Getötete Uno-Beobachter Annan wirft Israel vorsätzliche Attacke vor

Bei einem israelischen Luftangriff auf einen Uno-Beobachtungsposten an der libanesischen Grenze wurden in der Nacht vermutlich alle vier Soldaten getötet. Uno-Generalsekretär Annan sprach von einer "offenbar vorsätzlichen" Attacke. Israel wies den Vorwurf als "voreilig und falsch" zurück.


Beirut - Uno-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, er sei geschockt und zutiefst beunruhigt von dem "offenbar vorsätzlichen" Angriff der israelischen Streitkräfte auf den Uno-Posten im Südlibanon. Der Stützpunkt existiere schon seit geraumer Zeit und sei klar gekennzeichnet gewesen. "Ich fordere die israelische Regierung zu einer umfassenden Untersuchung dieses überaus beunruhigenden Vorfalls auf und verlange, dass alle Angriffe auf Uno-Stellungen und Angehörige aufhören müssen."

Ein Uno-Posten im Südlibanon: Israel bedauert seinen tödlichen Angriff auf Blauhelm-Soldaten
AP

Ein Uno-Posten im Südlibanon: Israel bedauert seinen tödlichen Angriff auf Blauhelm-Soldaten

Israel äußerte sein Bedauern über den Vorfall. Die israelische Regierung bedauere "den tragischen Tod von Uno-Mitarbeitern im Libanon" zutiefst, erklärte das israelische Außenministerium in der vergangenen Nacht. "Israel zielt nicht auf Mitarbeiter der Uno." Seit dem Beginn des Konflikts habe Israel vielmehr alles getan, um für die Sicherheit von Uno-Mitarbeitern in der Region zu sorgen. Der Zwischenfall werde "gründlich untersucht". Ein Militärsprecher sagte, die Ermittlungen seien bereits im Gange.

Der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dan Gillerman, wies Annans Vorwurf zurück, die israelische Luftwaffe habe den Beobachterposten absichtlich angegriffen. "Ich bin überrascht von dieser voreiligen und falschen Behauptung des Generalsekretärs", sagte Gillerman in New York. Während Annan noch eine Untersuchung des Falls fordere, gebe er bereits deren Ergebnis vor, erklärte Gillerman.

Die von der israelischen Luftwaffe abgeworfene Bombe traf gestern Abend eine Basis der Uno-Beobachtertruppen Unifil in der Nähe der Stadt Chijam an der Grenze zwischen Libanon und Israel. Bei dem Angriff sind vermutlich vier unbewaffnete Blauhelmsoldaten getötet worden. Bisher wurden drei Leichen geborgen. Einer der Toten ist ein Chinese, bei den anderen Opfern soll es sich nach libanesischen Angaben um einen Österreicher, einen Kanadier und einen Finnen handeln.

China bestellte den israelischen Botschafter ein und verlangte eine Entschuldigung für den israelischen Angriff. Der chinesische Außenminister kam in Peking zu einer Krisensitzung mit dem israelischen Botschafter Yehoyada Haim zusammen, wie das Außenamt mitteilte.

China verlange von Israel "eine gründliche Untersuchung, eine Entschuldigung an China und an die Familie des Opfers sowie Hilfe für die chinesische Seite bei der Bestattung". Die Regierung in Peking verurteile den israelischen Luftangriff scharf. China sei "tief schockiert" und erwarte, dass alle Konfliktparteien - "besonders Israel" - alles täten, um die Sicherheit von Uno-Friedenssoldaten zu gewährleisten.

Das Geschoss sei "mit voller Wucht" eingeschlagen, sagte der Sprecher der Uno-Friedenstruppen, Milos Strugar. Es habe schon im Laufe des Nachmittags insgesamt 14 Beinahe-Treffer gegeben, sagte Strugar. Selbst während der laufenden Rettungsarbeiten dauere der Beschuss an.

hen/dpa/AP/Reuters/AFP



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