Gestürzter Präsident: Zelaya protestiert an der Grenze zu Honduras

Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya gibt nicht auf: Zum zweiten innerhalb weniger Stunden protestierte er an der Grenze zwischen Nicaragua und seinem Heimatland. Doch die Rückkehr nach Honduras wird ihm weiter verwehrt - nun sollen Gesprächen in Washington weiterhelfen.

Trotz der scharfen Kritik der USA setzt der entmachtete honduranische Präsident Manuel Zelaya seine Versuche fort, mit einer Rückkehr die Putschisten unter Druck zu setzen. Nach einer symbolischen Grenzüberschreitung protestierte er am Wochenende das zweite Mal binnen weniger Stunden an einem Übergang zwischen Nicaragua und Honduras. Der Verbündete des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez vermied aber eine direkte Konfrontation mit den Sicherheitskräften und blieb auf der nicaraguanischen Seite.

Gestürzter Präsident Zelaya: Neuer Protest an der Grenze zu Honduras Zur Großansicht
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Gestürzter Präsident Zelaya: Neuer Protest an der Grenze zu Honduras

"Wenn ich mich nähere und sie mich verhaften wollen, werden mich die Menschen verteidigen und es wird ein Massaker geben", sagte der linksgerichtete Zelaya am Samstag. Trotz Warnungen der international nicht anerkannten Übergangsregierung hatte er die Grenze zuvor für kurze Zeit übertreten. Als Geste des Triumphs hielt er die Absperrkette über seinen Kopf. Anschließend kehrte er auf nicaraguanischen Boden zurück. Auf der honduranischen Seite der Grenze warteten Polizisten und Soldaten, die ihn festnehmen sollten.

Sicherheitskräfte hielten während des Wochenendes Anhänger Zelayas zurück, sich der Grenze zu nähern. Dabei setzten sie auch Tränengas ein. Nahe des Ortes El Paraiso wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Unklar blieb, wie er gestorben war und ob eine Verbindung zu den Protesten bestand.

Die USA kritisierten die Strategie Zelayas. Der entmachtete Präsident müsse Provokationen unterlassen, sagte Außenministerin Hillary Clinton. Sie nannte Zelayas Verhalten unverantwortlich.

Der entmachtete Staatschef konterte, Clinton sei nicht ausreichend über das jetzige "repressive Regime" in Honduras informiert. Der gestürzte Präsident wird am Dienstag in Washington erwartet. Ob es dabei zu einem Gespräch der beiden Politiker kommt, ist noch offen.

Auch das Treffen der Mitgliedsländer des südamerikanischen Wirtschaftsverbundes Mercosur war von der honduranischen Krise dominiert. In strengen Worten forderten die Staaten die Wiedereinsetzung Zelayas und bezeichneten die jetzige Übergangsregierung unter Roberto Micheletti als illegitim. "Das ist ein Schritt zurück, den unsere Region nicht tolerieren kann", sagte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva.

Zelaya wurde vor einem Monat mit Unterstützung des Militärs von der Macht verdrängt, weil er sich nach dem Vorbild Chavez' über eine Verfassungsänderung eine weitere Amtszeit sichern wollte.

flo/Reuters

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