George W. Bush bei TV-Talker Jay Leno Der Ungeliebte malt sich die Welt schön

Er ist wieder aufgetaucht: Ex-Präsident und Porträtmaler George W. Bush wagt sich in die Show von Late-Night-Talker Jay Leno. Politik? Interessiert ihn nicht mehr. Aber um sein Erbe kämpft er dann doch mit Leidenschaft.

Von , Washington


Lässig geht anders. George W. Bush lässt sich nicht gerade auf diesen Sessel fallen. Seine rechte Hand sucht nach der Kante des Sitzmöbels, dann erst winkelt er die Knie ab. Der 43. Präsident der Vereinigten Staaten tastet sich vorsichtig zurück in die Öffentlichkeit. Denn es ist ja so: Wäre der Mann ein König aus früheren Zeiten, er hätte den Beinamen "Der Ungeliebte".

Lange war Bush abgetaucht. Er hat sich eingerichtet in seinem texanischen Exil. Spielt viel Golf, macht noch mehr Mountainbike-Touren und malte erst seine eigenen Füße in der Badewanne, dann seinen mittlerweile verstorbenen Hund Barney, die Katze Bob und will künftig, so hört man, Staatsmänner aus seiner Zeit per Pinsel porträtieren. Soweit. An diesem Dienstagabend in Kalifornien aber der Auftritt - sein vierter - in der "Tonight Show" von Jay Leno. Eigentlich Obama-Revier.

"Sie sind ziemlich abgetaucht, ich war ganz verwundert, dass Sie unsere Einladung angenommen haben", sagt Leno.

"Nur wegen Ihnen", entgegnet Bush von seinem Sessel. Und schiebt noch ein bisschen Texas-Rhetorik hinterher: "Bevor Sie die Weide verlassen, will ich Sie nochmal sehen."

Leno findet's lustig. Tatsächlich ist ja für ihn im Frühjahr 2014 Schluss mit der Show, er übergibt an Nachfolger Jimmy Fallon. Eine freundschaftliche Geste von Bush? Na ja, dicke Kumpel sind die beiden nicht gerade. Wenigstens, das hat die Bush-freundliche "Washington Times" im Vorfeld nochmal klargestellt, sei Leno der einzige Late-Night-Talker, der eine kleine US-Flagge am Revers trage. Und er trägt sie auch in dieser Nacht.

George W. Bush testet die Stimmung im Land

Es gibt das übliche Late-Night-Geplänkel, man lacht viel miteinander, es menschelt. Leno holt Bushs Ehefrau Laura auf die Bühne, sie reden über die Herz-Operation des Ex-Präsidenten vor ein paar Monaten. "Ich hatte Angst", sagt Laura. "Ich nicht so", sagt Bush. "Hattest Du Obamacare?", fragt Leno mit Blick auf die umstrittene Gesundheitsreform des US-Präsidenten. Gute Laune im Studio. Letztlich bekommt Leno sogar noch einen vom Ex-Präsidenten angefertigten Leno in Öl überreicht. Die Details stimmen, die US-Flagge prangt am Revers. Toll.

Doch Bush ist sicher nicht aus Spaß an der Freude gekommen. Der 67-Jährige sondiert die Lage, testet die Stimmung. Es läuft nicht mehr allzu schlecht für Nummer 43. Einer Gallup-Umfrage zufolge sehen ihn jetzt 49 Prozent der Amerikaner positiv; 46 Prozent sagen das Gegenteil. Das erste Mal seit acht Jahren hat der Mann wieder mehr Anhänger als Gegner in der Bevölkerung. Für einen der unpopulärsten Präsidenten aller Zeiten ist das eine ziemlich gute Nachricht.

Das Jahr 2013 hat eine - wenn man so will - kleine Dabbelju-Renaissance gebracht. Mit Pomp und Präsidenten (Carter, Bush I, Clinton, Bush II, Obama) wurde im April das "Bush Presidential Center" in Dallas eingeweiht: Präsidentenbibliothek, Museum, Denkfabrik, alles inklusive. Dann warb George, der Ungeliebte, für die Einwanderungsreform, womit er sich gegen die rechtspopulistische Tea-Party-Bewegung stellte, die ihn mindestens genauso ablehnt wie Obama. Und zuletzt ist da sein öffentlicher Einsatz für den Bau einer Ölpipeline quer durch Amerika, von Kanada an die Golfküste (Keystone XL): "Baut das verdammte Ding!"

"Ich hab mein Bestes gegeben"

Manch Bush-Exeget sieht schon Licht am Ende des Tunnels: "Der frühere Präsident will nicht unbedingt zurück in die politische Debatte; aber er sucht nun wohl nach seiner Rolle als Elder Statesman", sagt Bruce Buchanan, Historiker an der University of Texas in Austin. Nur die Einsicht eines Staatsmannes, die zeigt Bush auch bei Jay Leno nicht. Stur verteidigt er seine Zeit im Amt: "Ich hab mein Bestes gegeben." Es werde noch eine Weile dauern, bis die Geschichte ihr Urteil getroffen habe, "ob meine Entscheidungen richtig waren oder nicht". Er habe da aber keine großen Sorgen. Logo.

Dabei leidet das Land offensichtlich unter dem Bush-Erbe: Unter den Folgen des sinnlosen Irak-Kriegs, des beschädigten internationalen Ansehens, des Missmanagements in der Wirtschaftspolitik, der Installation des NSA-Überwachungsstaats. Historiker mögen George W. Bush als einen der schlechteren Präsidenten bewerten; sein Erbe aber ist mächtiger als das vieler besserer Präsidenten.

Bush kokettiert bei Jay Leno wie stets damit, dass er so glücklich sei, die Jahre in Washington hinter sich gelassen zu haben: "Acht Jahre reichen echt." Nein, das Scheinwerferlicht vermisse er nicht. Man glaubt ihm das sogar. Er wird kein Bill Clinton werden, der durch die Welt tourt und sie immer wieder spüren muss, die Macht. Bush hat mit dem Weißen Haus Schluss gemacht wie er in den Achtzigern mit dem Alkohol Schluss gemacht hat: kalter Entzug.

So wird er jetzt Porträts des ein oder anderen Staatsmannes malen. Und darauf setzen, dass die Geschichte doch noch einen in ihm entdeckt.

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dapmr75 20.11.2013
1. Ein Vergleich
Man stelle Bush und Obama gegenüber; ich vermute, Obama hat noch weniger Positives erreicht als W. von Ankündigungen einmal abgesehen. Aber die Medien lieben halt den Einen und hassen den Anderen...
washington.mayfair 20.11.2013
2.
Zitat von sysopREUTERSEr ist wieder aufgetaucht: Ex-Präsident und Portrait-Maler George W. Bush wagt sich in die Show von Late-Night-Talker Jay Leno. Politik? Interessiert ihn nicht mehr. Aber um sein Erbe kämpft er dann doch mit Leidenschaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/george-w-bush-bei-jay-leno-er-verteidigt-sein-erbe-als-us-praesident-a-934566.html
Bei aller berechtigter Kritik, aber die Zeit mit Bush muss doch nun mit völlig anderen Augen sehen, als zur Zeit als Obama das Amt antrat. Und vor allem die Person Bush. Das die Präsidenten erheblich weniger Macht haben als gemeinhin angenommen wird ist offensichtlich.
Retent 20.11.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSEr ist wieder aufgetaucht: Ex-Präsident und Portrait-Maler George W. Bush wagt sich in die Show von Late-Night-Talker Jay Leno. Politik? Interessiert ihn nicht mehr. Aber um sein Erbe kämpft er dann doch mit Leidenschaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/george-w-bush-bei-jay-leno-er-verteidigt-sein-erbe-als-us-praesident-a-934566.html
Es hat ihn noch nie interessiert. Er war ein treuer Befehlsausführer derjenigen, die die Macht in seinem Land ausüben - warum jetzt dieser Typ wieder medial dem Volk vorgeworfen wird, zeigt sich wohl erst nach einer geraumen Zeit?!!? Ist bestimmt was im Busch!
Simoneke 20.11.2013
4. Obama.
Mir ist Obama mit seiner Scheinheiligkeit viel unsympathischer. Ist er doch - wie Bush - auch nur eine Marionette der Wall Street.
paulegs 20.11.2013
5. das Schlimmste
Der Mann war das Schlimmste was den USA je passiert ist. Der 2. Irakkrieg, Afghanistan, Die ganzu schwarz-weiß Rhetorik (Achse des Bösen), die Arroganz des vermrizlich Weisen aus den Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben das Land nicht nur finaziell ruiniert sondern, und das ist viel schlimmer
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