorbenen.)

Nach der Trauerfeier sollte der Leichnam des Republikaners zurück nach Texas gebracht werden. Dort wird er am Donnerstag in College Station auf dem Campus der A&M-Universität beigesetzt, die seine Bibliothek und sein Museum beherbergt. Bush wird neben seiner Frau Barbara und seiner Tochter Robin beerdigt. Barbara Bush war erst im April dieses Jahres verstorben. Das Ehepaar war 73 Jahre lang verheiratet. Sie hatten sechs Kinder. Robin war 1953 im Alter von drei Jahren an Leukämie gestorben

aev/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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famon 06.12.2018
1. Wenn ich mal persönlich werden darf:
George H. W. Bush mochte ich nicht, bis der nächste republikanischer Präsident kam. George W. Bush mochte ich nicht, bis der nächste republikanischer Präsident kam. Jetzt ist aber gut..
Bernhard.R 06.12.2018
2. Ein integrer Präsident
Er war der letzte Präsident, der das Völkerrecht mit seinem Kerngehalt - die Ächtung des Krieges - respektiert hat. Leider hat sein Sohn nichts daraus gelernt.
soisses007 06.12.2018
3. Eine unterhaltsame (lustige) Trauerveranstaltung
Zitat von famonGeorge H. W. Bush mochte ich nicht, bis der nächste republikanischer Präsident kam. George W. Bush mochte ich nicht, bis der nächste republikanischer Präsident kam. Jetzt ist aber gut..
wie man sie selten sieht. Respekt vor der Lebensleistung dieses gebildeten Präsidenten, der 1990 wesentlich zur schnellen Wiedervereinigung beigetragen hat. Das respektlose Verhalten der Trumps spricht für sich. Der aktuelle Präsident glänzt mit respektlosem Benehmen und fehlendem Anstand! Trump ist "eine Schande für die Innung" (= Gilde der Präsidenten).
MikeyHa 06.12.2018
4. Erinnere mich
wie George Bush sen. während des Nominierungswahlkampfs eine Rede Trumps mit einer Handbewegung quer über den Hals kommentierte, wie man sie eigentlich nur aus dem Film "Godfather" kennt. Das die Beiden hier auf Erden keine Freunde mehr werden würden wundert nicht. Als durchaus gläubige Christen werden sie jedoch noch eine Ewigkeit vor sich haben, um ihren Frieden zu schließen. Kann nur hoffen dass Trump bis dahin von den Fehlern seiner Vorgänger lernt- den nicht nur in D bereits heiliggesprochenen Obama mit seinem unsäglichen Dienstag eingeschlossen....
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