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Geplantes Krisentreffen: Sarkozys Aktionismus nervt Bundesregierung

Frankreichs Präsident prescht vor: Zuerst ruft Nicolas Sarkozy sein Kabinett aus den Ferien zurück, dann kündigt er ein Finanzkrisen-Sondertreffen mit der deutschen Kanzlerin an. In der Bundesregierung wundert man sich über so viel Wirbel - Merkel will lieber Ruhe bewahren.

Kanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy (Archivbild 2010): Treffen für Dienstag in Paris geplant Zur Großansicht
DPA

Kanzlerin Merkel, Präsident Sarkozy (Archivbild 2010): Treffen für Dienstag in Paris geplant

Paris/Hamburg - Eine Meldung überraschte am Donnerstagnachmittag das politische Berlin: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy lädt Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag zum Krisentreffen nach Paris. Wenige Minuten später bestätigte das Bundespresseamt den Termin, in der schriftlichen Erklärung des stellvertretenden Regierungssprechers ist allerdings auch folgender Satz zu lesen: "Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am 21. Juli 2011 hatten Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy angekündigt, gemeinsame Vorschläge zur Stärkung der wirtschaftspolitischen Steuerung der Euro-Zone noch vor Ende des Sommers zu erarbeiten."

Mit anderen Worten: Das Treffen in Paris ist keineswegs ein spontanes, von Sarkozy anberaumtes Krisengespräch, sondern war lange geplant. "Der Termin stand schon vor Wochen fest", erfuhr SPIEGEL ONLINE aus Regierungskreisen, er wurde demnach schon im Juli vereinbart.

Die jüngste Ankündigung Sarkozys stößt denn auch auf wenig Verständnis in Berlin. Wie man in Frankreich mit Terminen umgeht, das sorge gelegentlich für Kopfschütteln, ist zu hören. Zuletzt war der französische Präsident vergangenen Freitag vorgeprescht, als er am Morgen auf eigene Faust ein Krisentelefonat mit Merkel und Spaniens Regierungschef José Zapatero ankündigte - was für heftigen Wirbel sorgte.

Ruhe bewahren versus Aktionismus

Die Kanzlerin will in der Finanzkrise Ruhe bewahren und einen souveränen Eindruck vermitteln - der Aktionismus Sarkozys passt dazu überhaupt nicht. Anders als Frankreichs Präsident hat die Kanzlerin wegen der Börsen-Turbulenzen ihren Urlaub nicht abgebrochen, auch das sollte ein entsprechendes Zeichen setzen. Sarkozy hatte hingegen die Mitglieder seines Kabinetts aus den Ferien zurückgerufen.

Richtig ist, dass Merkel und Sarkozy am Dienstag über die Euro-Krise und die Lage an den Finanzmärkten beratschlagen wollen. Ihre Vorschläge sollen "die Überlegungen des Präsidenten des Europäischen Rats, Herman Van Rompuy, für bessere Arbeitsmethoden und für ein verbessertes Krisenmanagement in der Euro-Zone unterstützen", heißt es in der Mitteilung des Bundespresseamts.

Der Präsident des Europäischen Rats sei am 21. Juli von den Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone "gebeten worden, hierzu konkrete Vorschläge vorzulegen".

Franzosen trauen Sarkozy wenig zu

Bemerkenswert: Den Franzosen gefällt die Merkel-Politik der ruhigen Hand offenbar besser als das hochtourige Agieren ihres eigenen Präsidenten. Laut einer Umfrage, die die Zeitung "Le Parisien" am Donnerstag veröffentlichte, glauben 46 Prozent, dass am ehesten die deutsche Regierungschefin die Lage an den Märkten beruhigen könne. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy trauen das nur 33 Prozent zu. Damit liegt Sarkozy noch hinter US-Präsident Barack Obama, dem 37 Prozent als Krisenmanager vertrauen.

Zur Auswahl standen zehn Politiker und Institutionen. Am meisten trauen Franzosen den Bürgern selbst zu, nach Merkel auf Platz zwei folgen der Internationale Währungsfonds und die Unternehmen. Sarkozy liegt abgeschlagen auf Rang sieben.

Kleiner Trost für Sarkozy: Es gibt Akteure, denen seine Franzosen noch weniger zutrauen, die Wirtschaftskrise abzuwenden. Am wenigsten Zuspruch als Krisenmanager erhielten Börsenhändler (sechs Prozent) und Rating-Agenturen.

Vier von fünf Befragten gingen davon aus, die Finanzprobleme hätten Auswirkungen auf Frankreich. Und zwei Drittel fürchten, auch ihre persönliche Situation sei von der Krise betroffen.

Laut einer anderen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ifop traute jeder Zweite weder Sarkozy noch seinen potentiellen Herausforderern aus der sozialistischen Partei zu, die Schuldenprobleme des Landes zu lösen. Am Mittwoch hatten Spekulationen, Frankreichs Kreditwürdigkeit werde herabgestuft, zu Kursstürzen an europäischen Börsen geführt.

flo/fab/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 91 Beiträge
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    Seite 1    
1. dass dies klar ist
heuwender 11.08.2011
Zitat von sysopFrankreichs Präsident prescht vor: Zuerst ruft Nicolas Sarkozy sein Kabinett aus den Ferien zurück, dann kündigt er ein Finanzkrisen-Sondertreffen mit der deutschen Kanzlerin an. In der Bundesregierung wundert man sich über so viel Wirbel - Merkel will lieber Ruhe bewahren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779698,00.html
Sarkozy wird an Merkel keine große Hilfe haben,aber das wird der kleine Napoleon auch noch merken.
2. ...
schneewolf, 11.08.2011
die Henne legt Eier und der Gockel gockelt.
3. L.o.l.
Altesocke 11.08.2011
Zitat von sysopFrankreichs Präsident prescht vor: Zuerst ruft Nicolas Sarkozy sein Kabinett aus den Ferien zurück, dann kündigt er ein Finanzkrisen-Sondertreffen mit der deutschen Kanzlerin an. In der Bundesregierung wundert man sich über so viel Wirbel - Merkel will lieber Ruhe bewahren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779698,00.html
Ach, das ueberrascht mich jetzt aber! Nix los, im moment, mit alternativlosem Geld streuen?
4. Titel
McBline 11.08.2011
Merkel handelt nach ihrem Motto: "Wer nichts macht, macht auch nichts Falsch."
5. Schönen Urlaub!
yumi_lori 11.08.2011
Merkel hat recht! Auf Aktienkursbewegungen mit Krisentreffen zu reagieren ist einfach nur albern. Ich hoffe, dass Frau Merkel sich von dieser Hektik nicht anstecken lässt und in Ruhe ihren Urlaub genießt
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