Peking - Der Angriff Nordkoreas auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong hat die US-Regierung aufgeschreckt. Washington fährt nun mit Blick auf das Regime in Pjöngjang eine Doppelstrategie: Diplomatie und vorsichtiges Säbelrasseln lautet die Devise.
Denn neben Bemühungen um Gespräche mit der nordkoreanischen Führung bereiten die USA und Südkorea ein gemeinsames Militärmanöver vor. Die Militärübung südkoreanischer und amerikanischer Truppen soll in den Gewässern westlich der Halbinsel Yeonpyeong vom 28. November bis 1. Dezember stattfinden.
Das erste Manöver ist für Sonntag geplant, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Der US-Flugzeugträger "George Washington" mit 75 Kampfflugzeugen und einer Besatzung von mehr als 6000 Männern und Frauen ist bereits aus dem US-Marinestützpunkt Yokosuka südlich von Tokio ausgelaufen. Weitere Truppen wollen die USA aber nicht in die Region verlegen.
"Diese Übung ist defensiver Natur", teilten die US-Streitkräfte in Korea mit. Sie sei bereits vor der "grundlosen Artillerie-Attacke" Nordkoreas geplant gewesen. "Sie beweist die Stärke der Allianz von Südkorea und den USA und unser Bekenntnis zu regionaler Stabilität durch Abschreckung", begründeten die US-Streitkräfte die Militärübung.
Trotz der Bemühungen um eine diplomatische Lösung versicherten die USA, Südkorea habe die volle Unterstützung - dies schließe auch die Verpflichtung ein, Südkorea zu verteidigen. Das Weiße Haus teilte nach einem Telefonat von US-Präsident Barack Obama mit seinem südkoreanischen Kollegen Lee Myung Bak mit, dass das Manöver die "Stärke des Bündnisses und das Bekenntnis zu Frieden und Sicherheit in der Region" unterstreichen solle. Obama habe Lee in dem Telefongespräch versichert, dass beide Länder in dem Konflikt mit Nordkorea "Schulter an Schulter" stünden. Japan bekräftigte einem Medienbericht zufolge ebenfalls seine Kooperation mit Südkorea.
USA und China arbeiten bei diplomatischer Lösung zusammen
Doch neben den Militäraktionen setzt Washington auch auf Diplomatie. Die US-Regierung forderte die nordkoreanische Führung auf, die "provokativen und unverantwortlichen Aktionen" gegen den Nachbarn einzustellen. Gemeinsam mit China plädiert Washington dafür, die multilateralen Gespräche mit Nordkorea neu zu beleben.
Alle Beteiligten sollten "gemeinsame Anstrengungen unternehmen", um eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche voranzutreiben, teilte das chinesische Außenministerium nach Konsultationen mit dem US-Sondergesandten für Nordkorea, Stephen Bosworth, in Peking mit. Bei den Gesprächen wird über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms verhandelt. Seit April 2009 hat es keine Treffen mehr gegeben, damals war Nordkorea nach einem Atombombentest aus den Verhandlungen ausgestiegen.
China ist der engste Verbündete des kommunistischen Nordkoreas, ein wichtiger Geldgeber und Hauptlieferant für Treibstoff und Lebensmittel für das abgeschottete Nachbarland. Die Regierung in Peking könnte daher eine bedeutende Rolle bei Verhandlungen übernehmen.
Bei seinem letzten Besuch in China Ende August hatte sich der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il grundsätzlich für eine baldige Wiederaufnahme der Atomgespräche ausgesprochen, aber keinen konkreten Termin nennen wollen. Ob die seit 2003 laufenden Verhandlungen zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland wieder aufgenommen werden können, bleibt allerdings ungewiss.
Südkorea meldet nach Gefechten vier Tote
Noch vor dem jüngsten Schusswechsel hatte der US-Sondergesandte Bosworth gesagt, die USA würden eine Wiederaufnahme der Gespräche nicht in Betracht ziehen, solange Nordkorea aktiv seine Uran-Anreicherung betreibe. Doch nach den jüngsten Gefechten ist Washington alarmiert. Die Insel Yeonpyeong liegt westlich der koreanischen Halbinsel im Gelben Meer, unweit der Seegrenze, die von den Vereinten Nationen nach dem Korea-Krieg der Jahre 1950 bis 1953 festgelegt worden war und von Nordkorea nicht anerkannt wird.
Bei dem Artillerie-Angriff Nordkoreas wurden Angaben vom Mittwoch zufolge vier Menschen getötet. So kamen zwei südkoreanische Soldaten ums Leben, 15 weitere erlitten Verletzungen. Zudem wurden auf der Insel Yeonpyeong südkoreanischen Angaben zufolge die Leichen zweier Zivilisten gefunden. Es handele sich um zwei südkoreanische Männer, hieß es. Ihre verkohlten Leichen wurden demnach auf einer Baustelle gefunden.
mmq/kgp/dpa/AFP/Reuters
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