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Getöteter Qaida-Chef USA verzögern Veröffentlichung von Bin-Laden-Foto

Bin Ladens Versteck: Blut auf dem Teppichboden
Fotos
REUTERS/ The White House

Bin Laden war nicht bewaffnet, als er starb: Das Weiße Haus muss seine Darstellung in einem wichtigen Detail korrigieren. Fotos der Leiche will die US-Regierung zunächst nicht herausgeben - sie seien "grausig". Doch ohne Bilderbeweis blühen in den USA und der islamischen Welt Verschwörungstheorien.

Washington/Islamabad - Zwei Schüsse sollen Qaida-Chef Osama Bin Laden getötet haben, Berichten zufolge "explodierte sein Kopf" - wohl deshalb tut sich die US-Regierung schwer damit, Fotos des Erschossenen zu präsentieren. Sie wären ein Weg, um in der Öffentlichkeit Zweifel am Tod des Terroristen auszuräumen, aber das Weiße Haus zögert: Die Bilder seien zweifellos grausig, sagte Sprecher Jay Carney.

Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan hatte zuvor eine Veröffentlichung nicht ausgeschlossen. Auch Videomaterial von der Kommandoaktion und Bilder des Seebegräbnisses könnten gezeigt werden.

CIA-Chef Leon Panetta wiederum sagte in einem Interview mit dem US-Sender NBC News, dass es noch keine Entscheidung über die Veröffentlichung eines Fotos gebe - sie liege beim Weißen Haus. Man werde die Fotos wohl letztendlich veröffentlichen. "Ich denke, wir sollten dem Rest der Welt zeigen, dass wir in der Lage waren, ihn zu kriegen und zu töten."

Dilemma der US-Regierung

Befürworter hatten zuvor signalisiert, die Veröffentlichung sei nötig, um Zweifel auszuräumen, dass der Qaida-Chef tatsächlich tot sei. Die US-Regierung steht vor einem Dilemma: Einerseits verlangt die Welt nach Klarheit, andererseits fürchtet sich Washington vor den Reaktionen in der islamischen Welt. Dabei griffen die USA bereits öfter zum Foto als Beweismittel für das Ableben von Erzfeinden: Während des Irakkriegs veröffentlichten sie 2003 Bilder von Saddam Husseins getöteten Söhnen Udai und Kusai. Im Juni 2006 zeigte das US-Militär Fotos des bei einem Bombenangriff umgekommenen irakischen Qaida-Chefs Abu Mussab al-Sarkawi. Ein Bild vom gehängten Saddam Hussein sickerte im Januar 2007 ebenfalls durch, auch wenn die damalige US-Regierung sich darüber unglücklich zeigte.

Das Weiße Haus sagt, Bin Laden sei eindeutig identifiziert worden: Vor Ort nach dem Feuergefecht, mit einer ausgeklügelten Fotoerkennungstechnik, schließlich zu 99,9 Prozent per DNA-Test. Doch selbst wenn die US-Regierung dies alles veröffentlichen würde - ganz unterbinden wird sie die Spekulationen ohnehin nicht können.

"Es wird einige Tumulte um die Frage geben, ob Bin Laden wirklich tot ist", sagt Robert Alan Goldberg, der ein Buch über Verschwörungstheorien in den USA geschrieben hat. Der Geschichtsprofessor der Universität Utah rechnet damit, dass sich einige Menschen zu Wort melden werden, die den Qaida-Chef gesehen haben wollen. Nicht zu vergessen seien Anhänger von 9/11-Verschwörungstheorien, die behaupten, Bin Laden habe als Geheimagent für die CIA gearbeitet.

Taliban äußern Zweifel am Tod Bin Ladens

Die afghanischen Taliban zogen Bin Ladens Tod in einer Erklärung im Internet bereits in Zweifel. Die Beweise der USA seien nicht überzeugend, heißt es. Die Taliban haben ein politisches Interesse, Spekulationen über das Schicksal des Terroristenführers anzuheizen. Viele Verschwörungstheoretiker hegen staatlichen Autoritäten gegenüber aber ein grundsätzliches Misstrauen und weisen deshalb die offizielle Darstellung der Realität zurück.

Der oberste Verschwörungstheoretiker der USA, Moderator Glenn Beck, torpedierte die Meldung vom Tod Bin Ladens mit vielsagenden Fragen: War die Kommandoaktion nur Show? Ging es US-Präsident Barack Obama um die Umfragewerte? US-Radiomoderator Alex Jones stellte die gewagte These auf, dass die US-Regierung Bin Laden bereits seit Jahren als gefrorene Leiche im Tiefkühlfach aufbewahrt. Auf dem sozialen Online-Netzwerk Facebook entstanden Dutzende Gruppen, in denen sich Zweifler der offiziellen US-Version zusammenfanden und Weltgeschichte aus einer recht ungewohnten Perspektive debattierten.

"Wenn es ein Informationsvakuum gibt, fangen die Leute an, zu spekulieren", sagt Barna Donavan, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität St. Peter in New Jersey. Als er gehört habe, dass die Leiche Bin Ladens im Ozean versenkt wurde, sei ihm klar gewesen, dass nun Verschwörungstheorien die Runde machen würden. Damit kann die US-Regierung aber offenbar besser leben als mit einem Grab Bin Ladens, das zur Pilgerstätte werden könnte.

Sicher ist: Die Nachricht von der Tötung Bin Ladens durch amerikanische Elitesoldaten hat das Ansehen von US-Präsident Obama deutlich verbessert. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Erhebung des Instituts Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters ergab, finden 39 Prozent der Befragten, dass sich die Führungsqualitäten ihres Präsidenten verbessert hätten. 42 Prozent erklärten, sie hätten nun eine bessere Meinung über Obamas Politik im Kampf gegen Extremisten. Etwa ein Drittel der Befragten sprach Obama die Anerkennung für den Angriff auf Bin Laden aus.

Mehr als 56 Millionen Amerikaner hatten die Ansprache von Obama zur Tötung Bin Ladens verfolgt. Das gab das Marktforschungsunternehmen Nielsen am Dienstag bekannt. Die neunminütige Rede am Sonntag kurz vor Mitternacht (US-Ostküstenzeit) war von neun Fernsehsendern live übertragen worden, berichtete das US-Branchenblatt "Variety". Trotz der späten Sendezeit war die Einschaltquote mehr als doppelt so hoch wie bei Obamas Ansprache zum Konflikt in Libyen Ende März.

Zuletzt hatte das Weiße Haus seine Darstellung von der Tötung des Qaida-Chefs teilweise korrigiert: Bin Laden selbst sei nicht bewaffnet gewesen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit.

hen/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 7425 Beiträge
HansOch 02.05.2011
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht [...]
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin [...]
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau [...]
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
Hubatz 02.05.2011
Dieser Mann ist ein Mysterium. Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien aber Beweisfotos oder besser Videos würden mich erfreuen.
Dieser Mann ist ein Mysterium. Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien aber Beweisfotos oder besser Videos würden mich erfreuen.
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