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Geplante Koran-Verbrennung: Der Pastor, der mit dem Feuer spielt

Von Yassin Musharbash

Terry Jones, fundamentalistischer Geistlicher einer Winz-Gemeinde in Florida, hält den Islam für satanisch - und will Korane verbrennen. Die geplante Provokation sorgt international für Aufregung, in Afghanistan zündeten Demonstranten schon sein Konterfei an. Doch der Kirchenmann kennt kein Halten.

Wut in Afghanistan: Proteste gegen geplante Koran-Verbrennung Fotos

Gainesville im US-Bundesstaat Florida hat rund 125.000 Einwohner, etliche davon Studenten. Die Winter sind mild, die Sommer warm. Der Schauspieler River Phoenix hat einmal hier gelebt. Viel mehr gibt es über Gainesville eigentlich nicht zu sagen.

Das könnte sich bald ändern.

Denn wenn Terry Jones seinen Willen bekommt, wird Gainesville, Florida in den kommenden Tagen womöglich einer der am häufigsten genannten amerikanischen Städtenamen in den internationalen Medien sein.

Terry Jones, seines Zeichens Pastor am "Dove World Outreach Center", will nämlich am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 am kommenden Samstag auf dem Grundstück seiner Kirche Koran-Exemplare verbrennen. Es ist ein kalkulierter Akt der Provokation. Man könnte auch sagen: des Hasses. Man tut Jones damit kein Unrecht. Er hält den Islam genaugenommen für satanisch, und obwohl er, auch das sagt er selbst, vom Islam wenig Ahnung hat, hat er ein Buch mit dem Namen "Islam is of the Devil" geschrieben.

Vor einem Jahr war Terry Jones schon einmal in den Nachrichten: Da stellte er vor dem Dove Center ein Schild auf. Darauf stand ebenfalls: "Islam is of the Devil". Er forderte andere Kirchen auf, es ihm nachzutun. Er verkauft jetzt, über das Internet, auch Tassen, T-Shirts und Baseball-Caps mit dieser Inschrift.

Jones' Logik: Der Koran lügt, also kann man ihn verbrennen

Aber Amerika, so sieht Terry Jones das, ist immer noch nicht aufgewacht. Also ruft der ehemalige Hotelmanager jetzt zum internationalen Tag der Koran-Verbrennung auf. Man muss dazu sagen: Das Hauptziel von Jones und seinen Mitstreitern ist es angeblich gar nicht, Muslime zu kränken. Sie sagen, sie wollen nur darauf hinweisen, dass der Koran ja Jesus nicht als Erlöser anerkenne. Folglich kann es kein heiliges Buch sein. Folglich kann man es verbrennen.

Natürlich würde die Bücherverbrennung Muslime kränken. In den USA - und weit darüber hinaus. Jedes Exemplar des Koran, so glauben gläubige Muslime, muss mit besonderer Aufmerksamkeit und Sorgfalt behandelt werden. Die meisten Muslime legen es stets zuoberst auf den Buchstapel. Sie würden den Koran nicht einmal aufgeschlagen neben dem Bett liegenlassen.

Schon vor Wochen haben muslimische Organisationen und Repräsentanten in Indonesien, Ägypten und anderswo vor der Koran-Verbrennung und den Folgen gewarnt. Bereits Jones' Plan hat solche Reaktionen hervorgerufen, in Afghanistan wurde eine Puppe verbrannt, die den Eiferer darstellen soll.

Auch der US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General David Patraeus, hat sich mittlerweile eingeschaltet: Die geplante Bücherverbrennung könnte amerikanische Soldaten gefährden. Aber das scheint für Terry Jones auch keine Rolle zu spielen. Presseberichten zufolge glaubt er, dass das nicht stimmt. Angeblich sollen nun sogar rechtsradikale Milizionäre seine Koran-Verbrennung schützen. Er selbst sagt: "Wir müssen vorsichtig sein". Dem Reporter der "New York Times" zeigte er seine Pistole.

Radikaler Rand der evangelikalen Bewegung

Die Feuerwehr von Gainesville hat ihm keine Erlaubnis erteilt, ein Feuer zu veranstalten. Terry Jones ist auch das egal. Bis jetzt sieht es ganz danach aus, als wolle er Ernst machen.

Die Sorge vor heftigen Reaktionen unter frommen Muslimen wie unter islamistischen Scharfmachern ist nicht unbegründet. Obwohl sie schon vor Jahren veröffentlicht wurden, wirken die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Tageszeitung noch immer nach. Im Mai 2005 meldete "Newsweek", ein Wärter in Guantanamo habe einen Koran in eine Toilette gesteckt. Das Magazin zog den Bericht später zurück. Aber da waren bei Unruhen in Afghanistan und Pakistan schon 16 Menschen ums Leben gekommen.

Terry Jones hält auch Abtreibung für Mord und homosexuelle Ehen für eine Verirrung. Er gehört zum radikalen Rand der evangelikalen Bewegung in den USA. Einflussreich ist er nicht. Zu seinen Predigten, so die "New York Times", kommen sonntags gerade einmal 50 Personen. Im Land der Mega-Churches ist das nichts.

Aber Einfluss ist relativ in Zeiten des Internets. Terry Jones hat YouTube-Videos veröffentlicht, in denen er die Angst vor dem Islam schürt. Er ist kein begnadeter Redner. Sein Denken ist etwas krude: Die USA können noch gerettet werden, sagt er. Aber Europa ist verloren, "Europa wurde dem Humanismus, dem Islam" überlassen.

Es wird Widerstand geben

Mit seinem altertümlichen Bart wirkt er wie dem 19. Jahrhundert entrissen. Aber neue Medien haben es ihm angetan. So betreiben Terry Jones und seine Leute auch die Facebook-Seite "Islam is of the Devil". Sie hat 8365 Fans. Allerdings scheinen es nicht alles wirkliche Fans zu sein. Viele beschimpfen den Pastor auch wegen seiner Pläne.

Auf der Website des Dove Centers gibt es auch einen Blog, Fran Ingram führt ihn, mehr als den Namen erfährt man nicht über den Autor. Fran Ingram nennt zehn Gründe dafür, den Koran zu verbrennen. Grund Nummer fünf: Man kann Mohammed einfach nicht respektieren. Außerdem folge man ja nur einem biblischen Beispiel, siehe Apostelgeschichte, 19: "Und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Zauberbücher herbei und verbrannten sie vor aller Augen."

Es wird Widerstand geben in Gainesville, Florida. Nachbarn wollen sich mit Plakaten wehren. Vielleicht gibt es eine Gegendemonstration. Mehr als ein Dutzend lokale religiöse Einrichtungen wollen parallel die Gültigkeit aller heiliger Schriften verteidigen. Ein großer Zusammenschluss evangelikaler Gemeinden hat Terry Jones zum Rückzug aufgefordert. Vielleicht gelingt es ja doch noch, den Zündler Terry Jones zu stoppen. Dass er ganz aufgibt, für immer, ist wohl eher unwahrscheinlich.

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Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im siebten Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.

Islam , Christentum und Judentum eint Vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.

Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka .

Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten, fast alle übrigen Sunniten.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.

Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten, auf denselben Text.

Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.

Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.

Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch mehr als ein Mensch gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.

Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
"Corpus Coranicum"
Das Projekt "Corpus Coranicum", das an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist, hat sich drei große Aufgaben gestellt: Zum einen soll die Entstehungsgeschichte des Korantextes nachvollzogen und dokumentiert werden. Dabei soll es auch darum gehen, frühe Handschriften mit Koranfragmenten auszuwerten und unterschiedliche Lesarten des Korantextes darzustellen. Zum Zweiten wird eine Datenbank von "Texten zur Umwelt des Koran" erstellt. Diese sogenannten Intertexte sollen helfen, das geistige Klima zu rekonstruieren, in dem der Koran entstand. Schließlich sollen die neuen Daten und Erkenntnisse in einem Buchprojekt zusammengeführt und gedeutet werden.

Das Projekt wird geleitet von der Berliner Professorin Angelika Neuwirth; die Arbeitstelle besteht derzeit aus vier Wissenschaftlern.
"Intertexte"
Mit diesem Begriff beschreiben Neuwirth und ihr Team Texte, die sich zu bestimmten Passagen des Korantextes in Beziehung setzen lassen - dabei kann es sich um alttestamentarische Texte handeln, aber auch um christliche, christlich-apokryphe, altarabische, hellenistische oder noch andere Texte handeln. Es geht allerdings ausdrücklich nicht darum, vermeintliche Quellen des Koran zu identifizieren - sondern eher die "Kontrastfolie" (Neuwirth) zu dem, was der Koran sagt.

Ein Beispiel für einen Intertext: "Sprich: Er ist Gott, einer", heißt es in der 112. Sure des Koran. Neuwirth setzt diese Stelle in Beziehung zum Alten Testament, Deuteronomium 6,4: "Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer".

Hier könne man sehen, wie der Koran Altes aufgreift, um Neues zu sagen, meint die Islamforscherin. So werde in der 112. Sure keine bestimmte Gemeinschaft mehr adressiert, wie zuvor noch die Juden ("Israel") in der alttestamentarischen Passage. Sondern es stehe da, in denkbar karger, aber umso deutlicherer Form: "Er ist Gott, einer".

Zugleich sei in diesem Fall durchaus von einer bewussten Anspielung des Koran auf Deuteronomium 6,4 auszugehen. Denn das Arabische "ist an dieser Stelle grammatikalisch geradezu falsch", so Neuwirth - dafür aber analog zu der hebräischen Passage gebildet.


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