London - Spekulationen über Gespräche zwischen Uno-Vertretern und den Taliban gab es schon länger. Der frühere Uno-Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, hat die Kontakte nun erstmals offiziell bestätigt. Allerdings sei die Kommunikation abgerissen, sagte der norwegische Diplomat am Freitag der BBC. "Die meisten Gespräche wurden gestoppt." In diesem Zusammenhang machte der Diplomat Pakistan schwere Vorwürfe.
Denn in den vergangenen Wochen wurden mehrere Taliban-Führer festgenommen. So hatte der pakistanische Geheimdienst ISI mit Hilfe der CIA im Februar die Nummer zwei der Taliban, Mullah Abdul Ghani Baradar, verhaftet. Pakistan habe in diesem Zusammenhang "nicht die Rolle gespielt, die es spielen sollte", sagte Eide. Die Festnahmen wirkten sich sicherlich negativ auf die Möglichkeit aus, den politischen Prozess fortzusetzen.
Die pakistanische Regierung sei mit Sicherheit im Bilde gewesen, welche Rolle Baradar und andere Festgenommene bei dem Versuch hätten spielen sollen, eine politische Lösung für den Konflikt in Afghanistan zu finden, sagte der Diplomat der Nachrichtenagentur AP.
Auch im BBC-Interview machte er Pakistan schwere Vorwürfe. Er glaube nicht, dass das Land die Rolle im politischen Dialog spiele, um den Konflikt in Afghanistan zu beenden, sagte der Diplomat. Auf die Frage, ob Pakistan die Uno-Gespräche mit den Taliban beenden wolle, um selbst die Kontrolle über den Prozess zu haben, sagte er: "Ich denke, diese Interpretation ist wahrscheinlich richtig."
Pakistan wies die Vorwürfe zurück und beteuerte, hinter der Ergreifung der Taliban stehe nicht der Versuch, einen Versöhnungsprozess in der Region zu torpedieren. Auch in den USA war man voll des Lobes für die gute Zusammenarbeit. Endlich habe Pakistan erkannt, wie gefährlich die Taliban seien, hieß es. Denn die an Afghanistan grenzenden Stammesgebiete in Pakistan sind ein wichtiges Rückzugsgebiet für Qaida-Kämpfer und Taliban. Der US-Geheimdienst CIA und die US-Armee in Afghanistan hatten ihre Drohnenangriffe in Pakistan in den vergangenen Monaten intensiviert.
Eher "Gespräche über Gespräche" geführt
Gespräche mit den Taliban seien längst überfällig, sagte Eide. Die Festnahmen in den vergangenen Wochen hätten aber möglicherweise die Haltung der Aufständischen verhärtet. Das mache es schwerer, ihre Anführer zu Verhandlungen zu bewegen. Die Vereinten Nationen setzen in Afghanistan auf einen vorsichtigen Dialog mit den Taliban.
Die Gespräche mit den Taliban hätten im Frühjahr 2009 begonnen, berichtete Eide. Es seien eher "Gespräche über Gespräche" geführt worden. Sein Team habe hohe Anführer getroffen und Bevollmächtigte der sogenannten Quetta-Schura, dem Führungsgremium der Taliban. Die Unterredungen hätten "außerhalb Afghanistans" stattgefunden, sagte der Diplomat. Zum Inhalt der Verhandlungen schwieg er.
Während der Präsidentenwahl im August seien die Kontakte ausgesetzt und nach der Abstimmung wieder aufgenommen worden - bis die Festnahmen mehrerer Taliban-Anführer in Pakistan begannen.
Der Norweger Eide war erst in diesem Monat von seinem Posten als Uno-Sondergesandter am Hindukusch zurückgetreten. Zum Ende seiner Amtszeit räumt er schwere Versäumnisse bei den Friedensbemühungen in dem Land ein und forderte Gespräche mit den Taliban.
Auch der afghanische Präsident Hamid Karzai macht sich seit längerem für Verhandlungen mit den radikalislamischen Aufständischen stark. Erst vor einer Woche erklärte er sich auch zu Gesprächen mit Taliban-Chef Mullah Omar bereit. Die Aufrufe waren bislang jedoch erfolglos, unter anderem weil Karzai zur Bedingung macht, dass die Aufständischen die in weiten Teilen westlich geprägte Verfassung Afghanistans akzeptieren.
mmq/dpa/Reuters
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