Gestoppte Gaza-Flottille: Festgenommene Blockadebrecher sind wohlauf

Sie wollten Medikamente nach Gaza transportieren, doch die israelische Marine stoppte die propalästinensischen Aktivisten 30 Kilometer vor der Küste. Alle 27 Besatzungsmitglieder waren nach ihrer Festnahme wohlauf und sollen in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

Foto der israelischen Armee: Marine-Soldaten entern eines der Flottillen-Boote Zur Großansicht
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Foto der israelischen Armee: Marine-Soldaten entern eines der Flottillen-Boote

Tel Aviv - Diesmal gab es weder Tote noch Verletzte: Alle 27 Aktivisten einer kleinen Gaza-Flotille aus zwei Booten sind nach ihrer Festnahme wohlauf. Das teilte die Sprecherin des israelischen Militärs, Avital Leibovich, mit, nachdem die Boote in den israelischen Hafen Aschdod gebracht worden waren. Vier der Aktivisten an Bord seien von der Polizei verhört worden, berichtete die Zeitung "Jediot Achronot" am Samstag unter Berufung auf die Behörden. Zusammen mit den anderen sollten sie in Kürze abgeschoben werden.

Zwei Griechen sind nach Behördenangaben bereits am Samstag heimgeflogen, je ein Journalist aus Spanien und den USA sollen am Sonntag folgen. Ein Israeli und eine Ägypterin seien bereits freigelassen worden. Die übrigen 21 Festgenommenen warten noch auf ihre Abschiebung.

Am Vortag hatten Soldaten die beiden Boote, die "Saoirse" aus Irland sowie die "Tahrir" aus Kanada, etwa 30 Kilometer vor der Küste des Gaza-Streifens gestoppt und geentert. Dabei seien sie auf keinerlei Widerstand getroffen. Die beiden Schiffe hätten keine Hilfsgüter für den Gaza-Streifen an Bord gehabt. Nach Angaben der Organisatoren sollen sich jedoch Medikamente im Wert von umgerechnet etwa 20.000 Euro an Bord eines der Boote befunden haben.

Die beiden Boote waren am Mittwoch von der Türkei aus in See gestochen. Die Aktivisten wollten mit der Fahrt Richtung Gaza-Streifen gegen die ihrer Meinung nach illegale israelische Seeblockade des Palästinensergebietes am Mittelmeer protestieren. Israel hat nach eigenen Angaben die Seeblockade verhängt, um einen Waffenschmuggel dorthin zu verhindern. Unterstützer der Aktivisten kritisierten die Aktion der israelischen Marine als einen Akt der Piraterie.

Eine Sprecherin des israelischen Militärs hatte den Aktivisten vorgeworfen, sie wollten Israel provozieren und die Sicherheit des Landes unterminieren. Israel wird aus dem von der radikalislamischen Hamas beherrschten Gaza-Streifen regelmäßig mit Raketen und Granaten beschossen. Israel hat deshalb eine Blockade über den Gaza-Streifen verhängt. Die früher fast vollständige Blockade ist inzwischen aber nur noch auf wenige Güter beschränkt, die aus israelischer Sicht die Kampfkraft radikaler Gruppen stärken könnten.

2010 starben neun türkische Aktivisten

Im Mai 2010 hatten israelische Soldaten bei der Erstürmung einer wesentlich größeren Flotte vor Gaza neun türkische Aktivisten getötet. Ein israelisches Kommando hatte das türkische Schiff "Mavi Marmara" gestürmt, das mit anderen Schiffen einer internationalen Hilfsflotte die Gaza-Blockade durchbrechen wollte. Der Vorfall führte zu einer massiven Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Türkei und Israel.

Erst im September hatte ein Uno-Bericht über die Erstürmung der "Mavi Marmara" den Streit zwischen der Türkei und Israel neu entfacht. Darin wird der Einsatz als exzessiv und unverhältnismäßig kritisiert. Zugleich bewertet der Uno-Bericht die Seeblockade des Gaza-Streifens durch Israel aber als legal.

Ankara wies den israelischen Botschafter aus und legte alle Militärabkommen mit Israel auf Eis. Israel lehnt die von der Türkei geforderte Entschuldigung für den Angriff aber weiterhin ab. Als Begründung führt die Regierung an, dass die israelischen Elitesoldaten beim Entern des Schiffes zur Selbstverteidigung Gewalt hätten anwenden müssen.

hda/dpa/Reuters

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