Gespräche in Sanaa Westerwelle zu Blitzbesuch im Jemen eingetroffen

Es ist eine Visite auf schwierigem Terrain: Außenminister Westerwelle ist überraschend zum Staatsbesuch im Jemen eingetroffen. Dort will er mit der Regierung über Terrorismus reden. Präsident Saleh kündigt ein entschlossenes Vorgehen gegen al-Qaida im eigenen Land an.

Außenminister Westerwelle mit Jemens Präsident Saleh: Gespräche über Terrorismus
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Außenminister Westerwelle mit Jemens Präsident Saleh: Gespräche über Terrorismus


Sanaa - Zum Abschluss seiner Reise durch die Golfstaaten ist Außenminister Guido Westerwelle am Montag zu einem Blitzbesuch im Jemen eingetroffen. Am Flughafen wurde der FDP-Politiker vom jemenitischen Außenminister Abu Bakr Al-Qirbi empfangen. Aus Sicherheitsgründen war die Reise bis zuletzt geheimgehalten worden. Wichtige Partner und Verbündete Deutschlands seien aber vorab über die Reise unterrichtet worden, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Westerwelle will sich nach Angaben aus Delegationskreisen ein Bild der Lage vor Ort verschaffen. Der Minister sei besorgt, dass eine weitere Destabilisierung des Jemen negative Auswirkungen auf die gesamte Region und darüber hinaus haben könnte. In der Hauptstadt Sanaa wird Westerwelle sich am Montag mit Staatspräsident Ali Abdullah Saleh treffen. Hauptthema des Gesprächs wird der Kampf gegen den Terrorismus sein.

Westerwelle hatte auf seiner Reise in die Golfstaaten zuvor schon davor gewarnt, dass der Jemen zum "Rückzugsgebiet für Terroristen" der al-Qaida-Gruppen wird. Auch der verhinderte Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug bei Detroit Ende Dezember soll dort vorbereitet worden sein. Der FDP-Vorsitzende ist der erste westliche Außenminister, der seither wieder in den Jemen reiste.

Vor sechs Monaten wurde zudem ein Paar aus Sachsen mit seinen drei Kindern in dem Land entführt. Nach Angabe der jemenitischen Regierung aus der vergangenen Woche sind die fünf Bundesbürger noch am Leben. Westerwelle sagte dazu am Sonntagabend nur: "Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten unseren Beitrag dazu zu leisten, dass die Geiseln unversehrt zu ihren Angehörigen zurückkehren können."

Jemen erhöht Druck auf al-Qaida

Jemens Präsident Saleh steht wegen der anhaltenden Gefechte mit schiitischen Rebellen im Grenzgebiet zu Saudi-Arabien unter Druck. Westliche Partner des Jemen beklagen sich darüber, dass Saleh sein Versprechen eines nationalen Dialogs nur unzureichend eingelöst hat, um die Probleme im Norden und Süden des Landes zu lösen.

Nach der Erklärung von US-Präsident Barack Obama, keine Soldaten in den Jemen zu schicken, hat Saleh nun offenbar ein entschlosseneres Vorgehen gegen Terroristen im eigenen Land angekündigt. Nach einem Bericht der "Washington Post" kündigte Saleh im Fernsehsender "Abu Dhabi TV" gleichzeitig seine grundsätzliche Dialogbereitschaft mit den Extremisten an, vorausgesetzt, sie schwören der Gewalt ab. "Wir sind bereit mit jedem zu sprechen, der Gewalt und Terrorismus abschwört", so Saleh. Dialog sei der beste Weg, aber wenn al-Qaida Sabotage und Terrorakte fortsetze, sei seine Regierung entschlossen "sich den Herausforderungen zu stellen."

anr/AFP/dpa/ddp

Forum - Jemen - neues Kapitel im Anti-Terrorkampf?
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OlivierDjappa 04.01.2010
1.
Zitat von sysopDer Jemen ist ins Zentrum der internationalen Terrorbekämpfung gerückt: Seit sich dort ein Qaida-Ableger etabliert hat, erhält der arabische Staat massive Militärhilfe aus dem Westen. Vor allem die USA unterstützen die Armee mit Millionensummen. Der Jemen - ein neues kapitel im Anti-Terrorkampf?
Wie jetzt? Wurde da etwa Erdöl oder ein andere wichtiger Rohstoff (Grundwert unserer Lebensweise) gefunden?
nahal, 04.01.2010
2.
Eionen tag nach dem Besuch von Gen. Petraeus sind schon mindestens 2 Al-Qaida-Mitglieder in Yemen getötet worden.
CAJ, 04.01.2010
3. Arabien
Zitat von OlivierDjappaWie jetzt? Wurde da etwa Erdöl oder ein andere wichtiger Rohstoff (Grundwert unserer Lebensweise) gefunden?
Die Teroristen aus dem Jemen bedrohen vor allem die arabischen Herscherhäuser. Wer den Bückling Obamas vor dem saudischen König gesehen hat, braucht sich nicht zu wundern das Obama jetzt seinem Herrn äh arabischen Verbündeten zu Hilfe kommt.
elandy 04.01.2010
4.
Zitat von nahalEionen tag nach dem Besuch von Gen. Petraeus sind schon mindestens 2 Al-Qaida-Mitglieder in Yemen getötet worden.
Soso. Zwei von wievielen, die es dort gibt? Und wieviele Zivilisten, so wie in Afghanistan, werden in diesem sinnlosen Kampf als "Kollateralschäden" sterben müssen?
Dnole 04.01.2010
5.
Zitat aus dem Artikel: Denn hier, so viel steht acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September fest, hat die jüngste Generation von islamistischen Terroristen ihre neue "Qaida", ihre "Basis", aufgeschlagen. Wer daran noch Zweifel hegte, den belehrte, im hohen Ton des Gründers, jetzt die Propaganda-Abteilung von "Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel": "Mit Gottes Hilfe hat der heldenhafte Bruder, der das Märtyrertum anstrebende Umar Farouk, eine einzigartige Operation gegen ein Flugzeug durchgeführt, das nach Detroit in den USA unterwegs war, am Tag, an dem sie ,Christmas' feiern." Stimmt, so eine Nachricht im Internet ist der endgültige Beweis dafür. Es wäre Irrsinn jetzt noch daran zu zweifeln.
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