Krise der US-Republikaner: Bush III. und die rechten Neinsager

Von , Washington

US-Republikaner: Die Führungsfrage Fotos
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Die US-Republikaner sind verstört - die nach rechts gerückte Partei kann sich Barack Obamas Erfolge nicht erklären. Schon beginnt die Rangelei um die nächste Präsidentschaftskandidatur. Im Rennen ist unter anderem Jeb Bush, der Bruder von George W. Wer hat echte Chancen? Der Überblick.

Rand Paul hielt 12 Stunden und 52 Minuten durch, dann brach er seine Dauerrede ("Filibuster") vorm US-Senat ab. Nichts ging mehr, der 50-Jährige musste dringend mal aufs Klo. Kein Problem, sein Ziel hatte er da schon erreicht: Aufmerksamkeit. Nach fast 13 Stunden Argumentation gegen die Drohnen-Politik der Regierung hatte jeder Amerikaner, der die Nachrichtensender einschaltete, den Namen Rand Paul mindestens einmal gehört.

Der radikalliberale Dauerredner, Sohn des Ex-Präsidentschaftsbewerbers Ron Paul, gibt sich seitdem betont selbstsicher: Seine Landsleute suchten nach jemandem, "der für sie aufsteht und kämpft", schrieb Rand Paul gerade in einem Gastbeitrag für die "Washington Post": Er sei "bereit, genau das zu tun".

Nur vordergründig geht es hier um die Sache; tatsächlich ist der Kampf um die Macht in der führungslosen Republikanischen Partei entbrannt - inklusive möglicher Präsidentschaftskandidatur 2016. Kein Zufall, dass auch Pauls potentielle Gegenspieler dieser Tage viel von sich hören lassen. Paul Ryan, eben noch Vize des gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, machte am Dienstag in seiner Funktion als Chef des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus billionenschwere Sparvorschläge, um innerhalb von zehn Jahren zu einem ausgeglichenen Bundeshaushalt zu gelangen; darunter die Rücknahme von Barack Obamas Gesundheitsreform. Dies dürfte Ryan, dem 43-jährigen Polit-Darling von Rechtsaußen, genau dort weitere Sympathien eintragen.

Dann ist da Jeb Bush, Bruder von Ex-Präsident Nr. 43 und Sohn von Nr. 41. Gerade hat er ein Buch zur Reform der Einwanderungspolitik vorgelegt. Der 60-Jährige, dessen Ehefrau aus Mexiko stammt, will die Republikaner wieder attraktiver machen für die wahlentscheidenden Latino-Wähler. "Ich sage nicht ja, ich sage nur nicht nein", antwortet Bush derzeit auf die Frage nach einer möglichen Kandidatur. Texas-Senator Ted Cruz, 42, gibt derweil in Washington den Fiesling, kritisiert und stimmt gegen alles, was als Kompromiss erscheinen könnte. Die Tea-Party-Bewegung feiert er als "große Erweckung", im Gegenzug huldigen ihm die konservative Wutbürger.

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US-Polit-Dynastien: Die Bushs
Florida-Senator Marco Rubio, 41, gilt ebenfalls als ihr Favorit, arbeitet allerdings gemeinsam mit den Demokraten an der Immigrationsreform und durfte jüngst die republikanische Entgegnung auf Obamas Regierungserklärung halten - wovon allerdings vornehmlich sein Umgang mit einer Wasserflasche in Erinnerung blieb. Das "Time"-Magazin feierte ihn auf dem Titel als "Retter" der Republikaner; kurz nachdem es den streitlustigen und schwergewichtigen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, an gleicher Stelle zum "Boss" erhoben hatte. Bei den Republikanern ist gegenwärtig mächtig was los.

Riskanter Rechtskurs

Und jetzt kommt es zum Spitzentreffen. Denn Ryan, Paul, Cruz, Rubio, Bush - sie alle werden sich Ende der Woche zum konservativen Stammestreffen CPAC ("Conservative Political Action Conference") vor den Toren der Hauptstadt einfinden. Dabei sind auch Rechtsaußen-Altstars wie Rick Santorum oder Sarah Palin. Auf dem Spielplan: Streicheleinheiten für die Hardliner, Attacken auf Obama. Es gibt Diskussionsforen zur "islamistischen Bedrohung des Westens" und zur fortschreitenden "Europäisierung Amerikas"; der Klimawandel wird geleugnet, die Abtreibungsgegner werden gefeiert und die Waffenlobbyisten umworben werden.

Keiner der Republikaner-Kandidaten kann es sich leisten, das Radikalinski-Treffen zu meiden. Selten waren die Konservativen und Tea-Party-Bewegten so einflussreich wie heute. Das ist paradox, schließlich hat Romney doch auch deshalb gegen Obama verloren, weil er sein ursprünglich moderates Profil ein bisschen zu weit nach rechts korrigierte: Am Ende hatte der Kandidat nicht nur ein Problem mit den Latino-Wählern, sondern auch mit Frauen und Großstädtern. Im Klartext: Mit dem Rechtskurs riskieren die Republikaner ihre Mehrheitsfähigkeit.

Bush hat das erkannt. Die Frage ist: Kann es einem im Vergleich moderateren Republikaner wie ihm gelingen, die CPAC-Kundschaft für sich einzunehmen? Oder ist die Lehre aus der Romney-Niederlage ein weiterer Rechtsruck? Chris Christie etwa wurde gar nicht erst eingeladen. Für den Geschmack der Konservativen hat er sich zuletzt zu oft mit Obama gezeigt - und ist zu oft über seine Parteifreunde hergezogen.

Mitt Romney aber wird nach Washington kommen, ihm haben sie am Freitag eine Viertelstunde eingeräumt. Im vergangenen Jahr reiste Romney noch als Bewerber zur CPAC, versuchte die Hardliner für sich zu gewinnen: Er sei "ernstlich" ("severely") konservativ, versicherte er damals.

Das kam gar nicht gut an. Es klang, als spreche er von einer Krankheit.

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Und diese Partei,
maxderzweite 14.03.2013
hat Lincoln hervorgebracht. Der Mann dreht sich sicher im Grabe um wenn er den Zustand seiner Partei sieht, er wäre heute sicher ein Demokrat bzw...wenn er heute Leben würde, wäre Obama Republikaner. ;)
2. Jeb Bush ist anders - nämlich wirklich gut
plagiatejäger 14.03.2013
Jeb war Gouverneur von Florida und wurde leider ziemlich von Latinos kritisiert, warum er im Fernsehen in spanisch vor einem schlimmen Hurricane warnt und Zwangsevakuierungen angeordnet hat - das wurde von Latinos als diskriminierend empfunden. Ich lobe einen solchen Gouverneur, der mit einer Latina verheiratet ist und auch die Menschen vor Ort nicht vergisst. Er ist so ganz anders (nämlich gut) als sein Bruder oder Vater, den ich auch schon mal gesehen habe. Als Präsident wäre er vielleicht zu sehr am Volk und nicht Vertreter der Industrielobby - also wird er es nicht.
3. Irgenwie....
hbblum 14.03.2013
erinnern mich die Republikaner an die Fische in meinen Aquarium Zuhause: Komplett in Iherer eigenen Welt lebend, starren Sie nach Aussen, auf etwas, die sie nicht verstehen. Die Frage ist nur: Wer füttert die Republikaner?
4.
r. schmidt 14.03.2013
Grossvater Prescott Bush hat noch die Nazis während des Krieges finanziert und damit "eigentlich" Hochverrat begangen. Danach wurde sein Sohn mit den beiden wichtigsten Ämtern(CIA Direktor und Präsident) belohnt, genauso wie halt sein Enkel George Bush. Das war wohl die Dividende für die geschickte Entsorgung des British Empire, Japans und Deutschland im Rennen um die Vorherrschaft.
5. Bush?
Teile1977 14.03.2013
Zitat von plagiatejägerIch lobe einen solchen Gouverneur, der mit einer Latina verheiratet ist und auch die Menschen vor Ort nicht vergisst. Er ist so ganz anders (nämlich gut) als sein Bruder oder Vater, den ich auch schon mal gesehen habe. Als Präsident wäre er vielleicht zu sehr am Volk und nicht Vertreter der Industrielobby - also wird er es nicht.
Ist das nicht der, der die Wahlen in seinem Land so Manipuliert hatte das sein Bruder George die Wahl in Florida (und damit die gesammte US-Wahl) gewinnen konnte?
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