Umstrittenes Treffen mit Putin EU-Parlamentspräsident Schulz nimmt Tsipras in Schutz

In Moskau haben Wladimir Putin und Alexis Tsipras die griechisch-russische Freundschaft beschworen, dafür gibt es scharfe Kritik aus Brüssel. Doch der Präsident des EU-Parlaments bleibt gelassen.

EU-Parlamentspräsident Schulz: "Die Linie, die wir von ihm erwarten, hat er nicht verlassen"
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EU-Parlamentspräsident Schulz: "Die Linie, die wir von ihm erwarten, hat er nicht verlassen"


EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den griechischen Premier Alexis Tsipras gegen Kritik an dessen Moskau-Reise in Schutz genommen. Der Syriza-Politiker sei bei seinem Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin nicht von der EU-Linie gegenüber Moskau abgewichen. "Bei allem Frohsinn zwischen Herrn Putin und Herrn Tsipras: Die Linie, die wir von ihm erwarten, hat er nicht verlassen", sagte Schulz dem ZDF-"heute journal".

Das Verhalten Tsipras' in Russland beruhige ihn, sagte Schulz weiter - und äußerte Verständnis: Der griechische Regierungschef müsse schließlich zwei Öffentlichkeiten bedienen - die im eigenen Land und die in der EU.

Scharfe Kritik an Tsipras' Russland-Reise kam von konservativen EU-Parlamentariern. Der Vorsitzende der EVP-Fraktion, Manfred Weber, sprach von einer "gefährlichen Mischung" bei den Gesprächen in Moskau. "Putins Russland ist auf einem aggressiven nationalistischen Kurs und Tsipras' Griechenland steht am finanziellen Scheideweg", sagte der CSU-Politiker dem "Münchner Merkur". "Ich hoffe, dass Tsipras intern auch den Umgang mit der demokratischen Opposition in Russland oder die Einhaltung der Waffenruhe in der Ostukraine thematisiert hat. Eine bloße Anbiederung ist wenig hilfreich."

Auch der Chef der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Herbert Reul, kritisierte Tsipras: "Die griechische Regierung kann nicht dauerhaft Solidarität von Europa fordern und sich selbst nicht daran halten", sagte er. "Die vereinbarten Geschäfte mit Russland sind gegenüber der restlichen europäischen Familie so nicht tragbar."

Am Mittwochnachmittag hatten Putin und Tsipras in Moskau eine stärkere Zusammenarbeit ihrer Länder angekündigt. Vor allem im Energiesektor soll demnach investiert werden - unter anderem sei über die neue Gas-Pipeline Turkish Stream gesprochen worden, die durch das Schwarze Meer und die Türkei verlegt werden soll.

Tsipras sprach nach dem Treffen von einem "wichtigen Tag für die russisch-griechischen Beziehungen". Putin stellte dem schuldengeplagten Land Kredite für große Infrastrukturprojekte in Aussicht: Zwar habe die Regierung in Athen keine Finanzhilfe bei Russland beantragt, doch seien Kredite für konkrete Projekte möglich, so Putin.

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Tsipras in Moskau: Freundschaftsanfrage aus Athen

mxw/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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kagu 08.04.2015
1. Erbitte Nachhilfe
Es erschließt sich mir nicht, inwiefern Putin und Tsipras die deutsch-russische Freundschaft beschworen haben und wieso, wenn es denn so sein sollte, sie dafür Kritik aus Brüssel ernten. Für "Nachhilfe" wäre ich dankbar. Mit freundlichen GHrüßen kagu
drent 08.04.2015
2. Schulz als Schutzengel
Tsipras ist gerettet.
localpatriot 08.04.2015
3. Gut dass Berlin sich heraushält.
Inwieweit die zitierten deutschen Stimmen im Bauernverband und Europaparlament die lautesten oder die einzigen sind lässt sich aus den localpatriotischen Berichten des SPON nicht ersehen. Aber man kann hoffen dass die deutsch EU Parlamentarier nicht die einzigen sind welche die Anti Tsipras Debatte anführen. Zurück zur Wirklichkeit. Es erinnert mich an die Panda Besuche und die Ping Pong Diplomatie gegen Ende des Kalten Krieges mit China und man kann zwei positive Aspekte erkennen wenn man von dem Übergeordneten Konflikt absieht. 1. Herr Tsipras bemüht sich gegensanktionen Russlands abzubauen. Ein paar Kisten Pfirsiche und wer weis wie weit sich das entwickeln könnte. Sollte Herr Putin bereit sein das auf deutsche Erzeugnisse auszuweiten, dann kann der Bauernverband immer nicht die Lieferung verweigern und die Essiggurken oder das Sauerkraut einstampfen lassen. 2. Griechenland benoetigt dringend ein Liste praktischer Infrastrukturprojekte welche glaubhaft sind. Ein Pipeline Projekt könnte genau so gut von der EU vorgeschlagen und finanziert werden. Zusammenfassend. Ein bisschen Tischtennis und ein oder zwei Pandabesuche änderten das Verhältnis zu China prinzipiell. Wer weis was man mit einem Container Pfirsichen und einer Gaspipeline am Ende erreichen kann. PS: Niemand in Berlin war bereit im Winter in der Kalten Bude zu sitzen weil die Gasheizung Gas aus Sibirien benutzt.
nofreemen 08.04.2015
4. man reibt sich die Augen und wundert sich
Die "gefährliche Mischung" ist gefährlich für Leute die sowas aussprechen; ganz klar. Denn das sind die due zuerdt ihren Job verlieren wenn es nicht mehr nach ihrem Gusto geht. Dem Tsipras vor zu schreiben was für Themen er anschneiden hätte etc. zeigt doch wie schwach diese Aussage ist. Tsipras ist für Griechland nach Moskau gereist und nicht für die EU. Und Schulz tut so wichtig, als ob er persönlich bei den Gesprächen dabei gewesen wäre. Wie immer, weiß er alles aus erster Hand. Was soll das ganze Getue?
josian 08.04.2015
5. Ein Schiff wird kommen
Und der Tag ist absehbar, wo die Welt erkennt, dass die Zeiten vorbei sind wo alles böse aus dem Osten kommt. Last uns endlich Frieden schließen mit den Russen. A.H. ist ja schon mal 70 Jahre tot, was anscheinend manche noch nicht begriffen haben!
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