Versuchter Anschlag in Chicago US-Gericht verurteilt Libanesen zu 23 Jahren Haft

Er wollte eine Bombe in Chicago zünden und Hunderte Menschen töten. Ein US-Gericht hat einen Libanesen deshalb zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. "Der Gedanke, was hätte passieren können, ist schrecklich", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung

Bild des Täters auf Überwachungskamera: Bombe im Mülleimer
AP

Bild des Täters auf Überwachungskamera: Bombe im Mülleimer


Chicago - Ein Libanese, der einen Bombenanschlag in Chicago plante, muss für 23 Jahre hinter Gitter. Ein US-Gericht verurteilte den 25-jährigen Sami Samir Hassoun wegen des versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe und eines Sprengsatzes.

Der Mann wollte 2010 eine Bombe nahe des berühmten Wrigley-Field-Stadions zünden, Heimstätte des beliebten Baseballteams Chicago Cubs. "Der Gedanke, was hätte passieren können, ist schrecklich", sagte Richter Robert Gettleman bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. In dem Prozess hatte sich Hassoun schuldig bekannt. Im Gegenzug entging er einer lebenslangen Haftstrafe.

Der junge Mann war über einen Polizeiinformanten an einen Agenten der Bundespolizei FBI gelangt. Dieser hatte sich gegenüber Hassoun als Terrorist ausgegeben und ihm Unterstützung bei der Ausführung seines Planes zugesagt. Der Angeklagte hatte im Prozess ausgesagt, er habe die ungenügenden Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt offenlegen und Chicagos damaligen Bürgermeister Richard Daley bloßstellen wollen.

FBI-Agent gab ihm die angebliche Bombe

Hassoun und der Polizeiagent hatten wochenlang über mögliche Ziele diskutiert. Unter anderem habe der Libanese vorgeschlagen, einen Virus in Chicago zu verbreiten, das Trinkwasser zu vergiften oder den Willis Tower anzugreifen.

Schließlich hatte der FBI-Agent Hassoun einen Rucksack gegeben, der angeblich mit Sprengstoff gefüllt war. Der Attentäter aktivierte den Zünder der angeblichen Bombe und steckte sie in einen Mülleimer nahe mehrerer vollbesetzter Cafés. Anschließend wurde er festgenommen.

Die Verteidigung hatte im Prozess argumentiert, der alkoholabhängige Hassoun sei erst durch den FBI-Mann zur Anschlagsplanung verführt worden. Außerdem sei er durch ein Kindheitserlebnis traumatisiert worden. Als Elfjähriger habe er in der Elfenbeinküste Kriegsverbrechen mitansehen müssen.

syd/AP/Reuters/AFP



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