Istanbul - Der Einschlag eines Flugabwehrgeschosses aus Syrien in einem türkischen Krankenhaus ging offenbar glimpflich aus. Es sei niemand verletzt worden, berichten der Nachrichtensender CNN Turk und die Nachrichtenagentur AP. Der Vorfall ereignete sich in der Grenzprovinz Hatay. Das Gebäude liegt rund 200 Meter von der türkisch-syrischen Grenze entfernt in der Stadt Reyhanli.
Dennoch ist der Zwischenfall heikel. Die türkische Armee hatte in den vergangenen Wochen ihre Präsenz an der Grenze zu Syrien verschärft - und auf Beschuss mit Gegenmaßnahmen reagiert. Anfang des Monats hatte ein syrisches Geschoss eine Familie im Grenzort Akçakale getötet. Seitdem sind die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus extrem angespannt. Ankara hat aber erklärt, einen Krieg mit dem Nachbarland vermeiden zu wollen. Von wem das Geschoss am Dienstag abgefeuert wurde, ist noch unklar.
Mehr als 350.000 Syrer in Nachbarländer geflohen
Inzwischen steigt die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien immer weiter an. Inzwischen sind es nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks 350.000 Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in die Nachbarländer Türkei, Jordanien, Libanon und Irak geflohen sind. Auch im Libanon seien mittlerweile 101.283 Menschen als Flüchtlinge registriert worden, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming am Dienstag. Damit ist der ebenfalls von Unruhen erschütterte Staat das dritte Nachbarland mit mehr als 100.000 syrischen Flüchtlingen. In der Türkei liegt die offizielle Zahl bei 101.000, in Jordanien bei 105.000. Die Dunkelziffer dürfte aber noch weit höher liegen. Vor allem in der Türkei leben Zehntausende Flüchtlinge außerhalb der Lager.
Auch in den Irak sind bereits mehr als 42.000 Syrer geflohen. Weitere 6800 seien in Nordafrika registriert worden, sagte Fleming.
Die Europäische Union spricht sich weiterhin dagegen aus, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Den betroffenen Menschen solle auch künftig vorrangig finanziell geholfen werden. Es gebe zwar eine Pflicht zur Stabilität, deswegen müssten "nicht nur unsere Geldbörsen und unsere Herzen offen sein, sondern auch unsere Grenzen", sagte die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, am Dienstag in Berlin. Zunächst konzentriere sich die Europäische Union aber auf Spenden für Lebensmittel, Medikamente und Unterkünfte. 214 Millionen Euro haben EU und Mitgliedsländer bislang zu Verfügung gestellt.
ler/fab/dapd/Reuters/dpa
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