Aus Büro und Bundeshaus Schweizer Politiker soll Nackt-Selfies verschickt haben

In der Schweiz gibt es offenbar die nächste Polit-Posse um Nacktfotos: Erst twitterte eine Sekretärin freizügige Bilder von sich aus dem Berner Bundeshaus. Jetzt gibt es ähnliche Vorwürfe gegen den Grünen-Nationalrat Geri Müller.

Nationalrat Geri Müller (Archivbild): "Bei diesem Kontakt handelte es sich um eine rein private Angelegenheit"
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Nationalrat Geri Müller (Archivbild): "Bei diesem Kontakt handelte es sich um eine rein private Angelegenheit"


Bern - Geri Müller taucht an diesem Sonntag in den Schlagzeilen der meisten Schweizer Meiden auf. Grund für den Wirbel um den Stadtammann von Baden und Grünen-Nationalrat aus dem Kanton Aargau ist ein Bericht in der Zeitung "Schweiz am Sonntag": Demnach soll der 53-Jährige einer jungen Frau Nacktbilder von sich geschickt haben - und das auch noch teilweise während der Arbeitszeit. Einige der Nackt-Selfies sollen demnach an Müllers Arbeitsplatz im Badener Amtshaus entstanden oder direkt aus dem Nationalratssaal im Bundeshaus verschickt worden seien.

Müller hat auf den Bericht bereits reagiert und über seinen Anwalt eine Stellungnahme zu der angeblich intimen Chatbeziehung veröffentlicht. "Bei diesem Kontakt handelte es sich um eine rein private Angelegenheit", heißt es darin. Die Frau habe ihn seither massiv unter Druck gesetzt und gedroht, Privates an die Medien weiterzugeben und ihm damit Schaden zuzufügen. Er habe versucht, die Frau davon abzuhalten.

Müller beklagt laut dem Portal "Watson.ch", sein Vertrauen sei missbraucht worden: "Ich muss mir heute vorwerfen, darauf vertraut zu haben, dass Privates privat bleiben würde." Nach Suiziddrohungen von ihrer Seite habe er die Polizei eingeschaltet.

"Dann hat Geri Müller ein Problem"

In der "Schweiz am Sonntag" wirft die Frau dem Nationalrat vor: Er habe sie nach dem Ende der Affäre unter Druck gesetzt, den Chat zu löschen und das Handy abzugeben. Die Kantonspolizei Aargau befragte die Frau. Es sei jedoch kein strafrechtliches Verhalten festgestellt worden, sagte Polizeisprecher Roland Pfister der Schweizer Nachrichtenagentur sda. Die Frau habe selbst habe auch keine Strafanzeige erstattet.

In der Grünen Partei des Kantons ist die Aufregung größer. "Wenn dies alles stimmt, dann hat Geri Müller ein Problem", sagte Präsident Jonas Frickler vor einem Krisentreffen. Dann müsse Müller "die Konsequenzen ziehen". Über den offiziellen Account der Partei war laut Schweizer Rundfunk SRF folgender Tweet abgesetzt worden: "Üble Sache, Geri. Deine Integrität ruhe in Frieden." Wer die Nachricht geschrieben hat, ist laut Fricker unklar.

Nach der Sitzung teilte die Partei laut der Zeitung "Der Bund" mit, sie distanziere sich vom Verhalten Müllers, "welches dem Ansehen und der Integrität einer Stadt oder einer Behörde schaden könnte". Zugleich verwiesen seine Parteikollegen darauf, dass der Faktengehalt der Vorwürfe noch geprüft werden müsse. Das Verhalten heute zu werten, sei vorschnell und nicht seriös.

Erst kürzlich hatte eine Affäre um Nackt-Selfies einer Sekretärin am Sitz von Regierung und Parlament der Schweiz Wirbel ausgelöst. Die Frau wurde wegen der getwitterten Nacktfotos suspendiert. Im Interesse des guten Rufs des Parlaments sei die Frau freigestellt worden, teilte die Verwaltung mit. Zuvor hatte die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet, die Frau habe regelmäßig Nacktfotos aus ihrem Büro im Berner Bundeshaus an die mehr als 11.000 Nutzer geschickt, die ihr bei dem Kurznachrichtendienst folgen.

wit

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