Milliardär George Soros Halb Osteuropa hasst diesen Mann

Egal ob in Ungarn, Tschechien oder der Slowakei: Der Milliardär George Soros wird von Osteuropas Nationalisten verteufelt. Sogar die Flüchtlingskrise lasten sie dem jüdischen Philanthropen an.

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US-Milliardär Soros: Hassfigur osteuropäischer Nationalisten
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US-Milliardär Soros: Hassfigur osteuropäischer Nationalisten


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Mit einem Brief fing alles an. Es war ein Hilferuf. Die Lehrer des Ottó-Herman-Gymnasiums in der ostungarischen Stadt Miskolc hatten in dem Schreiben all ihre Klagen aufgelistet: zu viel Bürokratie, vollgestopfte Lehrpläne, überlastete Lehrer und Schüler.

Doch vom Adressaten, dem für Bildungsfragen zuständigen Ministerium, kam monatelang keine Antwort. Enttäuscht veröffentlichten die Lehrer im Januar den Brief. Um ihren Beschwerden Nachdruck zu verleihen, kündigten sie dazu noch eine Demonstration an.

Der Brief war wie ein Funke. Von überall her meldeten sich Lehrerkollegen beim Ottó-Herman-Gymnasium, wollten unterschreiben und ebenfalls demonstrieren. Eine landesweite Protestbewegung von Pädagogen.

Die Regierung unter Viktor Orbán reagierte einigermaßen entrüstet. Zunächst präsentierte eine regierungsnahe Onlinezeitung eine Theorie: Die Lehrer seien gesteuert und aufgehetzt worden. Von außen. Und zwar von dem Milliardär und Börsenspekulanten George Soros. Das Ziel: der Sturz der Regierung.

Dann verkündete auch Ministerpräsident Orbán auf einer internen Fraktionssitzung, dass hinter den Protesten "äußere Kräfte" stünden. So berichtete es eine Zeitung. Orbáns Pressechef bestritt die Äußerung. Doch Orbán macht für Krisen in seiner Heimat und in der Welt immer öfter "äußere Kräfte" und namentlich George Soros verantwortlich.

Politiker Orbán: Studium mit Soros-Stipendium - aber heute ein klarer Gegner
DPA

Politiker Orbán: Studium mit Soros-Stipendium - aber heute ein klarer Gegner

Soros-Bashing in Osteuropa

Der Milliardär und Philanthrop Soros - wieder einmal ist er der Sündenbock. Eigentlich nichts Neues: Schon lange verteufeln rechtsextreme Verschwörungstheoretiker den 85-jährigen US-Amerikaner ungarisch-jüdischer Herkunft, der die Naziherrschaft in Budapest überlebte und heute zu den reichsten Menschen der Welt zählt.

Seit einiger Zeit machen immer öfter auch Politiker, die sich selbst als demokratisch sehen und von Extremismus abgrenzen, beim Soros-Bashing mit. Besonders in Osteuropa. Denn nirgendwo ist der Philanthrop aktiver als in dieser Region.

Zwar finanzieren Soros' Stiftungen Projekte in aller Welt. Doch in Osteuropa hat der Milliardär das meiste Geld gespendet. Hier liegen seine persönlichen Wurzeln, zeitlebens setzte er sich nicht nur mit dem nazistischen, sondern auch mit dem kommunistischen Totalitarismus auseinander.

Schon Anfang der Achtzigerjahre unterstützte er tschechische und ungarische Oppositionelle. Nach dem Umbruchsjahr 1989 gründete er überall in Osteuropa Filialen seiner Open-Society-Stiftung - der Name ist eine Referenz an das Konzept der "offenen Gesellschaft" des Philosophen Karl Popper, bei dem Soros einst studiert hatte.

Allein für Menschenrechts- und Demokratisierungsprojekte sowie die Unterstützung von Roma in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und der einstigen Sowjetunion gaben Soros' Stiftungen in drei Jahrzehnten rund 1,8 Milliarden Dollar aus. Hinzu kommen noch einmal etliche Dutzend Millionen Dollar für Gesundheits- und Bildungsprojekte in der Region.

Wegen dieses Engagements, aber auch wegen seiner Währungsspekulationen ist Soros seit Langem die Lieblingshassfigur osteuropäischer Nationalisten. Ihr Tenor: Soros führt eine jüdische Weltverschwörung an, die nationale Gemeinschaften vernichtet und eine "Hintergrund-Weltherrschaft" errichten will, um Völker und Staaten zu unterjochen und auszusaugen.

Orbán studierte mit einem Soros-Stipendium in Oxford

Weil Soros durch die jahrelange mehr oder weniger offene antisemitische Hetze breiten Bevölkerungsschichten in Osteuropa längst ein Begriff ist, nutzen ihn auch Politiker des demokratischen Spektrums als bequem heraufzubeschwörendes Feindbild.

Der sonst nicht gerade europafreundliche tschechische Staatspräsident Milos Zeman wirbt für einen Euro-Beitritt seines Landes ausgerechnet mit dem Argument, man müsse sich vor dem Spekulanten Soros schützen. Der slowakische Regierungschef Robert Fico wischt Kritik von Nicht-Regierungsorganisationen schon mal mit dem Vorwurf weg, diese seien von Soros finanziert.

Ungarns Viktor Orbán schließlich ist unter allen osteuropäischen Regierungspolitikern mittlerweile derjenige, der Soros am vehementesten angreift. Ausgerechnet: Orbán studierte 1989/1990 mit einem Soros-Stipendium in Oxford, und noch Anfang der Neunzigerjahre beklagte seine Partei Fidesz das permanente Soros-Bashing ungarischer Nationalisten.

"Ich nehme das nicht persönlich"

Dieser Ton hat sich grundlegend geändert. Im vergangenen Herbst warf Orbán Soros vor, die Flüchtlingskrise mit inszeniert zu haben. Ein führender Fidesz-Politiker mutmaßte später, Soros wolle auf diese Weise die EU zerschlagen. Als Transparency International Ende Januar einen kritischen Bericht zur Korruption in Ungarn veröffentlichte, teilte Orbáns Partei mit, die Anti-Korruptionsorganisation werde "von Soros finanziert", diene seiner "Pro-Einwanderungspolitik" und greife Ungarn an, um "Druck auszuüben".

Und nun auch noch der angeblich von Soros gesteuerte Pädagogenprotest. Olivér Pilz, der Sprecher der Lehrer am Miskolcer Ottó-Herman-Gymnasium, weiß nicht, ob er lachen oder entsetzt sein soll. "Wenn Soros uns unterstützen würde", sagt er, "dann würde es in unserer Schule sicher sehr viel besser aussehen."

Und was denkt George Soros selbst über die derzeitigen Angriffe auf seine Person in Ungarn? "Ich nehme das nicht persönlich", sagte der Milliardär zu SPIEGEL ONLINE. "Die Angriffe bestärken mich in meinen Prinzipien. Was die Lehrerproteste in Ungarn angeht, so habe ich von meiner angeblichen Unterstützung zum ersten Mal aus der Zeitung erfahren."


Zusammengefasst: George Soros ist der Sündenbock für die osteuropäischen Nationallisten. Angeblich versucht der US-Milliardär gezielt, die Region zu destabilisieren. Ungarns Premier Orbán macht munter mit beim Soros-Bashing - dabei hat er selbst mit einem Stipendium des Philanthropen studiert.

Zum Autor
  • privat
    Keno Verseck, Jahrgang 1967, seit 1991 freiberuflicher Journalist mit Schwerpunkt Mittel- und Südosteuropa.

    www.keno-verseck.de

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
Klaus100 26.02.2016
1.
Man muss kein rechtsradikaler Verschwörungstheoretiker sein, um Soros kritisch zu sehen. Seine Bilanz ist äußerst problematisch. Er hat die Notenbanken einiger Länder in Schwierigkeiten gebracht. Warum er immer wieder von einem Teil der Presse hofiert wird, ist mir ein Rätsel
regiles 26.02.2016
2. Ein Puzzlestück mehr
"Ihr Tenor: Soros führt eine jüdische Weltverschwörung an, die nationale Gemeinschaften vernichtet und eine "Hintergrund-Weltherrschaft" errichten will, um Völker und Staaten zu unterjochen und auszusaugen." Das kennen wir ja irgendwoher.... Am Ende gab es über 6 Millionen tote Juden. Ich finde, gerade Orabans Haltung gegenüber der Flüchtlingskrise, besser gegenüber den Flüchtlingen selbst, gepaart mit seinem fast schon diktatorischem Stil, mit eingeschränkter Pressefreiheit versteht sich, passt wunderbar zum Hang an Verschwörungen zu glauben oder diese herbei zureden. Und so ein Mann wird von Seehofer umschmeichelt und von der deutschen Rechten als gutes Beispiel angesehen. Ein Puzzlestück fügt sich ans nächste....
Teile1977 26.02.2016
3. Von außen gesteuert
Komisch, irgendwie ist nach meinung der Nichtdenker ALLES IMMER von Außen gesteuert. Der Ukrainische Maidan, Der Bürgerkriegsbeginn in Syrien, der Arabische Frühling sowiso... Das die Menschen von sich aus die Nase voll haben könnten mit ihren Regierungen, darauf kommen diese Menschen komischerweise nicht. Aber klar, im Zweifen sind die USA IMMER schuld, in diesem Fall sogar ein JÜDISCHER Amerikaner. Oh mann, Herr wirf Hirn oder Steine vom Himmel, Hauptsache du zielst gut.
Casparcash 26.02.2016
4. orwell
ein orwellscher snowball ist offensichtlich dringend nötig, um von den eigenen misserfolgen abzulenken. geschichte wiederholt sich.
carlmørck 26.02.2016
5. Verrückt
Und jetzt möchte ich einen der besorgten Bürger sehen, die das verteidigen, die jüdische Weltverschwörung, ich bin ja vorsichtig mit den Nazi-Vergleichen, aber bitte die jüdische Weltverschwörung,dass hatte schon Herr Hitler so gesagt.
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