Geschäft mit den Saudis Waffen-Deal bringt US-Regierung in Bredouille

Washington plant laut "Wall Street Journal" ein heikles Waffengeschäft. Weil Saudi-Arabien das iranische Atomprogramm fürchtet, will Obamas Regierung dem arabischen Land Kampfjets verkaufen - für 30 Milliarden Dollar. Doch ein anderer Verbündeter der USA torpediert den Deal: Israel.

Saudische F-15-Jets: Neue Lieferung aus den USA - ohne Langstreckenwaffen?
AP

Saudische F-15-Jets: Neue Lieferung aus den USA - ohne Langstreckenwaffen?


Hamburg - Die USA planen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge einen milliardenschweren Waffendeal mit Saudi-Arabien. Das Geschäft umfasst demnach auch die Lieferung von F-15-Kampfjets. Für zehn Jahre sei der Vertrag angelegt, schreibt die Zeitung. Das Auftragsvolumen umfasse 30 Milliarden Dollar. Es wäre einer der größten Einzelverkäufe dieser Art überhaupt.

Doch die Amerikaner werden ihren Kunden wohl nicht die modernste Version des Flugzeugs verkaufen können. Hintergrund: Israel sorgt sich um seine Sicherheit. Unter Berufung auf Diplomaten und Regierungsmitarbeiter schreibt die Zeitung, die USA könnten den Saudis daher nur eine abgerüstete Version des Jets ausliefern. Ohne Langstreckenwaffensysteme zum Beispiel. Ältere Versionen der Maschine besitzt das Land bereits.

Die USA haben sich Israel gegenüber zum Austausch von Informationen über solche Aufträge verpflichtet. Der Kongress kann Waffengeschäfte sogar blockieren, sollten sie den Sicherheitsinteressen Israels zuwiderlaufen. Dem müssen die Unterhändler in den Verhandlungen Rechnung tragen.

Zeichen der Stärke gegen Iran

Hinter der Aufrüstung der Saudis steht der Plan Washingtons, den Einfluss Irans in der Region kleinzuhalten. Die USA und etliche andere westliche Staaten werfen Iran vor, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten - unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie. Sowohl die Uno als auch die EU haben in letzter Zeit ihre Sanktionen gegen Teheran verschärft. Das Regime um Präsident Mahmud Ahmadinedschad geht darauf allerdings bisher nicht ein.

Israel wiederum ist von der Sorge um die eigene Sicherheit im Nahen Osten getrieben. Die Regierung besteht auf militärischer Überlegenheit gegenüber den Nachbarstaaten und kann dabei traditionell auf die Hilfe aus dem Weißen Haus hoffen. Dass Washington nun Saudi-Arabien, das Israel als Rivalen betrachtet, mit hochmodernen Waffen ausrüstet, stößt dem Bericht zufolge in Jerusalem auf Unverständnis.

"Israel ist nicht das einzige Land, das um seine Sicherheit fürchtet"

Die israelische Armee gilt als eine der schlagkräftigsten der Welt. Die Luftwaffe verfügt unter anderem über US-Kampfflugzeuge der Typen F16 und F15. Erst 2007 hatte Israel sich mit den USA auf Waffenlieferungen im Wert von ebenfalls 30 Milliarden Dollar geeinigt.

Die Auslieferung einer abgespeckten Version der F15 könnte nun ein Kompromiss sein, auf den sich die Israelis einlassen. Anfang Juli hatte die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtet, Jerusalem wolle das gesamte Geschäft stoppen. Davon ist nun offenbar nicht mehr die Rede.

Ein Pentagon-Sprecher wollte sich gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht zu den Details äußern. Man habe sich jedoch während der Verhandlungen laufend mit Israel abgestimmt und nehme die Bedenken ernst. "Aber Israel ist nicht das einzige Land in der Region, das um seine Sicherheit fürchtet", sagte er. "Und wir haben auch anderen Verbündeten gegenüber Verpflichtungen."

ffr



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
DK81, 09.08.2010
1. ???
Warum solche Waffen an eines der weltweit Rückständigsten Regime der Welt? In Saudi-Arabien gilt die Scharia in einer ihrer strengsten Auslegungen. Mit Schlägen, Steinigungen und Handabhacken wird dort "Gesetz" praktiziert. außerdem herrscht ein despotischer Adel, dessen Abkömmlinge weltweit islamistischen Terror finanzieren.
BartSimpson, 09.08.2010
2.
Zitat von sysopWashington plant laut "Wall Street Journal" ein heikles Waffengeschäft: Weil Saudi-Arabien das iranische Atomprogramm fürchtet, will Obamas Regierung dem arabischen Land Kampfjets verkaufen - für 30 Milliarden Dollar. Doch ein anderer Verbündeter der USA torpediert das Geschäft: Israel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710830,00.html
Die USA haben sich Israel gegenüber zum Austausch von Informationen über solche Aufträge verpflichtet. Der Kongress kann Waffengeschäfte sogar blockieren, sollten sie den Sicherheitsinteressen Israels zuwiderlaufen. Dem müssen die Unterhändler in den Verhandlungen Rechnung tragen.[...] Die Auslieferung einer abgespeckten Version der F15 könnte nun ein Kompromiss sein, auf den sich die Israelis einlassen. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710830,00.html) Wieso sollte es eine Rolle spielen, ob sich Israel auf so einen Kompromiss einlässt oder nicht? Nicht Israel, sondern der Kongress kann blockieren. Und Saudi-Arabien sollte sich mal überlegen, ob es in einigen Jahren nicht mit russischen Kampfjets wie dem T-50 (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,674888,00.html) glücklicher sein wird.
mrjuhu 09.08.2010
3. Heute Freund - Morgen Feind
Zitat von sysopWashington plant laut "Wall Street Journal" ein heikles Waffengeschäft: Weil Saudi-Arabien das iranische Atomprogramm fürchtet, will Obamas Regierung dem arabischen Land Kampfjets verkaufen - für 30 Milliarden Dollar. Doch ein anderer Verbündeter der USA torpediert das Geschäft: Israel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710830,00.html
Was machen die USA eigentlich, wenn das Königshaus Saud fällt und radikale Islamisten die Macht übernehmen. Wäre ja nicht das erste mal das die gelieferten Waffen später gegen einen selbst eingesetzt werden.
micky2 09.08.2010
4. Marschbefehl
Zitat von mrjuhuWas machen die USA eigentlich, wenn das Königshaus Saud fällt und radikale Islamisten die Macht übernehmen. Wäre ja nicht das erste mal das die gelieferten Waffen später gegen einen selbst eingesetzt werden.
Ist doch ganz einfach: Einmarschieren und stürzen. Wie sie es immer machen...
neuroheaven 09.08.2010
5. ...
warum verkaufen wir denn den feinden von morgen unsere waffen von heute? dass wir innerhalb der nächsten 15jahre bei den saudis einmarschieren ist so gut wie gesichert.
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