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Geplante Koran-Verbrennungen: Zündelpastor Jones deutet Einlenken an

Sagt US-Pastor Jones die Koran-Verbrennungen doch noch ab? Falls ihn das Weiße Haus direkt darum bitte, werde er den Plan überdenken, sagte er. Weltweit hatten Muslime die Aktion kritisiert, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Einen ungewöhnlichen Protest startete eine islamische Gruppe in den USA.

Fundamentalisten-Pastor Jones mit Werbung für "Burn a Koran Day": "Definitiv überdenken" Zur Großansicht
AFP

Fundamentalisten-Pastor Jones mit Werbung für "Burn a Koran Day": "Definitiv überdenken"

Washington - Möglicherweise kommt es doch nicht zu den geplanten Koran-Verbrennungen in Gainesville im US-Bundesstaat Florida: Terry Jones, Pastor der Fundamentalistengemeinde und Ideengeber der heftig umstrittenen Aktion, hat Bereitschaft zum Einlenken signalisiert.

In einem Interview mit der Zeitung "USA Today" stellte er Bedingungen für einen Rückzug: Falls ihn das Weiße Haus direkt bitte, die Aktion abzublasen, wolle er den Plan "definitiv überdenken", sagte Jones. Er hatte zuvor angekündigt, vor seinem Gemeindezentrum, dem Dove World Outreach Center, am Samstag, dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, mehrere Ausgaben des Korans verbrennen zu wollen.

Bislang sei die US-Regierung aber nicht mit ihm in Kontakt getreten, sagte Jones. Einen Anruf der Regierung werde er "nicht ignorieren".

Direkt angerufen hat US-Präsident Barack Obama den Geistlichen aus Florida zwar nicht, direkt angesprochen aber schon. Er möge bitte auf den "zerstörerischen Akt" verzichten, sagte Obama in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Die Verbrennungsaktion könne "schwerwiegende Gewalt" gegen amerikanische Soldaten in Pakistan und Afghanistan auslösen, sagte Obama. Das Ganze wäre ein regelrechter "Rekrutierungsschlager für al-Qaida" und würde der Terrororganisation neue Mitglieder in die Arme treiben.

Außer Obama hatten sich auch Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates öffentlich gegen die geplanten Koran-Verbrennungen ausgesprochen und Sorgen angesichts der erwarteten Reaktionen in muslimischen Staaten geäußert. Das US-Außenministerium wies seine Botschaften im Ausland nach Informationen vom Donnerstag an, die möglichen Folgen der Koran-Verbrennungen in ihren jeweiligen Gastländern zu erörtern.

Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hatte ebenfalls die Befürchtung geäußert, dass das Ansehen der USA durch die Verbrennungen ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folterfotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghuraib im Irak.

Proteste in islamischen Staaten

Asiatische Länder erhöhten am Donnerstag den Druck auf die US-Regierung: Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief Obama dazu auf, die Aktion zu unterbinden. Obama solle sicherstellen, "dass dieser abscheuliche Akt nicht durchgeführt wird", zitierte der US-Sender CNN einen indonesischen Präsidentensprecher.

Auch Indien forderte Washington auf, den Pastor zu stoppen. Der pakistanische Innenminister Rehman Malik will, dass die internationale Polizeiorganisation Interpol einschreitet und die "verabscheuungswürdige Tat" verhindert. In Pakistan und Afghanistan gab es Demonstrationen gegen die geplanten Verbrennungen.

Den Behörden in den USA sind wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung die Hände gebunden. Dieses Recht nimmt eine zentrale Stellung im Selbstverständnis der USA als freiheitlicher Rechtsstaat ein.

Eine Gruppe muslimischer Bürgerrechtler in den USA will Jones und seinen Gefolgsleuten nun mit einer eigenen Aktion entgegentreten. Der Council on American-Islamic Relations (CAIR, zu Deutsch etwa: Rat amerikanisch-islamischer Beziehungen) plant laut CNN, am Freitag die Initiative "Learn, Don't Burn" (Lernen statt Verbrennen) zu starten. CAIR setzt sich unter anderem für den Schutz der Grundrechte von Muslimen in den USA und Kanada ein.

Dabei werden für die angeblich 200 Exemplare, die die Fundamentalisten verbrennen wollen, 200.000 neue Ausgaben des Korans verteilt. "Diese Bildungsinitiative richtet sich an diejenigen, die auf der Suche sind nach einer konstruktiven Antwort auf die unamerikanischen Machenschaften dieser Glaubensgemeinschaft", sagte ein Sprecher der Gruppe. Jones und seine Leute repräsentierten "ganz offensichtlich weder unsere Gesellschaft noch ihre Werte".

ffr/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
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1. ++
saul7 09.09.2010
Zitat von sysopSagt US-Pastor Jones die Koranverbrennung doch noch ab? Falls ihn das Weiße Haus direkt darum bitte, werde er den Plan überdenken, sagte er. Weltweit hatten Muslime die Aktion kritisiert, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Einen ungewöhnlichen Protest startete eine islamische Gruppe in den USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716657,00.html
Das mediale Echo ist doch längst da, der Herr Jones hat doch sein Podium längst gefunden für seine kruden Gedanken. Wahrscheinlich fürchtet der Mann um sein Leben....
2. ....
mm01 09.09.2010
Es würde mich nicht wundern, wenn die Verbrennung nicht stattfinden würde und wahrscheinlich auch nicht geplant war. Vielleicht wollte der Pastor den "friedlichen" Islam ganau so vorführen, wie Sarrazin dies mit unserer weltfremden, verlogenen Politikerkaste tat.
3. Arrogant
masseltoff74 09.09.2010
Zitat: Falls ihn das Weiße Haus direkt darum bitte, werde er den Plan überdenken, sagte er. Übel, dieses Würstchen. Weiß er denn nicht, was das übersetzt heißt? Diesen Mann gehört das Handwerk gelegt.
4. Tja,
hilfloser, 09.09.2010
es sind nicht nur die Deutschen, die Europäer; es ist auch die USA die vor dem Islam den Kniefall probt,- nein nicht probt, sondern vollzieht! Es brechen alle Dämme, es werden alle westlichen Grundsätze des mitmenschlichen Miteinanders über Bord geworfen wenn Stunk mit dem Islam ansteht. Es zählt nicht mehr die US Charter of liberty, das Deutsche Grundgesätz etc. wenn es bitte vermeidet einen Konflikt mit dem Islam heraufzubeschwören! Von den USA hätte ich da allerdings etwas mehr Freiheitswillen/Liebe erwartet. Naja, so ändern sich die Zeiten unter einem Barack Hussein Obama! Die US Meinungsfreiheit ist scheinbar mittlerweile nicht mehr Wert als das Deutsche GG! Konflikte hält das Eine wie das Andere nicht mehr aus.
5. Gelungen
ernstjüngerfan 09.09.2010
Zitat von sysopSagt US-Pastor Jones die Koranverbrennung doch noch ab? Falls ihn das Weiße Haus direkt darum bitte, werde er den Plan überdenken, sagte er. Weltweit hatten Muslime die Aktion kritisiert, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Einen ungewöhnlichen Protest startete eine islamische Gruppe in den USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716657,00.html
Natürlich wird er keinen Koran verbrennen!Er hat doch das erreicht, was er wollte: Politik und Medien reißen sich in wilder Hysterie das Maul auf. Mission accomplished, mit George Bush gesprochen.
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Der Koran ist die heilige Schrift des Islam und gilt als ältestes arabisches Prosawerk. Nach muslimischem Glauben enthält er wörtliche Offenbarungen, die Allah zwischen 610 und 632 durch den Erzengel Gabriel in arabischer Sprache an den Propheten Mohammed richtete. Der Koran (von arabisch "lesen": das zu lesende Buch, das zu Rezitierende) ist für alle Muslime verbindlich. Die Gläubigen sollen den arabischen Originaltext studieren. Übersetzungen werden als Interpretation abgelehnt.
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Die 114 Suren (Kapitel) wurden erst um 650 nach dem Tod Mohammeds gesammelt. Sie sind nicht chronologisch, sondern nach ihrer Länge angeordnet. Die 114. Sure enthält nur noch sechs Verse.
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Im Koran finden sich die fünf Pfeiler des Islam: das Glaubensbekenntnis, tägliche Gebete, das Geben von Almosen, Fasten im Monat Ramadan sowie die Wallfahrt nach Mekka . Außer religiösen Grundsätzen enthält er auch Vorschriften für moralisches Verhalten und zu bürgerlichen Pflichten.


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