Georgiens Präsident Saakaschwili Propagandakrieg in der Traumfabrik

Von George W. Bush wurde er hofiert, Barack Obama zeigt ihm die kalte Schulter. Jetzt versucht Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili sein ramponiertes Image in den USA aufzupolieren - er hat PR-Strategen in Washington angeheuert und lässt in Hollywood einen Spielfilm drehen.

AFP

Von , Moskau


Der Gesandte des wichtigsten Verbündeten reagiert deutlich irritiert: "Unverantwortlich" sei das Vorgehen des georgischen Fernsehsenders Imedi, sagte John Bass, US-Botschafter in Tiflis. Imedi ist nicht irgendein TV-Kanal, er wird von der Regierung kontrolliert. Direktor Georgij Arweladse, einst Wirtschaftsminister, ist ein langjähriger Weggefährte von Präsident Micheil Saakaschwili. Am Samstag strahlte sein Sender Aufnahmen von vermeintlich nach Georgien vorrückenden russischen Panzerverbänden aus - eine bizarre Falschmeldung. Imedi zeigte auch Bilder des besorgten US-Präsidenten Barack Obama und eines kriegslüsternen russischen Staatsoberhaupts. "Saakaschwili ist ein Terrorist, und wir müssen Georgien von ihm befreien", heißt es in der angeblichen Übersetzung von Präsident Dmitrij Medwedews Worten.

Es folgt eine Eilmeldung: Saakaschwili sei tot.

Tags darauf tritt Georgiens Staatschef wohlauf vor die Presse und doziert, es sei "unerfreulich, was wir gesehen haben", aber eine realistische Simulation dessen, was schon in den kommenden Monaten Wirklichkeit werden könnte. Der Imedi-Bericht komme "dem sehr nahe, was Georgiens Feinde im Schilde führen".

Das ist die etwas eigenwillige Erklärung für das groteske Kriegsszenario, das in der georgischen Bevölkerung am Wochenende Panik auslöste.

Vor allem konterkarieren sie das neuerliche Werben des Landes um die Gunst des Westens - und vor allem Washingtons. Denn Saakaschwili, einst von Ex-Präsident George W. Bush hofiert, ist unter Barack Obama ins politische Abseits geraten. Um einen baldigen US-Besuch und ein persönliches Treffen mit Obama zu vermitteln, hat Saakaschwilis Sicherheitsrat jetzt die renommierte PR-Agentur Podesta Group unter Vertrag genommen. Die Firma wird von Tony Podesta geleitet, dem Bruder von John Podesta, der Bill Clinton einst als Stabschef diente und Obama schon bei der reibungslosen Amtsübernahme half. Laut Unterlagen des US-Justizministeriums sollen die PR-Profis "strategische Beratung in Fragen der Kommunikation vordringlicher Belange in den Beziehungen zwischen den USA und Georgien erbringen", und zwar gegenüber "Medien, dem US-Kongress und der Administration".

1,7 Millionen Dollar für Lobbyarbeit in den USA

436.800 Dollar zahlt Georgien auch der Lobbyfirma des ehemaligen Mehrheitsführers der Demokraten im Repräsentantenhaus, Dick Gephardt. Allein seit Sommer 2008 hat Tiflis rund 1,7 Millionen Dollar für Lobbyarbeit in den Vereinigten Staaten ausgegeben.

Wie eine Vertreterin des TV-Senders CNN SPIEGEL ONLINE bestätigte, intensiviert Georgien auch im US-Fernsehen seine Präsenz: Seit Mitte Februar schaltet das Land regelmäßige Werbespots bei dem Sender, den in den Vereinigten Staaten rund hundert Millionen Haushalte empfangen. Bereits seit längerem bucht Georgien großformatige Anzeigen gezielt in englischsprachigen Magazinen und Tageszeitungen.

Saakaschwili, 2003 Held der demokratischen Rosenrevolution und von westlichen Medien als "Kennedy des Kaukasus" geadelt, sieht sich auch international zunehmend isoliert.

Ein Untersuchungsbericht der Europäischen Union zum Krieg zwischen Georgien und Russland im August 2008 hatte nicht nur beiden Seiten Provokationen zur Last gelegt, sondern vor allem Saakaschwilis Behauptung, Moskau habe den Fünf-Tage-Krieg begonnen, als Lüge entlarvt. Unter Obama verbesserten sich zudem die Beziehungen zwischen Amerika und Russland. Ein Nato-Beitritt Georgiens hat derzeit in Washington keine Priorität mehr.

Georgiens Präsident wurde auch nicht zur Amtseinführung Obamas geladen, wohl aber einer der Führer der Tifliser Opposition, der damalige Uno-Botschafter des Landes Irakli Alasania.

Saakaschwili lässt in Hollywood den Krieg nachdrehen

Auch in Hollywood ist Georgien aktiv: Saakaschwili startete jüngst ein Filmprojekt, um in der angelsächsischen Welt die georgische Lesart des Kaukasus-Konflikts zu verbreiten. Für den Streifen "Georgia 2008" engagierten die Georgier Stars wie Andy Garcia und Val Kilmer, die Filmmusik stammt von Katie Melua, einer britischen Popsängerin mit georgischen Wurzeln.

Regie führt der bislang durch mäßige Begabung aufgefallene Hollywood-Regisseur Renny Harlin. Er ist der Schöpfer von Filmen wie "Stirb Langsam 2", "Deep Blue Sea" und wurde bereits fünfmal mit der Goldenen Himbeere für den schlechtesten Film des Jahres ausgezeichnet. "Ich habe lange darauf gewartet, einen Filmstoff mit Substanz zu finden", sagte Harlin. Er wolle einen Antikriegsfilm drehen, keineswegs richte sich das Projekt gegen Russland.

Zweifel an Harlins objektiver Sicht der Dinge sind aber erlaubt: Sein Debüt feierte der finnischstämmige Regisseur 1986 mit dem Film "Born American", einem Trash-Streifen über drei Amerikaner, die versehentlich die Grenze zur Sowjetunion überschreiten - und danach von blutrünstigen Russen gejagt und gefoltert werden.

Offiziell firmiert Harlins "Georgia 2008" als US-Projekt, tatsächlich stammt das Geld zumindest in Teilen jedoch aus Georgien, ebenso das Drehbuch. Als dessen Co-Autor fungierte 2009 der dem Präsidenten ergebene Parlamentarier Papuna Davitaia. Der inzwischen in den Rang eines Ministers beförderte Davitaia sammelte einst erste Kino-Erfahrungen in Deutschland: als Zeichner des Trickfilms "Lars der Eisbär".

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cassandra13 17.03.2010
1. Propagandastreifen
gehören zu jedem Staat dazu. Zum einen mehr, zum anderen weniger ... jeder will seine Sicht der Dinge rüberbringen. Wenn dabei die Wahrheit ein wenig verklärt und verkleistert wird dann macht das nix, Hauptsache die Massen glauben es. Da ich mir erlaube sowohl Russland als auch Georgien skeptisch gegenüberzu stehen gehört schon mehr als ein Propagandastreifen um mich von einer Meinung zu überzeugen. Und DAS schaffen weder Georgien noch Russland.
schwarzer Schmetterling, 17.03.2010
2. nun
Zitat von sysopVon George W. Bush wurde er hofiert, Barack Obama zeigt ihm die kalte Schulter. Jetzt versucht Georgiens Präsident Michail Saakaschwili sein ramponiertes Image in den USA aufzupolieren - er hat PR-Strategen in Washington angeheuert und lässt in Hollywood einen Spielfilm drehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,683654,00.html
muss mir nur noch einer erklären was dieser krieggeile krawattenkauer in der nato soll. letzlich dürfen wir dann für ihn gegen diesen russen kämpfen - eine grausige vorstellung. wozu sich die bunten "revolutionen" der durch den westen entwickelt haben sehen wir nun - die us-politik gegen die russen treibt nun immer schlimmere blüten. würde mich mal auf einen gut recherchierten bericht über diese fremdgesteuerten "revolutionen" freuen die da wären - kosovo - ukraine - georgien so für´s erste.
e-ding 17.03.2010
3. ...
Solange "Wahrheiten" nur in drittklassigen Hollywoodstreifen verbreitet werden, kann man ja noch schmunzeln. Gefährlicher sind da Medien, die vorgeben unabhängig zu sein aber nicht minder kreativ in der Auslegung von Tatsachen sind.
sysiphus, 17.03.2010
4. Flurbereinigung
Vermutlich wäre es für Georgien besser gewesen, wenn sich die Russen 2008 gleich Sakaschwilis Kopf geholt hätten. So müssen die Georgier nun selbst sehen, wie sie diesen Hasardeur loswerden bevor er das Land vollends ruiniert. Aber ich bin ganz optimistisch, dass sich mittelfristig in Tiflis die vernünftigen Leute durchsetzen werden. Schließlich hat ja in der Ukraine auch der Verstand über den Fanatismus gesiegt. Nun sind Georgier sicherlich leidenschaftlicher als Slawen, aber dümmer sind sie bestimmt nicht. Bis dahin sollte sich die deutsche Politik so fern wie möglich von Herrn S. halten - er ist eine, wenn auch unangenehme, temporäre Erscheinung, die es auszusitzen gilt.
sic tacuisses 17.03.2010
5. richtig schön wird es erst,
Zitat von e-dingSolange "Wahrheiten" nur in drittklassigen Hollywoodstreifen verbreitet werden, kann man ja noch schmunzeln. Gefährlicher sind da Medien, die vorgeben unabhängig zu sein aber nicht minder kreativ in der Auslegung von Tatsachen sind.
wenn ein solcher Irrer dann auch von unseren "Freunden jenseits des grossen Teiches" ( wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr ) in die N A T O komplimentiert werden soll. Wenn ein normaler Mensch auf solche Ideen käme hätte er inner- halb 10 Minuten die weisse Jacke an, deren Ärmel auf dem Rücken zugebunden werden. Und dann ginge es mit tatü tata durch die ganze Stadt..............
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