Gesellschaft Spanien legalisiert Homo-Ehe

Gegen den erbitterten Widerstand der katholischen Kirche und der konservativen Opposition hat das spanische Parlament der Homo-Ehe zugestimmt. Ministerpräsident Zapatero spricht von einem Schritt "auf dem Weg zur Freiheit und Toleranz". Konservative Politiker wollen das Gesetz zurückdrehen.


Schwules Paar in Madrid: Jubel über die Parlamentsentscheidung
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Schwules Paar in Madrid: Jubel über die Parlamentsentscheidung

Madrid - Nach Kanada, Belgien und den Niederlanden ist Spanien damit das vierte Land, das schwulen und lesbischen Paaren die Eheschließung erlaubt. Der sozialistische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero nannte die Entscheidung heute einen "weiteren Schritt auf dem Weg zu Freiheit und Toleranz".

"Wir waren nicht die Ersten, aber wir werden auch nicht die Letzten sein", fügte Zapatero hinzu. "Viele Länder werden uns folgen, getrieben von zwei unaufhaltsamen Kräften: Freiheit und Gleichheit." Die Ergänzung des Gesetzbuches um einen dürren Paragraphen werde das Leben Tausender Menschen verändern. Der Chef der oppositionellen Volkspartei, Mariano Rajoy, warf der Regierung dagegen vor, das Land gespalten zu haben.

In diesem Monat waren in Madrid Nonnen und Bischöfe mit mehreren hunderttausend Menschen gegen das Vorhaben auf die Straße gegangen. Das neue Gesetz gibt Homo-Paaren unter anderem bei Erbschaftsangelegenheiten, Rentenfragen und der Adoption von Kindern die gleichen Rechte wie verheirateten heterosexuellen Paaren. Mit den ersten gleichgeschlechtlichen Eheschließungen wird schon in wenigen Wochen gerechnet, sobald der entsprechende Zusatzparagraf zum Familienstandsgesetz im Staatsanzeiger veröffentlich ist und damit in Kraft tritt.

Die Parlaments-Entscheidung wurde auf der vollen Besuchertribüne mit Jubel aufgenommen. Auch außerhalb des Parlaments umarmten sich unter Tränen Dutzende schwule und lesbische Paare. "Im Mittelpunkt meines Lebens steht nun nicht mehr das Junggesellen-Dasein, sondern die Möglichkeit, eine normale Familie mit Kindern zu haben", sagte ein 26-Jähriger. Dagegen sprachen Vertreter der konservativen Volkspartei von einer "Schande". Das Abgeordnetenhaus hob mit seiner Entscheidung die Ablehnung der anderen Parlamentskammer, des Senats, auf. In einer Meinungsumfrage im vergangenen Jahr hatten sich 70 Prozent der Spanier für die Homo-Ehe ausgesprochen.

Die katholischen Bischöfe appellierten im vergangenen Monat an alle Gläubigen, das Gesetz nicht anzuwenden. Oppositionschef Rajoy kündigte an, einen Gang vor das Verfassungsgericht zu prüfen. Andere konservative Politiker deuteten an, das Gesetz im Falle eines Regierungswechsels wieder rückgängig zu machen.

Während der Zeit unter Diktator Francisco Franco von 1939 bis 1975 waren Homosexualität, Ehescheidung und Abtreibung illegal. Seit Francos Tod haben sich jedoch in Spanien immer liberalere Vorstellungen durchgesetzt. Vor allem unter der jungen Bevölkerung sind Zapateros Reformen populär. Weniger als ein Fünftel von ihnen gelten noch als praktizierende Katholiken.



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