Geplante Waffendeals: USA rüsten Verbündete in Nahost massiv auf

Kampfjets für Saudi-Arabien, Panzer für den Irak: Während sich der Konflikt mit Iran verschärft, will Washington seine wichtigsten Partner in der arabischen Welt mit milliardenschweren Waffenlieferungen stärken. Dabei sind die Geschäfte sogar in der US-Regierung umstritten.

F-16-Jets der US-Luftwaffe über Irak (Archivbild): Umstrittener Waffendeal mit Bagdad Zur Großansicht
REUTERS/ USAF

F-16-Jets der US-Luftwaffe über Irak (Archivbild): Umstrittener Waffendeal mit Bagdad

Washington - Es geht um Kampfjets, Panzer und andere Waffen im Wert von 31 Milliarden Euro: Die US-Regierung will ihre wichtigsten Verbündeten in der arabischen Welt, Irak und Saudi-Arabien, massiv aufrüsten.

Washington hat sich nun offenbar zum Verkauf von F-15-Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien im Wert von 30 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro) durchgerungen. Das arabische Königreich soll 84 neue Flugzeuge erhalten, 70 weitere Jets sollen aufgerüstet werden, wie die Nachrichtenagentur AP an diesem Donnerstag unter Berufung auf Quellen in US-Regierungskreisen meldet.

Bereits vor rund einem Jahr hatte der US-Kongress einem auf zehn Jahre angelegten Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien im Wert von 60 Milliarden Dollar zugestimmt. Darin enthalten war der Verkauf von F-15-Flugzeugen, Hubschraubern, verschiedener Raketen, Bomben sowie Radarwarnungssystemen und Nachtsichtgeräten. Es hatte aber politischen Streit wegen des Deals gegeben: Einige Abgeordnete stimmten dem Geschäft erst zu, nachdem ihnen versichert wurde, dass es keine Bedrohung für die militärische Überlegenheit Israels in der Region darstelle.

Zweifel am Waffendeal mit Bagdad

Die "New York Times" ("NYT") berichtet, dass die Regierung von Präsident Barack Obama außer der Waffenlieferung an Saudi-Arabien noch ein umstrittenes Rüstungsgeschäft mit dem Irak durchziehen will. Es geht dabei laut "NYT" um den Verkauf von Kriegsmaterial im Wert von elf Milliarden Dollar (rund 8,4 Milliarden Euro).

Dieses Geschäft ist innerhalb der Obama-Administration allerdings höchst umstritten: Diplomaten fürchten, dass der irakische Premier Nuri al-Maliki die Waffen vor allem dazu nutzt, seine Macht zu festigen - und die Volksgruppe der Sunniten von der Macht ausgrenzt. Zuletzt hatten amerikanische Vertreter die Sorge geäußert, Maliki benutze die staatliche Armee, um die Vorherrschaft seiner eigenen Volksgruppe, der Schiiten, gegen die sunnitische Minderheit zu sichern.

Auch der US-Botschafter in Bagdad, James J. Jeffrey, hat dem Bericht zufolge Besorgnis über die militärischen Abmachungen zwischen Washington und Irak geäußert. Zuletzt war die Gewalt zwischen den Volksgruppen im Irak eskaliert.

Sorge vor Gewalt gegen eigenes Volk

In dem Geschäft zwischen Washington und Bagdad geht es um den Verkauf von F-16-Kampffliegern und Kampfpanzern, aber auch um Körperschutz, Helme und Geländewagen - die Kritiker des Deals befürchten laut "NYT", dass gerade diese Gegenstände von Sicherheitskräften im Inneren gegen das eigene Volk eingesetzt werden könnten.

Das langfristige Ziel der USA, den Irak als regionales Gegengewicht zu Iran aufzubauen, ist gefährdet, wenn die Regierung in Bagdad näher an den schiitischen Gottesstaat in Teheran heranrückt.

Die Spannungen zwischen Iran und dem Westen sind in den vergangenen Tagen weiter eskaliert. Während der Westen wegen Teherans Atomprogramm weitere Sanktionen vorbereitet, drohte die iranische Regierung mit einer Ölblockade: "Nicht ein Tropfen Öl" werde die Straße von Hormus passieren, sollte der Westen tatsächlich Sanktionen gegen die Ölexporte des Landes verhängen, sagte Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi. Die iranische Marine simuliert offenbar seit dem Wochenende eine Blockade des Handelswegs, die den Ölpreis stark nach oben treiben könnte.

fab/dapd

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1. nichts dazu gelernt?
Friedrich H 29.12.2011
Zitat von sysopKampfjets für Saudi-Arabien, Panzer für den Irak: Während der Konflikt mit Iran sich verschärft, will Washington seine wichtigsten Partner in der arabischen Welt mit milliardenschweren Waffenlieferungen*stärken. Dabei sind die Geschäfte sogar in der US-Regierung umstritten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806153,00.html
haben die USA nicht auch den Iran kurz vor der Machtübernahme durch Chomeni noch einam stark aufgerüstet?
2. endlich alles klar
hgm1 29.12.2011
Zitat von sysopKampfjets für Saudi-Arabien, Panzer für den Irak: Während der Konflikt mit Iran sich verschärft, will Washington seine wichtigsten Partner in der arabischen Welt mit milliardenschweren Waffenlieferungen*stärken. Dabei sind die Geschäfte sogar in der US-Regierung umstritten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806153,00.html
Ja, nun dämmert es auch den Letzten, worum es den Amerikanern bei ihren Kriegstreibereien geht. Und wir verdienen fleißig mit und sind auch noch stolz darauf, dass unsere Wirtschaft dank vermehrter Produktion von Tötungsgerät so ordentlich brummt.
3. Frieden?
hubertrudnick1 29.12.2011
Zitat von sysopKampfjets für Saudi-Arabien, Panzer für den Irak: Während der Konflikt mit Iran sich verschärft, will Washington seine wichtigsten Partner in der arabischen Welt mit milliardenschweren Waffenlieferungen*stärken. Dabei sind die Geschäfte sogar in der US-Regierung umstritten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806153,00.html
Eine friedliche Zusammenarbeit sieht anders aus, es hat sich im laufe der Jahrzehnte absolut nichts verändert. Ihre Diplomatie zeigen zu viele Länder nur mit ihren Waffen. Wollte denn nicht der Herr George W Bush, dass mit seinem Irakkrieg die Demokratisierung in den arabischen Ländern beginnt und sie sich weit ausbreitet. Dabei sind die diplomatischen Worte nur ihre Waffen die ihre Argumente zum Durchbruch helfen sollen. Ich sehe für das neue Jahr auch kaum einen Frieden am Horizont. HR
4. Freedom is just another word
Aufwindkraftwerk 29.12.2011
for nothing left to lose... Diese USA werden mit ihrer Kriegstreiberei noch die ganze Welt mit in den Abgrund reißen. Zu verlieren haben sie nichts mehr, besonders seit der Finanzkrise. Zu bieten haben sie folglich auch nichts, deswegen interessieren sie sich nur für andere Länder, weil sie mit sich selbst nichts anzufangen wissen. Dieses ewige Intrigieren in anderen Ländern, die Propagation des hedonistischen Lifestyles, sehr aufdringlich extrovertiert das Ganze. Nun wollen sie sich auch noch am Iran beweisen. Deutschland ist da natürlich gerade der rechte Kumpan, einem solchen Kumpan die Nibelungentreue zu halten und seine Fehler nachzumachen.
5. Dient doch nur der Friedensicherung
Litajao 29.12.2011
Also 30 Mia. U S$ Kriegsgerät für Saudi Arabien, und 11 Miar. US $ nach Irak. Klar, dient doch bestimmt, zu 100% nur der Friedensicherung und dem Bestand der Saudi-Monarchie, die ja so demokratisch ist. Der Iran wird ja bestimmt bald Saudi Arabien und den Irak angreifen und die USA wollen doch bloß helfen!!! (Ionie Ende). Ist es nicht so, dass die USA mit diesen Lieferungen Ihre Roh-Öl-Rechnungen bezahlen. Also dieser Friedensnobelpreisträger sollte sich schämen und sofort seinen Nobelpreis abgeben, wenn er auch nur noch einen Funken Anstand besitzt.
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Fotostrecke
Irak: Hetze gegen sunnitische Minderheit

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Nuri al-Maliki (zurückgetreten); Haider al-Abadi (designiert)

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