Gerüchte über Sarkozys Ehekrise Power-Paar im Tratsch-Tsunami

Nicolas Sarkozy zelebriert seine Liebe zu Carla Bruni gern öffentlich - doch nun kämpft Frankreichs Staatspräsident gegen Gerüchte über Untreue und ein Ehe-Aus. Die Gattin wiegelt ab, der Elysée-Chef greift durch: Sogar den Geheimdienst schaltete er ein, um den Internetklatsch zu stoppen.

Von , Paris


Ein Krimi? Eine Komödie? Billiges Schmierentheater oder gar schon ein bisschen Staatsaffäre? Finanzkrise, Schuldenberg, Arbeitslosigkeit, Fabrikbesetzungen, Demonstrationen - die großen Themen sind zur "Quantité négligeable", zur Nebensächlichkeit, geschrumpft, die News über "die Gerüchte" sind wichtiger.

Es sind die Gerüchte um die angeblichen Risse im Verhältnis von Präsident Nicolas Sarkozy und seiner "Première Dame" Carla Bruni. Die unsägliche Saga hat alle Zutaten, die sie in Frankreich zu einem medialen Dauerbrenner macht: Ein anonymer Urheber in den Tiefen des Internets, Erklärungen, Dementis, Nachstellungen von Geheimdiensten und Justiz und obendrein eine dunkle Nebenbuhlerin neben der schönen Präsidentengattin.

Die Anfänge der unendlichen Geschichte reichen zurück bis zum 17. Februar: An jenem Tag, so hat es die Tageszeitung "Libération" rekonstruiert, schickt der Praktikant eines Medienunternehmens eine Kurzbotschaft in die elektronische Umlaufbahn des Twitter-Netzes. "Ich hasse politischen Klatsch", so die Mitteilung, "aber dieser könnte wichtig sein: Unser lieber Präsident soll sitzengelassen worden sein. Stimmt das?" Und einen Tag später legt der Anonymus nach: "Sarko + Carla = Over!"

Trotz der ehrlichen Quellenangabe, die nicht gerade Seriosität verspricht ("Vor der Kaffeemaschine gehört"), gerät das digitale Gezwitscher in den Blog eines Journalisten, wird dort aufgenommen und wabert schon bald, höhnisch kommentiert, durch die Gerüchteküchen des Internets.

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Nicolas Sarkozy und Carla Bruni: Kampf der Gerüchteküche
Am 6. März, während eines Besuchs in London, wird Carla Bruni vor laufender Kamera nach den "zahlreichen Liebschaften" des Staatschefs gefragt. "Er kann nicht untreu sein", zischt Bruni und bricht das Interview ab. Einen Tag später beschäftigt das Thema auch einen französischen Sender: Der Nachrichtenkanal i-Télé verbreitet das Gerücht, jedoch klar etikettiert als ironisch-launige Anspielung. Doch dann, nur wenige Tage später, ist das Gerücht zur Meldung mutiert, die weltweit Schlagzeilen macht - auch bei SPIEGEL ONLINE.

Unterdessen hatte nämlich die angesehene Sonntagszeitung "Journal de Dimanche" (JDD) auf ihrer Web-Seite das Hörensagen über den angeblichen präsidialen Ehestreit verbreitet. Zwar stammte die Mitteilung nicht aus der Redaktion des Blattes, sondern aus den Büros der Informationsfirma Newsweb, die den Internetauftritt für das Blatt produziert. Weil die Zeitung als Élysée-nah gilt, war das Gerücht damit jedoch zur Nachricht geadelt. Tags darauf ziert es die Titelseiten der britischen People-Press und anderer europäischer Klatschblätter. Der französische Twitter-Tratsch wird zum medialen Tsunami.

Nun wird der Élysée aktiv. Pierre Charon, bei Hofe zuständig für die PR-Arbeit von Carla Bruni, hatte zuvor die Leitung der publizistischen Offensive übernommen, während Präsident Sarkozy polizeiliche Nachforschungen anordnete - dafür wird der Geheimdienst DCRI, Frankreichs Gegenspionage, in Marsch gesetzt. Während der Staatschef persönliche Anfeindungen sonst mit juristischen Nachstellungen verfolgen lässt, hält sich Sarkozy mit einer Klage diesmal zurück; stattdessen erstattet die Leitung des JDD - auf Druck aus dem Élysée - Anzeige wegen "betrügerischer Bereitstellung von Daten in einem Informationssystem". Zwei Angestellte der Info-Firma Newsweb werden entlassen.

Kriegserklärung aus dem Elysée

Ende der Sendung? Wahrscheinlich wäre der Wirbel längst wieder zum Sturm im Wasserglas heruntergestuft, hätte nicht am vergangenen Wochenende Élysée-Berater Charon die Legende um die angeblichen amourösen Eskapaden um neue Mutmaßungen bereichert: "Wir machen diese Schändlichkeit zum 'casus belli'", so die wütende Kriegserklärung Charons: "Wir werden ihr nachgehen bis zum Ende, damit sich so etwas nicht wiederholt. Wie sagt man: Die Angst muss die Seite wechseln." Und der Sarkozy-Freund wittert gleich noch Schlimmeres: "Die Tatsache, dass die Gerüchte über die Presse in Großbritannien, in Deutschland und in der Schweiz weitergereicht wurden, könnte einen an ein Komplott denken lassen, derweil Frankreich sich 2011 anschickt, die Präsidentschaft der G-20 zu übernehmen."

Sind es ausländische Drahtzieher, die mit haltlosen Nachreden über das Präsidentenpaar gleich das Ansehen der Nation in den Dreck ziehen? Zumindest wittert man im Élysée offenbar eine Feindin auch im eigenen Lager: Rachida Dati. Glaubt man den Informationen des "Canard Enchaîné", so soll "der Staatschef die ehemalige Justizministerin verdächtigen, die Gerüchte über das intime Leben von Carlita und Chouchou kolportiert oder gar erfunden zu haben".

Die ehemalige Favoritin Sarkozys, einst innige Freundin seiner Ex-Frau und während der Übergangszeit von Cécilia zu Carla prominente Begleiterin des Staatschefs, schäumte vor Wut angesichts derartiger Unterstellungen. Die früher von Sarkozy geförderte Karrierefrau, als Ministerin entmachtet und nur noch EU-Abgeordnete und Stadtteilbürgermeisterin in Paris, ist schon lange in Ungnade. Seit sie nach der jüngsten Wahlschlappe Sarkozys ihren Mentor zudem öffentlich rügte, wurde ihr nicht nur Dienstwagen und Polizeischutz gestrichen, sie gilt in der "Firma" - dem engen Zirkel mächtiger Élysée-Berater - auch als Intrigantin und wird geächtet wie eine Abtrünnige.

Zickenkrieg? Ach was!

Mit diesen neuen Gerüchten war offenbar bei Ehepaar Sarkozy die Schmerzgrenze erreicht - zumal sich die Ex-Justizministerin ihrerseits womöglich mit einer Klage wegen Rufmords revanchieren könnte.

Also wurde Carla Bruni an die Medienfront geschickt, um die Wellen zu glätten. Im Interview mit dem Sender Europe1 ("Danke für die Einladung") versuchte die Präsidentengattin die Affäre herunterzuspielen: Dati sei noch immer eine Freundin, bitteschön, und eine Verschwörung gebe es auch nicht. "Es gibt kein Komplott, keine Rache, das betrifft uns nicht, und wir haben die Sache schon lange vergessen."

Das präsidiale Paar vielleicht, nicht aber die Öffentlichkeit. Zwar titelte die Zeitung "France Soir" daraufhin "Carla löscht das Feuer", aber während ihres staatstragenden Radio-Auftritts hatte Bruni auch gleich geleugnet, dass es polizeiliche Ermittlungen rund um die Gerüchteküche im Élysée gebe: "Man macht keine Nachforschungen wegen Klatschgeschichten." Es sei "unvorstellbar, derartiges zu sagen", so die Erklärung Brunis - die prompt vom Chef der Gegenspionage dementiert wurde.

Letzter Akt des Pariser Boulevardstücks? Jedenfalls haben selbst die Abgeordneten der Regierungspartei die endlose Schmäh um Sarkozy ordentlich satt.

Sarkozy, in den jüngsten Umfragen auf einem neuen Tiefststand, hat derweil staatsmännisches Format bewiesen. Beim Ministerrat verbot er seinen Mitarbeitern, sich mit irgendeiner Erklärung zu der Affäre zu äußern: Der Maulkorb-Erlass für den Hofstaat dürfte die offiziellen Statements aus dem Élysée stoppen. Bleiben nur die Gerüchte.

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Eppelein von Gailingen 08.04.2010
1. Monsieur le Président wird wohl etwas Temperament durchgegangen sein
Zitat von sysopNicolas Sarkozy zelebriert seine Liebe zu Carla Bruni gern öffentlich - doch nun kämpft Frankreichs Staatspräsident gegen Gerüchte über Untreue und ein Ehe-Aus. Die Gattin wiegelt ab, der Elysee-Chef greift durch: Sogar den Geheimdienst schaltete er ein, um den Internet-Klatsch zu stoppen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687930,00.html
Dabei überlegt man sich nicht alles beim Ertappten so genau. Es hat ihm jemand einen nicht gerade präsidialen Streich gespielt.
Sabi 08.04.2010
2. Wer sät
Der monsieur le president hat selbst das Kokettieren mit Amours losgetreten ! Jetzt kann er die Lawine nicht mehr anhalten ! Das nennt man Eigendynamik à la francaise !
flo2005 09.04.2010
3. Illusionist...
Na, vielleicht wird der Beitrag ja mal heute freigeshaltet... Normalerweise kommen seine Beziehungsgeschichten immer rechtzeitig um vom politischem Alltagsgeschaeft (Gesetze, schlechte Meinungsumfragen, ...) abzulenken. Daher bin ich mal gespant auf das Kaninchen das diesmal aus dem Hut spring...
saul7 09.04.2010
4. ++
Zitat von sysopNicolas Sarkozy zelebriert seine Liebe zu Carla Bruni gern öffentlich - doch nun kämpft Frankreichs Staatspräsident gegen Gerüchte über Untreue und ein Ehe-Aus. Die Gattin wiegelt ab, der Elysee-Chef greift durch: Sogar den Geheimdienst schaltete er ein, um den Internet-Klatsch zu stoppen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687930,00.html
Mal ganz ehrlich: Das ganze Gedöns um Moniseur le President und seine Gattin geht mir allmählich auf den Keks. Gähn.....
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