Regierungserklärung: Chávez leidet an schwerer Atemnot

Sein Gesundheitszustand hat sich offenbar weiter verschlechtert: Venezuelas Präsident Hugo Chávez leidet nach Angaben des Informationsministers an einer Lungenentzündung und schwerer Atemnot - Gerüchten zufolge ist er dem Tode nah. Eigentlich sollte er am 10. Januar erneut vereidigt werden.

Hamburg/Caracas - Bei Venezuelas Präsident Hugo Chávez sind nach seiner jüngsten Operation weitere Komplikationen aufgetreten. Chávez leide an schwerer Atemnot infolge einer Lungenentzündung, die er sich nach seiner vierten Krebsoperation zugezogen habe, teilte Venezuelas Informationsminister Ernesto Villegas am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache mit. Zugleich warf er ausländischen Medien "psychologische Kriegsführung" vor, um die Errungenschaften von Chávez' sozialistischer Revolution zu untergraben.

Gerüchten zufolge ist der 58-Jährige Staatschef dem Tode nahe, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Seit über drei Wochen hat sich Chávez, der in einem Krankenhaus in der kubanischen Hauptstadt Havanna behandelt wird, nicht mehr öffentlich blicken und auch nichts von sich hören lassen.

Die Regierung müsse die Bevölkerung davor warnen, dass der internationale "Medienkomplex" eine Kampagne angezettelt habe, der letztlich zum Ziel habe, "die Bolivarische Republik Venezuela zu destabilisieren", sagte Villegas. Chávez bezog sich in seinen politischen Reformen häufig auf den südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar.

Derzeit ist unklar, ob Chávez, der im Oktober wiedergewählt wurde, wie von der Verfassung vorgesehen am 10. Januar den Amtseid ablegen kann. Die Regierung hatte am Dienstag von einem "komplexen postoperativen Zustand" des Präsidenten gesprochen. Manchmal gebe es leichte Besserungen seines Gesundheitszustands, dann wieder "stagnierende Situationen", sagte Chávez' Stellvertreter und designierter Nachfolger Nicolás Maduro.

Designierter Nachfolger dementiert Machtkampf

Maduro hielt sich in den vergangenen Tagen in Kuba auf, um sich ein Bild von Chávez' Gesundheitszustand zu machen. Zu Gerüchten über einen heraufziehenden Machtkampf zwischen ihm und Parlamentspräsident Diosdado Cabello sagte Maduro, sie seien "einiger als je zuvor". Die Opposition werde "2000 Jahre" darauf warten müssen, dass die Erben Chávez' sich zerstritten, fügte Cabello hinzu.

Die Opposition hatte in den vergangenen Tagen von der Regierung Klarheit über Chávez' Gesundheitszustand gefordert. "Es ist unerlässlich, dass die Regierung die Wahrheit sagt", erklärte etwa der Generalsekretär des oppositionellen Bündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD), Ramón Guillermo Aveledo.

Der Linksnationalist Chávez steht seit 1999 an der Spitze des ölreichen südamerikanischen Landes, im Oktober wurde er für eine dritte Amtszeit wiedergewählt. Am 11. Dezember wurde Chávez zum vierten Mal in Kuba wegen seiner Krebserkrankung operiert.

Vor seiner Abreise nach Kuba hatte sich Chávez für den 50-jährigen Maduro als seinen möglichen Nachfolger ausgesprochen. Zudem übertrug er ihm in einem Dekret einen Teil seiner Befugnisse. Laut dem Dekret erhielt der Vizepräsident unter anderem Mitspracherechte beim Staatshaushalt sowie bei Devisenkäufen und Enteignungen. Mit der Übertragung dieser Aufgaben soll nach offiziellen Angaben die "Arbeitsbelastung" von Chávez reduziert werden.

flo/AFP/Reuters

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Auch
der_pirat 04.01.2013
Auch wenn ich seine Position nicht teile, bedaure ich seinen Gesundheitszustand. Sowas wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht. Ich habe das in meiner Familie als grauenhaft erlebt und wünsche ihm von Herzen alles Gute.
2. Er wurde im Oktober wiedergewählt,
guteronkel 04.01.2013
obwohl sein Gesundheitszustand bekannt war. Das zeugt dafür, dass das Volk mit seiner Politik zufrieden ist. Das hört man im "Westen" nicht gerne, dass eine linksgerichtete Regierung erfolgreich ist, zumal in Venezuela Ölvorkommen bekannt sind. Mal sehen wie lange die USA noch ihre Finger davon lassen können. Ich wünsche Herrn Chavez das Allerbeste und dem gesamten Volk von Venezuela auch.
3. Titellos
UnitedEurope 04.01.2013
Eine Pneumonie zu diesem Zeitpunkt wird er wohl nicht überleben. Hoffe nur, dass Venezuela stabil bleibt und dort nicht der nächste Unruheherd aufbricht.
4.
Claudio Tiberio 04.01.2013
Zitat von guteronkelobwohl sein Gesundheitszustand bekannt war. Das zeugt dafür, dass das Volk mit seiner Politik zufrieden ist. Das hört man im "Westen" nicht gerne, dass eine linksgerichtete Regierung erfolgreich ist, zumal in Venezuela Ölvorkommen bekannt sind. Mal sehen wie lange die USA noch ihre Finger davon lassen können. Ich wünsche Herrn Chavez das Allerbeste und dem gesamten Volk von Venezuela auch.
Womit ist diese Regierung erfolgreich? Einfach nur gegen die USA zu sein, ist kein Heilmittel für das Volk, siehe Kommunismus.
5. Gerüchten zufolge passt es dem
si tacuisses 04.01.2013
Zitat von sysopSein Gesundheitszustand hat sich offenbar weiter verschlechtert: Venezuelas Präsident Hugo Chávez leidet nach Angaben des Informationsministers an einer Lungenentzündung und schwerer Atemnot - Gerüchten zufolge ist er dem Tode nah. Eigentlich sollte er am 10. Januar erneut vereidigt werden. Gesundheitszustand von Venezuelas Präsident Chávez verschlechtert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/gesundheitszustand-von-venezuelas-praesident-chavez-verschlechtert-a-875682.html)
"Westen" überhaupt nicht ins Konzept, dass eine linksgerichtete Regierung demokratisch gewählt und erfolgreich ist. Da kann man dann nicht so einfach den dicken Maxe machen.
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