Georgien Stalins Geburtsstadt verbannt Denkmal des Diktators

Unerwünscht nach 58 Jahren: In einer nächtlichen Aktion hat die georgische Geburtsstadt des sowjetischen Diktators Stalin dessen Bronzedenkmal abmontiert. Der Machthaber habe Millionen Menschen getötet, sagte Kulturminister Rurua. Doch einige Bürger murren.

AFP

Gori - Der Diktator wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von einem neun Meter hohen Sockel gerissen: In der georgischen Stadt Gori haben die Behörden das Bronzedenkmal des früheren sowjetischen Machthabers Josef Stalin abmontiert. Das russische Fernsehen zeigte, wie die Statue in der Geburtsstadt Stalins in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vom Sockel gehoben und auf einen Lkw verladen wurde. Noch vor Morgengrauen war der Einsatz beendet.

Die sechs Meter hohe Statue war 1952, ein Jahr vor Stalins Tod, auf dem zentralen Platz in Gori aufgestellt worden und gehörte zu den wenigen Stalin-Monumenten, die es weltweit noch gab. Doch nach jahrzehntelanger Verehrung hat sich die historische Betrachtung des Diktators in Georgien offiziell inzwischen deutlich gewandelt: "Stalin war ein Mann, der Millionen unschuldiger Menschen getötet hat", begründete Kulturminister Nuka Rurua die Demontage der Statue.

Nach Schätzungen westlicher Historiker kamen während der Herrschaft Stalins 30 bis 60 Millionen Menschen in Arbeitslagern um, wurden hingerichtet oder starben in den durch Misswirtschaft verursachten Hungersnöten.

Doch nicht alle Einwohner von Gori wollen den früheren kommunistischen Machthaber verbannen. Viele hatten sich gegen den Abriss des Denkmals ausgesprochen. "Stalin ist ein Teil unserer Geschichte. Warum haben sie nun entschieden, ihn zu entfernen?", meinte ein 74-jähriger Einwohner.

Georgische Medien berichteten, die Polizei habe Gewalt angewendet, um ein Fernsehteam, das den Abriss filmte, an der Arbeit zu hindern. Sie mutmaßten, mit der nächtlichen Aktion hätten die Behörden Proteste umgehen wollen. "Das kam sehr überraschend", sagte Lado Bitschaschwili vom Fernsehsender Trialeti. "Einige Leute werden sehr verärgert sein."

Stalin-Kult muss dem prowestlichen Kurs weichen

Denn Stalin wird ungeachtet der von ihm befohlenen Verbrechenvon vielen früheren Sowjetbürgern verehrt. Straßen und Plätze in Gori tragen weiter seinen Namen.

Georgien will in die Gemeinschaft von EU und Nato aufgenommen werden und hatte deshalb betont, man werde das sowjetische Erbe hinter sich lassen. Auch in Russland distanzierte sich Präsident Dmitrij Medwedew vom Stalin-Kult.

Nach Angaben der Behörden soll die Statue nun in den Hof des Stalin-Museums der Stadt Gori kommen, das jährlich 28.000 Besucher zählt. Doch auch dort soll dem Kult um den Diktator der Garaus gemacht werden. "Das Konzept des Museums wird auch bald geändert. Es wird nicht länger der Verherrlichung Stalins dienen", sagte Rurua.

In der Stadtmitte Goris soll nun nach georgischen Medienberichten ein neues Denkmal errichtet werden. An der Stelle der Stalin-Statue solle künftig ein Monument an die Opfer des Krieges mit Russland im Jahr 2008 erinnern, hieß es.

Damals hatte Georgien die Kontrolle über seine abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien verloren. Gori hatte am stärksten unter dem Konflikt um Südossetien gelitten und blieb noch für Wochen von russischen Truppen besetzt.

mmq/Reuters/dpa/AFP

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Seite 1
pinkwoolf 25.06.2010
1. Feldherren
Kein Zweifel, dass die Demontage von Stalindenkmälern der richtige Schritt ist; es ist jedoch ebenfalls nicht verwunderlich, dass einige georgische Veteranen diese Ansicht nicht teilen. Alexander der Große erfreut sich in Mazedonien noch nach über 2000 Jahren unverminderter Beliebtheit – und im Rest der Welt großer Hochachtung – dito Cäsar; und Dschingis Khan ist der Held vieler Mongolen. Dass Napoleon ein rücksichtsloser Eroberer gewesen sei, würden auch viele unserer Zeitgenossen bestreiten. Alle diese Männer waren auf ihre Art genial. Es gab auch geniale Sklavenjäger, z.B. Tippu Tip. Solange wir Feldherrenqualitäten für verehrenswert halten, sollten wir auch bei Stalin den Ball flach halten.
Legacy 25.06.2010
2. Korrekt
Zitat von sysopUnerwünscht nach 58 Jahren: In einer nächtlichen Geheimaktion hat die georgische Geburtsstadt des sowjetischen Diktators Stalin dessen Bronze-Denkmal abmontiert. Der Machthaber habe Millionen Menschen getötet, sagte Kulturminister Rurua. Doch einige Bürger murren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702939,00.html
Völlig korrekte Entscheidung. Wo kämen die Menschen hin würde man Massenmördern noch Denkmäler setzen. Schlimm genug das es überhaupt so lange gedauert bis man in Georgien zu dieser Einsicht kam. Man darf gespannt sein wann das Harris-Denkmal in England ebenfalls in einer nächtlichen Aktion entsorgt wird. Gruß Legacy
mr_supersonic 25.06.2010
3. Genial?
Zitat von pinkwoolfKein Zweifel, dass die Demontage von Stalindenkmälern der richtige Schritt ist; es ist jedoch ebenfalls nicht verwunderlich, dass einige georgische Veteranen diese Ansicht nicht teilen. Alexander der Große erfreut sich in Mazedonien noch nach über 2000 Jahren unverminderter Beliebtheit – und im Rest der Welt großer Hochachtung – dito Cäsar; und Dschingis Khan ist der Held vieler Mongolen. Dass Napoleon ein rücksichtsloser Eroberer gewesen sei, würden auch viele unserer Zeitgenossen bestreiten. Alle diese Männer waren auf ihre Art genial. Es gab auch geniale Sklavenjäger, z.B. Tippu Tip. Solange wir Feldherrenqualitäten für verehrenswert halten, sollten wir auch bei Stalin den Ball flach halten.
Stalin war kein Feldherr und auch nicht genial. Er war ein paranoider Massenmörder. Und dass es überhaupt noch Statuen von ihm gibt, finde ich mehr als fragwürdig.
Tsardian 25.06.2010
4. ...
Zitat von pinkwoolfKein Zweifel, dass die Demontage von Stalindenkmälern der richtige Schritt ist; es ist jedoch ebenfalls nicht verwunderlich, dass einige georgische Veteranen diese Ansicht nicht teilen. Alexander der Große erfreut sich in Mazedonien noch nach über 2000 Jahren unverminderter Beliebtheit – und im Rest der Welt großer Hochachtung – dito Cäsar; und Dschingis Khan ist der Held vieler Mongolen. Dass Napoleon ein rücksichtsloser Eroberer gewesen sei, würden auch viele unserer Zeitgenossen bestreiten. Alle diese Männer waren auf ihre Art genial. Es gab auch geniale Sklavenjäger, z.B. Tippu Tip. Solange wir Feldherrenqualitäten für verehrenswert halten, sollten wir auch bei Stalin den Ball flach halten.
Nur das Stalins Feldherrqualitäten ähnlich schlecht wie die von Hitler waren, wenn nicht gar noch schlechter. Stalin war einfach nur ein Diktor und dort sehr erfolgreich, aber mit Feldherr im Sinne von Napoleon hat das wenig zutun.
david-michel 26.06.2010
5. wunderbar
Endlich haben die den Denkmal abmontirt. Stalin war ein Diktator. danke für den Artikel, aber im text ist ein Fehler . Im text steht : ''Kulturminister Nuka Rurua '' Kulturminister von Georgien heist NIKA eigentlich NIKOLOZ Rurua. Sehen Sie hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Nika_Rurua Ich bin Georgier
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